Kino

Zwischen Lachen und Weinen Das Leben ist nichts für Feiglinge

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Sein Leben ist aus den Fugen: Familienvater Markus (Wotan Wilke Möhring) in "Das Leben ist nichts für Feiglinge".

Bernd Spauke / NFP

Wenn Wotan Wilke Möhring demnächst beim "Tatort" in die Bütt steigt, werden ihm Millionen auf die Finger schauen. Nicht ganz so viele dürften es bei seinem neuen Kinofilm "Das Leben ist nichts für Feiglinge" werden. Schade eigentlich, denn der Streifen ist eine gelungene Tragikomödie im besten Sinne.

Wotan Wilke Möhring: Der Name ist nicht gerade so leicht zu merken wie Jim Rakete, Dolly Dollar oder Peggy Büchse. Dennoch hat er sich mittlerweile eingebrannt. Von Erfolgskomödien wie "Männerherzen" und "Mann tut was Mann kann" über ein mit Preisen überhäuftes TV-Drama wie "Der letzte schöne Tag" bis nun hin zum "Tatort" - in deutschen Film- und Fernsehproduktionen kommt man an Wotan Wilke Möhring eigentlich nicht mehr vorbei.

Das Timing könnte passender kaum sein. Ehe der 45-Jährige am 28. April erstmals als Kommissar Thorsten Falke mit ordentlich Straßengeruch in der ARD auf Ganovenjagd gehen darf, kommt mit "Das Leben ist nichts für Feiglinge" ein Film ins Kino, in dem ganz andere Facetten zum Tragen kommen. Spannung und Action sind in der Tragikomödie Fehlanzeige. Stattdessen rührt der Streifen von Regisseur André Erkau ("Selbstgespräche", "Arschkalt") kräftig ans Herz.

Schicksalsschläge, Krankheit, Tod

Möhring mimt in dem Film Markus Färber, der an einem dramatischen Wendepunkt in seinem Leben steht - vor Kurzem ist seine Frau bei einem nicht gerade alltäglichen Unfall ums Leben gekommen. Schlimm genug, dass er selbst eher schlecht als recht mit diesem Schicksalsschlag fertig werden muss. Doch nun trägt er auch die alleinige Verantwortung für Tochter Kim (Helen Woigk). Mit ihr ist es nicht einfach. Nach dem Tod der Mutter zieht sich das pubertierende Gothic-Girl zusehends in sein Schneckenhaus zurück. Die Entfremdung vom Vater gipfelt darin, dass sie schließlich mit ihrem neuen Freund Alex (Frederick Lau) Reißaus nimmt und von zu Hause abhaut.

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Finden Vater und Tochter wieder zueinander?

(Foto: Georges Pauly / NFP)

Doch nicht nur die Tochter gibt Anlass zur Sorge. Auch Färbers Mutter Gerlinde (Christine Schorn) macht Kummer. Sie erfährt, dass sie Krebs hat. Um Sohn und Enkelin nicht noch weiter zu belasten, verschweigt sie ihre Krankheit und die folgende Therapie mit Pflegerin Paula (Rosalie Thomass) an ihrer Seite zunächst. Aber auf Dauer ist der Schwindel, sie sei nur in den Urlaub gefahren, nicht aufrechtzuerhalten. Als er auffliegt, nimmt Markus seine Mutter zu sich. Dass sie mehr und mehr dazu neigt, den Kampf gegen den Krebs aufzugeben, will er natürlich nicht akzeptieren. Doch das Verschwinden von Kim überlagert mit einem Mal alle anderen Probleme. Jetzt gilt es erst einmal, sie wiederzufinden. Markus hat einen Verdacht: Kim ist in Dänemark. Mit Gerlinde und Paula im Gepäck bricht er zur Suche nach ihr auf, in der Hoffnung, die Familie wieder zu kitten. Gibt es womöglich gar ein Happy End?

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Keine Frage: Der Streifen, für den Gernot Gricksch sowohl die Romanvorlage als auch das Drehbuch lieferte, ist kein leichter Stoff. Gleichwohl ist der Film alles andere als ein Depri-Drama, das einen frustriert zurückließe. Stattdessen bindet er den Zuschauer in einer Stimmung zwischen Lachen und Weinen ein. Der bittersüße Drahtseilakt ist kein einfacher. Doch in "Das Leben ist nichts für Feiglinge" gelingt er, nicht zuletzt auf Grund der tollen schauspielerischen Leistungen von Möhring und seinen Mitstreitern - einschließlich der jungen Newcomerin Helen Woigk.

Wenn etwa Mutter Gerlinde auf die Bemerkung des Arztes, es komme nun auf ihre Einstellung an, nur trocken "Meine Einstellung zum Krebs ist feindselig", antwortet; wenn Markus, als sich die Reisebüro-Tante weigert, die zu Lebzeiten seiner Frau geplante Kreuzfahrt zu stornieren, den Vertrag kurzerhand auf zwei Obdachlose umschreibt; oder wenn Paula ein paar aufgebrachten Dänen, bei denen Markus auf der Suche nach seiner Tochter ins Fenster gelugt hat, damit beruhigt, dass er ihr Alzheimer-Patient sei - dann ist das im besten Sinne tragisch und komisch zugleich.

Ein Massenpublikum und die Millionen, die Möhring bei seinem "Tatort"-Debüt beobachten werden, wird "Das Leben ist nichts für Feiglinge" sicher nicht ins Kino locken. Für einen Überraschungserfolg à la "Ziemlich beste Freunde" ist die Geschichte dann phasenweise doch zu ruhig und bescheiden erzählt. Ein sehenswertes Kleinod ist der Streifen jedoch auf jeden Fall. Und allemal mehr als nur die gelungene Generalprobe für Kommissar Thorsten Falcke.

Quelle: n-tv.de

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