Film und Serien

"No, you can't!"Einfach megalustig: Megamind

02.12.2010, 18:43 Uhr
imagevon Volker Probst

Klar, die PR-Maschine für "Megamind" läuft auf Hochtouren – bis hin zu den kleinen Filmfiguren im "Happy Meal". Doch sollte sich davon niemand abturnen lassen, denn der Animationsstreifen ist vor allem eins: Mega-, megalustig.

Das passt: Es ist dunkel, saukalt und Weihnachten steht vor der Tür. Was gibt es Besseres, tristem Winterwetter und Gänsebraten-Overkill gleichzeitig zu entgehen, als sich wenigstens für zwei Stunden in einen warmen Kinosessel zu fläzen? Das hat sich wohl auch der Verleih von "Megamind" gedacht - und bringt den Streifen pünktlich vor den Feiertagen in die Lichtspielhäuser.

"Megamind" ist der neueste Streich aus den DreamWorks-Animationsstudios - die Schmiede, die auch schon für "Shrek", "Madagascar" oder "Kung Fu Panda" verantwortlich zeichnete. Im Mittelpunkt stehen diesmal jedoch kein Oger oder possierliche Tierchen, sondern waschechte Superhelden. Nun ja, so waschecht dann auch wieder nicht.

Gut gegen Böse

Eigentlich haben Megamind und Metroman die gleichen Voraussetzungen. Beide werden als kleine Babys von ihrem vor der Zerstörung stehenden Planeten in Raumkapseln auf die Erde geschossen. Doch während der eine von ihnen in einem reichen und vornehmen Haushalt landet, verschlägt es den anderen ausgerechnet ins Gefängnis. Die Geschichte nimmt ihren Lauf: Während der versnobte Metroman mit California-Dreamboy-Figur und Zahnpasta-Lächeln zum strahlenden Helden von Metro City aufsteigt, wird aus dem hässlichen, kleinen Megamind sein bösartiger Gegenspieler.

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Gut oder böse? Das ist hier die Frage. (Foto: Getty Images)

Beide bekriegen sich mit ihren außerirdischen Fähigkeiten nach Strich und Faden - so lange, bis das eigentlich Undenkbare geschieht: Als Megamind seinen Kontrahenten in eine Falle lockt und in die Luft sprengt, hat offenbar das Böse über das Gute gesiegt. Doch die Freude des Schurken darüber währt nicht lange. Was hat sein Leben denn jetzt überhaupt noch für einen Sinn? Also erschafft er sich einen neuen Gegner: Tighten. Das Problem: Tighten erweist sich leider nur allzu schnell als Hohlbirne, die es nicht gebacken bekommt, ein Superheld zu sein. Stattdessen schwingt sich der vertrottelte Rotschopf zu einem noch böseren Bösewicht auf. Jetzt steht auf einmal Megamind am Scheideweg zwischen Gut und Böse. Was soll er tun? Schließlich geht es ja auch noch um die Liebe einer Frau …

Blockbuster für 130 Millionen Dollar

"Megamind" fährt alles auf, was ein Animations-Blockbuster, zumal in 3D, zu bieten hat. Schließlich hat der Film schlappe 130 Millionen Dollar gekostet. Dafür wurden schon mal nahezu 100.000 Zeichnungen angefertigt. Allein in die Effekte in dem Streifen wurden aufaddiert mehr als 1.300 Wochen Arbeitszeit investiert - wäre eine einzige Person damit beschäftigt gewesen, hätte sie länger als 25 Jahre daran gesessen. Für den Film insgesamt wurden mehr als 10.000 Kleidungsstücke simuliert und allein für eine Regenszene 700.000 Tropfen animiert, um nur zwei weitere Beispiele für den Aufwand hinter den Kulissen zu geben.

Aber, kein Grund zur Panik: "Wenn man sich nicht selbst umbringen will, ist das Geld das letzte, über das man nachdenken sollte. Sonst könnte man gar nicht mehr einschlafen", meint "Megamind"-Regisseur Tom McGrath. "Du versuchst einfach, den dir bestmöglichen Film zu machen." Und wenn man schon nachts wach liege, dann doch nicht etwa wegen der Knete, sondern um sich Gedanken über die Geschichte und ihre Charaktere zu machen.

