Kino

"Ich fasse es nicht" Das Wolfsrudel ist zurück: Hangover 2

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Drei Männer und ein Äffchen: Stu, Phil und Alan (v.l.n.r.) in "Hangover 2".

Melinda Sue Gordon

Zwei Jahre sind seit dem katastrophalen Junggesellen-Abschied von Phil, Stu, Doug und Alan in Las Vegas vergangen. Und jetzt passiert es schon wieder. In Thailand! Mit anderen Worten: "Hangover 2" kommt in die Kinos - und ist in den USA bereits ein Kassenschlager.

Es ist doch wirklich wie verhext. Manchmal sitzt man da, und es will einem partout kein Einstieg in einen Text einfallen. Ein anderes Mal indes hat man gleich zwei Ideen auf einmal und weiß nicht, wie man sich entscheiden soll. So geht es mir gerade. Ach, wissen Sie was?! Ich biete Ihnen einfach mal beide Alternativen an. Die neutrale und sachliche Variante 1 lautet: Es gibt Filme, die muss man nicht gucken. Aber man kann! Variante 2 hingegen ist ein wenig zugespitzter: Es gibt Filme, die muss Mann nicht gucken. Aber Mann kann!

Das alles galt bereits für den ersten Teil von "Hangover". Wer sich outet, den verpasst zu haben, muss anders als zum Beispiel bei "Avatar", "Pulp Fiction" oder "Der Herr der Ringe" nicht unbedingt zwangsläufig damit rechnen, dass sein Gegenüber rot anläuft und mit vorwurfsvollem Unterton hyperventiliert: "Waaas???!!! Den hast Du nicht gesehen???!!!" Gleichwohl kann man sich ziemlich sicher sein, dass man von einem, der "Hangover" schon kennt, den Ratschlag bekommen wird, das Versäumte nachzuholen: "Schau Dir den bei Gelegenheit mal an. Der ist echt lustig."

Yeah, Testosteron!

Die Chancen, dass das so oder so ähnlich klingen wird, erhöhen sich noch einmal überproportional, wenn das Gegenüber ein Mann ist. Schließlich dreht sich in dem Streifen alles um ein nur allzu männliches Ritual: den Junggesellen-Abschied - inklusive aller zugehöriger Klischees von Alkohol und  Drogen über Stripperinnen und Spielcasinos bis hin zu Prügeleien. Dass darin auch der verurteilte Vergewaltiger, Kampfkoloss und Mister "Tu ma lieber die Öhrchen" Mike Tyson eine Rolle als Mike Tyson spielte, passte da natürlich wie die Faust aufs Auge. Yeah, Testosteron, Baby!

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Wo ist Teddy? Der Rand zur Verzweiflung ist da schon lang überschritten.

(Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Über den Plot, die Typen und das Ausarten des Junggesellen-Abschieds in Las Vegas konnten aber sicher alle lachen, egal ob Männlein oder Weiblein. Die Idee, das Tohuwabohu im Hotelzimmer der aus dem Delirium erwachten Jungs-Truppe häppchenweise in der Rückschau aufzuklären, war brillant. Insbesondere Zach Galifianakis strapazierte als Psycho Alan die Lachmuskeln. Und die schrittweise Enthüllung so abstruser Fragen, wie denn verflixt noch mal der Tiger ins Badezimmer gekommen ist, machte "Hangover" zu einem der "lustigsten Filme seit Langem", wie etwa die "Times" urteilte.

Der Lohn: Trotz des eher unbekannten Schauspieler-Ensembles wurde der Streifen zu einem der Kassenschlager des Jahres 2009. Mittlerweile hat er bei "nur" 35 Millionen Dollar Produktionskosten beinahe 500 Millionen Dollar eingespielt. Den Golden Globe für die beste Komödie gab es oben drauf. Wer würde da nicht darüber nachdenken, die Erfolgsgeschichte mit einem zweiten Teil fortzuschreiben?

Die Kunst der Variation

Gesagt, getan - und so kehren Alan, Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms) und Doug (Justin Bartha) jetzt auf die Leinwand zurück. Diesmal verschlägt es die verpeilte Viererbande, die sich wie zum Hohn selbst "Wolfsrudel" nennt, allerdings nicht nach Las Vegas, sondern nach Thailand. Und während im ersten Teil die Hochzeit von Doug der Grund der Reise ins Spielerparadies war, ist es diesmal der spießige Zahnarzt Stu, der mit der Thailänderin Lauren (Jamie Chung) in ihrem Heimatland unter die Haube kommen soll.

