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"Iron Sky" ist Trash pur, verfehlt aber sein Ziel Die Nazis planen den Meteorblitzkrieg

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Die Mond-Nazis wollen das "Vierte Reich" errichten.

Iron Sky

Von der dunklen Seite des Mondes aus planen versprengte Nazis mit Reichsflugscheiben und Zeppelinen die Invasion der Erde. Dort treffen sie auf eine kriegerische US-Präsidentin und Hitlerbärtchen als Intimfrisur. "Iron Sky" zelebriert seine hanebüchene Science-Fiction-Story mit vielen Anspielungen und erstaunlichen Spezialeffekten. Überzeugen kann der Film trotzdem nicht.

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Mond-Führer Kortzfleisch in Aktion.

(Foto: Iron Sky)

Spätestens seit "Inglourious Basterds" ist klar: Nazis eignen sich wunderbar als Thema für Trash-Filme. Sie sind böse, sie sind skurril, sie sind Witzfiguren. Mit der politischen und der historischen Korrektheit nimmt man es da nicht so genau. Der finnisch-deutsche Film "Iron Sky" schlägt genau in diese Kerbe. Da fliehen versprengte Nationalsozialisten nach 1945 auf die dunkle Seite des Mondes und gründen dort eine Kolonie, um die Invasion der Erde vorzubereiten und das "Vierte Reich" zu gründen.

Jahrzehnte später wird das Treiben auf dem Erdtrabanten eher zufällig durch eine US-Mondmission entdeckt. Die Nazis fackeln nicht lange - einer der Astronauten wird erschossen, der andere (dargestellt von Christopher Kirby) gefangen genommen. Dass dieser schwarz ist, verwirrt die Mond-Nazis. Was ist da auf der Erde los? Mond-Führer Wolfgang Kortzfleisch ("Es heißt jetzt Heil Kortzfleisch!", debil und böse: Udo Kier) und seine Getreuen fürchten bereits eine Invasion. Es ist an der Zeit, den lange geplanten eigenen Angriff auf die Erde voranzutreiben. Riesenweltraumzeppeline, Reichsflugscheiben und die Wunderwaffe "Götterdämmerung" stehen bereit.

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Renate Richter, der "albinisierte" US-Astronaut und SS-Mann Adler.

(Foto: Iron Sky)

Als Kundschafter werden der stramme SS-Offizier Klaus Adler (Götz Otto) und die ideologisch feste, aber naive Lehrerin Renate Richter (Julia Dietze) zur Erde gesandt. Zu ihnen gesellt sich jener schwarze US-Astronaut, der nicht nur einer Gehirnwäsche unterzogen, sondern mit einem speziellen Serum auch "albinisiert", also geweißt wurde. Auf dem Planeten angekommen, machen sie sich auf den Weg zum Zentrum der Macht: dem Weißen Haus. Dort bangt die Präsidentin, die nicht zufällig wie das Ebenbild von Sarah Palin aussieht, gerade um ihre Wiederwahl. Die von ihr aus Wahlkampfzwecken inszenierte Landung auf dem Mond ist ja bereits gescheitert.

Nun wird die Präsidentin also auch noch mit Nazis konfrontiert - und sie ist begeistert. Einheit, Reinheit, Gleichheit sind perfekte Slogans für den Wahlkampf. Und dass durch die Invasion der Nazis vom Mond auch noch ein Krieg bevorsteht, ist das Sahnehäubchen. Denn wer im Krieg steht, wird wiedergewählt. Nun überschlagen sich die Ereignisse: Die Nazis greifen an und entfesseln ihre Geheimwaffe. Die Staaten der Welt enthüllen ihre aufgerüsteten Weltraumstationen und schlagen zurück. Und Renate Richter entdeckt ihr Gewissen und die Liebe.

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Die Mondbasis der Nazis.