"Das Geheimnis daran"

Ganz schön selbstbewusst, der Herr McGrath, schließlich ist "Megamind" sein Solodebüt als Regisseur. Bei seinen beiden Erstlingswerken in dieser Funktion - die beiden "Madagascar"-Filme - hatte er zur Unterstützung Eric Darnell an der Seite. "Ich mag wirklich beides", sagt McGrath darüber. "Ich habe es genossen, diesen Film jetzt alleine zu machen. Aber ich hätte auch nichts gegen eine weitere Partnerschaft mit jemanden, der ähnlich tickt wie ich."

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Solodebüt als Regisseur: Tom McGrath. (Foto: Getty Images)

Trotz seines Regiedebüts ist McGrath in Sachen Animationsfilme kein unbeschriebenes Blatt. So hat er sich in diesem Genre in der Vergangenheit unter anderem schon als Drehbuchschreiber, Designer und Synchronsprecher ausgetobt. Ohne Frage: Die Welt der zum Laufen gebrachten Pixel und Bytes ist sein Ding: "Was ich an Animationsfilmen liebe, ist, dass man bei ihnen nicht mit einem komplett entwickelten Script anfängt, sondern das Ganze nach und nach entwickelt", schwärmt der Regisseur. So könne man noch im Produktionsprozess herausfinden, ob etwas funktioniert oder eben nicht. Manchmal komme es dabei auch vor, dass ganze Sequenzen geopfert und nochmal neu gebaut würden. "Das ist das Geheimnis daran", sagt McGrath und ist sich sicher: "Jeder, der Realfilme dreht, wäre neidisch darauf."

Die noch relativ neue 3D-Technik eröffne dabei spezielle Möglichkeiten. Man dürfe sich diese jedoch nicht als oberste Richtschnur vorstellen, vielmehr sei es so, "als ob man einen weiteren Pinsel oder eine weitere Farbe hätte, mit der man arbeiten kann", sagt McGrath. "Sollten jetzt alle Filme in 3D gedreht werden? Wahrscheinlich nicht", lautet sein Resümee. "Aber ich habe es genossen."

Wie Jesus auf dem Wasser

Und nicht nur er, auch die Zuschauer werden "Megamind" genießen. Der Film ist wirklich extrem komisch. Nicht nur Comic-Fans, denen so manche Sequenz wie etwa die an Superman angelehnte Anfangsszene bekannt vorkommen dürfte, kommen auf ihre Kosten. Wenn etwa Metroman respektlos wie Jesus über das Wasser läuft oder Megamind seine Schreckensherrschaft über Metro City wie in Opposition zu Barack Obama mit "No, you can't"-Plakaten untermauert, wird sich kaum einer das Schmunzeln verkneifen können. Kinder werden sicher nicht jeden dieser Erwachsenen-Witze verstehen, aber definitiv werden auch sie in dem Film genügend Gründe zum Lachen finden.

Natürlich ist die Geschichte vom Superhelden ebenso alles andere als neu wie die vom ewigen Kampf von Gut gegen Böse - auch wenn McGrath genauso selbstverständlich das scheinbar Außergewöhnliche an dem Streifen betont: "Das Ganze ist ja eine 'Was wäre, wenn'-Geschichte. Was wäre, wenn der ins Weltall entsandte Superman nicht auf einer schönen Farm landen würde, sondern im Gefängnis", sagt er. "Und was wäre, wenn der Böse gewinnen würde? Wäre er dann glücklich oder würde ihn das in eine Krise stürzen? Normalerweise gewinnt der Böse ja nie." Doch egal, ob das bislang nun wirklich nie gezeigt wurde - darauf kommt es gar nicht an. "Megamind" ist Popcorn- und Unterhaltungskino im besten Sinne. Eben genau das Richtige für die Winter- und Weihnachstage.