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Zach Galifianakis (l.) glänzt erneut als durchgeknallter Alan.

(Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Das war es dann aber auch schon mit den Unterschieden. Ansonsten ist "Hangover 2" nichts anderes als ein vollständiger Neuaufguss des Vorgängers - mit geringfügigen Variationen, versteht sich: Statt wie damals in Las Vegas in einer zerstörten Luxussuite wachen Alan, Stu und Phil verkatert in einer verwüsteten Absteige in Bangkok auf. Statt "nur" einen kompletten Filmriss von den Ereignissen der vergangenen Nacht zu haben, wissen die drei diesmal allerdings noch nicht einmal, wie es sie von der Hochzeitsgesellschaft auf dem thailändischen Land hierher verschlagen hat. Statt eines fehlenden Zahns entdeckt Stu ein schickes Gesichtstattoo an sich. Statt eines Tigers befindet sich ein Äffchen in Jeansjacke mit im Appartement. Und statt wie im Original Doug, der nach wie vor bei den Trauungsgästen weilt und den mysteriösen Trip der anderen nach Bangkok nicht mitgemacht hat, ist nun der kleine Bruder der Braut namens Teddy (Mason Lee) wie vom Erdboden verschluckt. Fest steht nur, dass er sich dem Ausflug von Alan, Stu und Phil wohl angeschlossen haben muss - schließlich entdecken die drei in ihrer Ranzbude einen abgeschnittenen Finger des 16-Jährigen.

"Ich fasse es nicht, dass uns das wieder passiert", bringt es Stu im Film auf den Punkt. Die Betonung muss auf "wieder" liegen, denn von da an nimmt die Geschichte ihren ebenfalls schon aus dem ersten Teil in leicht abgewandelter Form bekannten Lauf: Da sie ohne Teddy insbesondere dem Brautvater nicht unter die Augen treten könnten, machen sich Alan, Stu und Phil auf die Suche nach dem Jungen. Dabei erleben sie nicht nur allerlei skurrile Situationen und manche Pleiten, sondern kommen nach und nach auch dahinter, was in der Zeit ihres Blackouts so alles geschehen ist. Halb Bangkok stellen sie auf den Kopf, um Teddy zu finden. Dabei ist die Lösung doch wieder mal ganz einfach …

Eine Nummer anzüglicher

Sie erinnern sich noch an die Einleitung dieses Textes - oder? Was für den Originalstreifen galt, gilt für die Neuauflage allemal: "Hangover 2" kann Mann getrost gucken, muss Mann aber nicht unbedingt. Sicher nicht ohne Grund hat Todd Phillips - Regisseur, Produzent und Mitautor des Drehbuchs in einer Person - den Ort der Handlung diesmal nach Bangkok verlegt. Der Humor ist jedenfalls noch einmal um Einiges zotiger ausgefallen als beim ersten Abenteuer des "Wolfrudels" in Las Vegas. Dass die thailändische Metropole, die bekanntlich nicht nur für ihre Tuk Tuks berühmt-berüchtigt ist, dafür den perfekten Rahmen liefert, liegt auf der Hand.

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"Hangover 2" läuft ab 2. Juni 2011 in den deutschen Kinos.

(Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Rezensionen über Wiederholungstaten zu schreiben, scheint in diesen Tagen mein Schicksal zu sein. Mit "Hangover 2" verhält es sich dabei weniger wie mit der "Fluch der Karibik"-Reihe, die ihr Pulver allmählich verschossen hat, sondern mehr wie mit Lady Gaga - man ist geneigt, die erste Wiederholung noch einmal zu verzeihen. "Hangover 2" ist immer noch ein lustiger Film, doch  vergleichbare Aha-Effekte und Überraschungsmomente wie der erste Teil kann er nicht mehr liefern. Das liegt in der Natur der Sache. Wirklich unverzeihlich würde es allerdings dann, wenn sich die Macher dazu hinreißen ließen, womöglich noch einen dritten Teil nach dem gleichen Strickmuster nachzuschieben. Ganz unwahrscheinlich ist das sicher nicht: In den USA hat "Hangover 2" gerade den für eine Komödie besten Kinostart aller Zeiten hingelegt.

Quelle: n-tv.de

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