Kino

Überspitzt, scharfsinnig, witzig "Emma" meint es doch nur gut

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Die einfach unverbesserliche Emma (r.) nimmt die junge, naive Harriet unter ihre Fittiche.

(Foto: picture alliance/dpa)

Was Emma Woodhouse an Reichtum und Schönheit besitzt, fehlt ihr dafür an Menschenkenntnis. Aus purer Selbstüberschätzung mischt sie sich in das Liebesleben anderer ein und richtet damit ungeheuren Schaden an. "Emma" ist eine Jane-Austen-Verfilmung voller Scharfsinn und Humor.

"Ich werde eine Heldin schaffen, die keiner außer mir besonders mögen wird", soll Jane Austen über ihre Protagonistin Emma gesagt haben, kurz bevor sie ihren gleichnamigen Roman schrieb. Mit dieser Einschätzung sollte die britische Schriftstellerin nur bedingt recht behalten. Denn ihre eigensinnige Hauptfigur, die sich aus purer Langeweile und Selbstüberschätzung heraus in fremde Liebesangelegenheiten einmischt, ist eine - für Austen typische - schöne Abwechslung zu klassischen Romanheldinnen des 19. Jahrhunderts.

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Schauplatz des Romans und der Verfilmung ist das fiktive Dorf Highbury. Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy) lebt allein mit ihrem Vater (der urkomische Bill Nighy) auf dem Landsitz Hartfield in der Nähe Londons. Reich und verwöhnt wie sie ist, ist die 21-Jährige nicht nur vollkommen von sich selbst überzeugt, sondern auch von ihren Menschenkenntnissen. Als ihre Erzieherin Miss Taylor (Gemma Whelan) Mr. Weston heiratet, ist sich Emma sicher, für die Liebe der beiden verantwortlich zu sein - schließlich haben sich die beiden über sie kennengelernt.

In diesem Irrglauben nimmt sie die jüngere, naive Harriet Smith (Mia Goth) unter ihre Fittiche, die im Mädchenpensionat Highburys auf Heirat und Gesellschaft vorbereitet wird. Gegen den Rat ihres Vaters und ihres Schwippschwagers George Knightley (Johnny Flynn) möchte Emma nun die junge Schülerin mit Mr. Elton (Josh O'Connor) verkuppeln. Dass der Dorfvikar jedoch ein Auge auf sie selbst geworfen hat, entgeht Emma dabei vollkommen. Umso größer die Enttäuschung und dicker die Tränen, als Harriet auf Anraten Emmas den Heiratsantrag des Pächters Robert Martin (Connor Swindell) ablehnt - im Glauben, mit dem bessergestellten Mr. Elton den größeren Fang gemacht zu haben.

Dem Roman absolut ebenbürtig

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Emma Woodhouse lernt erst ganz am Ende, dass sie sich in all ihren Mutmaßungen getäuscht hat - auch in ihren eigenen Herzensangelegenheiten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotzdem müssen einige weitere Kuppelversuche scheitern, bis Emma endlich merkt, dass es ratsamer wäre, sich nicht in Privatangelegenheiten anderer einzumischen. Denn die belasten nicht nur ihre Freundschaft zu ihrem Daueropfer Harriet, sondern auch die Beziehung zu ihrem ohnehin größten Kritiker, Mr. Knightley. Allerdings ist es genau der Reifeprozess der jungen Frau, der den Film so sehenswert macht. US-Regisseurin Autumn de Wilde, die bislang Musikvideos drehte und nun mit "Emma" ihr Kinodebüt feiert, hat die verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale ihrer Heldin äußerst liebevoll und detailreich in Szene gesetzt und mit den passenden Blicken, Gesten und Wortwitzen ergänzt.

Überhaupt ist die Verfilmung von "Emma" dem Roman in Sachen Scharfsinn und Witz absolut ebenbürtig - anders als der eher schwache 1996er-Versuch mit Gwyneth Paltrow und Toni Collette in den Hauptrollen. Alles ist so herrlich überspitzt: die Schülerinnen, die immer wieder mit ihren roten Umhängen und Schutenhüten kichernd und im Gänsemarsch durch den Film laufen; die choreografischen Bewegungen der Protagonisten (vor allem die der Diener, wenn sie Wandschirme von Emmas hypochondrischem Vater umstellen); die Dynamik zwischen Emmas Schwester und ihrem Gatten; die ausgewählten musikalischen Töne, die passend zu jeder Pointe fallen.

Die leuchtenden Farben der weiten Landschaften, der Kostüme und der Einrichtungen der feudalen Herrenhäuser, gepaart mit der messerscharfen Kameraführung und dem typisch britischen Charme der Charaktere, lassen die Verfilmung noch moderner wirken, als der Klassiker für seine Zeit ohnehin schon war. Mit der herausragenden Besetzung (auch ganz stark: Miranda Hart als quasselige Dorf-Jungfer Miss Bates) ist "Emma" eine absolut gelungene Filmadaptation.

"Emma" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de