(Foto: Iron Sky)

Das alles klingt verrückt. Aber darum geht es ja auch: um durchgeknallten Trash. Denn "Iron Sky" ist alles andere als Mainstream-Kino. Das sieht man bereits an der Finanzierung des Films. Fast 1 der 7,5 Millionen Euro Produktionskosten wurde durch Crowdfunding im Internet gesammelt. Fans aus aller Welt wurden mit ihren Spenden zu Mini-Produzenten. Sechs Jahre dauerte es, bis die (in einer Sauna geborene) Idee schließlich umgesetzt werden konnte. Da ist es kein Wunder, dass es seit Monaten im Internet rumorte und jeder neue Trailer fieberhaft erwartet wurde.

"Der große Diktator" als Kurzfilm

Angeheizt wurde die Spannung durch eine geschickte Marketing-Strategie, die mit Fotos und Videos permanent Einblick in den Produktionsprozess bot. "Iron Sky" setzte damit von Anfang an konsequent auf die Vernetzung des Internets und effektive Mundpropaganda statt auf die üblichen PR-Schlachten etablierter Studios. Gerade für kleine Produktionen und Nachwuchskünstler ist die ein wichtiger und richtiger Weg, denn nur mit Crowdfunding, Mundpropaganda und Vernetzung können sie sich noch im umkämpften Filmgeschäft durchsetzen.

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Die Invasion der Erde hat begonnen.

(Foto: Iron Sky)

Gerade angesichts dieser großen Erwartungen ist es schade, dass "Iron Sky" letztlich eine Enttäuschung ist. Trotz aller Satire, gelungenen Witzen und überzeugenden (in Finnland entstandenen) Spezialeffekten bleibt der rote Faden auf der Strecke. Dem Film fehlt die Konzentration, er wirkt teilweise wie eine blasse Aneinanderreihung von Witzen. Die Story nimmt nur sehr langsam Fahrt auf und verheddert sich dann in der Vielzahl der angesprochenen Themen. Zudem krankt der Film am zu großen Spagat zwischen Optik und Inhalt. Die erst durch die vielen Spenden möglich gewordenen Spezialeffekte sind sehenswert, der Inhalt dagegen ist Trash pur. Was also will dieser Film sein?

Zur Rettung werden allerdings die Szenen, die auf dem Mond spielen. Die Darstellung des Lebens in der Nazi-Kolonie entspricht genau dem Ziel des Films: eine skurrile, unrealistische, makabere Geschichte zu erzählen. Hier gibt es wunderbare, subtile Anspielungen. So ist etwa Chaplins "Der große Diktator" auf dem Mond ein Kurzfilm, der nur aus dem berühmten Tanz mit der Weltkugel besteht. Diese Szene gilt als Symbol für die unbegrenzte Herrschaft des Nationalsozialismus über die Erde. Erst als Renate Richter auf der Erde den gesamten Film sieht, erkennt sie, wie furchtbar diese Ideologie tatsächlich ist.

Hitlerbärtchen im Intimbereich

Auch die Konfrontation der in der Zeit stehen gebliebenen Nazis mit der modernen Welt wird genüsslich ausgekostet. Riesige Schrank-Computer treffen auf ein Handy, das eine größere Rechenleistung aufweist. Auf der Erde wundern sich die Nazi-Schergen, dass die nackte Frau im Playboy ihren Intimbereich rasiert hat - schließlich sieht das nun aus wie ein Hitlerbärtchen. Schließlich sorgt auch noch die sexbesessene Wahlkampfmanagerin der US-Präsidentin für einen sehr gelungenen Witz, als sie einen Wutanfall hat, der exakt einer Szene aus "Der Untergang" mit Bruno Ganz als Hitler entspricht.

So man sich auf den politisch unkorrekten Film einlässt, kann man also durchaus seinen Spaß haben an dieser abgefahren Geschichte zwischen "Inglourious Basterds", "Star Wars" und "The Boys from Brazil". Dabei werden nicht nur der Nationalsozialismus und seine menschenverachtende Ideologie durch den Kakao gezogen. Auch die Zerstrittenheit des UN-Sicherheitsrats, die Realitätsferne Nordkoreas, die Naivität George W. Bushs, die allgegenwärtige Hysterie in den USA und die geheime Aufrüstung des Weltraums bekommen ihr Fett weg. Nur verliert "Iron Sky" dadurch leider seinen Mittelpunkt.

"Iron Sky" kommt am 5. April in die deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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