Kino

"Marianne & Leonard" im Kino Cohen liebte die Frauen, eine ganz besonders

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Man weiß nie, wann man der Liebe seines Lebens begegnet.

(Foto: dpa)

Zwei junge Menschen begegnen sich auf einer griechischen Insel, sie gucken sich einen Moment zu lange in die Augen und schon ist es um sie geschehen. Leonard und Marianne werden sich ihr Leben lang nicht verlieren. Er wird nur wenige Wochen nach ihr sterben, und er wird ihr, kurz vor ihrem Tod, den schönsten Liebesbrief schreiben.

Leonard Cohen befand sich immer wieder auf einer "Journey into the dark" - und dabei gab es doch so viel Licht in seinem Leben. Allein das Licht auf der Insel Hydra, das sich im fast weißblonden Haar seiner Freundin und Muse Marianne Ihlen gefangen hat, würde reichen, um ein Jahr am Stück ganz Berlin "City-of Lights"-artig zu illuminieren. Aber Leonard war ein Außenseiter - und ist es, trotz großer Erfolge und Niederlagen und Wiederauferstehungen, wahrscheinlich immer geblieben. In "Marianne & Leonard" erzählt der britische Dokumentarfilmregisseur Nick Broomfield nun die Liebesgeschichte des Ausnahmesängers und seiner norwegischen Muse.

Er nimmt uns mit auf eine poetische Reise in die 60er Jahre und auf die Insel Hydra, erzählt eine bewegende Liebes- und Lebensgeschichte über einen einmaligen Künstler und die immerwährende Suche nach Inspiration mit all ihren Ups and Downs. Am 7. November 2019, dem Kinostart von "Marianne & Leonard" jährt sich der Todestag von Leonard Cohen bereits zum dritten Mal. Der Film setzt dem Sänger, dem Liebespaar und einer ganzen Ära ein Denkmal.

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Ganz in Weiß - und dennoch nicht verheiratet: Marianne und Leonard.

(Foto: dpa)

Als Marianne und Leonards Liebe 1960 auf Hydra begann, war die idyllische, griechische Insel DER Treffpunkt einer unkonventionellen Gemeinschaft ausländischer Künstler, Schriftsteller und Musiker. Es war aber auch die Zeit der sogenannten freien Liebe, die die einen besser, andere schlechter bewältigen konnten. Cohen liebte Frauen, erzählt eine Zeitzeugin, er liebte sie so, dass sie sich selbst lieben konnten. Aber er konnte sich nie vollkommen hingeben, denn hätte er das getan, dann wäre er irgendwann weg gewesen. Billy Donovan, sein alter Tourmanager, kriegt heute noch feuchte Augen, wenn er an all die Frauen auf den Touren denkt: "Selbst ich habe welche abbekommen", erzählt er mit melancholischem Blick. Und Leonards Stimme aus dem Off ergänzt: "Ich hatte einen großen Appetit auf die Gesellschaft von Frauen. Und darauf, diese Freundschaft auch sexuell mit ihnen auszuleben. Hey, es waren die 60er!"

Selbst die Esel waren auf Drogen

Darunter leidet Marianne Ihlen mit der Zeit immer mehr, so sehr, dass sie manchmal nicht mehr leben möchte. Und auch darunter, dass alle um sie herum Künstler waren, nur sie nicht. Sie war die Muse. Und die Mutter - Marianne hatte einen Sohn mit in die Beziehung gebracht, "Little Axel", auch seine Geschichte wird beleuchtet: "Es war schwer für Kinder in dieser Zeit, sie wurden gezeugt, und dann wurden sie sich selbst überlassen. Auf Hydra haben sie Acid in die Drinks der Kinder gemischt," erzählt ein Zeitzeuge, "selbst die Esel waren auf Droge." Es gibt nur wenige auf Hydra, die mit dem Lifestyle dort klargekommen sind, die meisten sind vollkommen abgestürzt. Auch Leonard und Marianne sind oft auf Speed - offene Beziehungen, keine Grenzen, keine Verlässlichkeit - Mariannes Sohn verbringt viel Zeit in "Institutionen".

*Datenschutz

In Originalaufnahmen erzählt Marianne, wie es an Leonards Seite war: "Ich habe das Essen herangeschafft, ich bin hin und her gelaufen, damit er Künstler sein konnte." So etwas kann auf die Dauer nicht gut gehen - jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Oft zog sie ihm hinterher, auch, als er zurück nach Montreal ging, wo bald nicht nur viele andere, namenlose Frauen um Leonard herum waren, sondern vor allem "Suzanne". Die Suzanne, die auch ein Lied von diesem Sohn aus gutem Hause geschrieben bekommt, und die eines Tages vor Mariannes Tür auf Hydra steht und sagt: "Pack' deine Sachen, jetzt wohne ich hier." Das klingt brutal - vielleicht aber war das Mariannes Rettung: Sie zieht nach Oslo und beginnt ein "normales Leben".

So long, Marianne

"Marianne, wir sind nun beide in einem Alter angekommen, da unsere Körper anfangen, zu vergehen - und ich denke, dass ich dir bald folgen werde. In dem Wissen, dass ich so nah bei dir bin, kannst du einfach deine Hand ausstrecken, und ich denke, du wirst meine erreichen. Du weißt, dass ich dich immer für deine Schönheit und deine Weisheit geliebt habe, aber ich muss gar keine Worte mehr darüber verlieren, denn du weißt das alles schon. Jetzt wünsche ich dir eine gute Reise. Auf Wiedersehen, meine liebe Freundin. In unendlicher Liebe, ich sehe dich ganz bald."

Wir sehen unglaublich intensive Aufnahmen: Leonard Cohen im buddhistischen Kloster, auf den Konzerten, backstage, wackelige Bilder von Booten und im Studio, wie er pleite ist und wieder aufersteht, nachdem seine Managerin die Kohle durchgebracht hatte, Marianne im Krankenhaus, ihr wird der Brief von Leonard vorgelesen, wenig später stirbt sie. Und über allem schwebt die Klammer, dass Mariannes und Leonards Liebe trotz allem ein Leben lang gehalten hat.

In vielen bisher unveröffentlichten Aufnahmen von Broomfield und dem US-Dokumentarfilmer und Oscar-Preisträger D.A. Pennebaker folgt der Film nicht nur der Beziehung zwischen Marianne und Leonard, überdies erfahren wir auch von den Schicksalen derer, die das Leben auf Hydra nicht bewältigt haben und von der inspirierenden Kraft, die Marianne Ihlen besaß. Im Jahr 2016 starben Marianne Ihlen und Leonard Cohen im Abstand von nur drei Monaten.

Der Film "Marianne & Leonard" läuft im Kino.

Quelle: n-tv.de

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