Unterhaltung
Gefangen in ihren Rollen: Heinz und Hans.
Gefangen in ihren Rollen: Heinz und Hans.
Donnerstag, 31. Mai 2018

Tonke, Hosemann & Peter Pan: Ich glaub', ich bin im falschen Film

Von Sabine Oelmann

Sie sind im richtigen Film, wenn Sie jetzt "Zwei im falschen Film" sehen, denn dieser Film ist lustig. Und ehrlich. An vielen Stellen wie aus dem richtigen Leben, werden Sie sagen. Und man kann tatsächlich trotzdem lachen? Ja!

Hans nennt seine Freundin "Heinz" - noch Fragen? Nein, und das sagt eigentlich schon alles über ihre Beziehung. Während die verliebte Umwelt sich gegenseitig anschnuckelt und anschatzit und anhasit und überhaupt anhimmelt, sind Hans und Heinz echte Kumpel. Die Abende verbringen die beiden in trauter Zweisamkeit Chips essend und Video spielend in Jogginghose auf dem Sofa und verhalten sich auch sonst eher kindisch als erwachsen. Hans arbeitet im Copyshop und Heinz, eigentlich Schauspielerin, ist zur Synchronstimme einer Zeichentrickampel verkommen - wobei sie eigentlich mehr drauf hat, als dämliche Werbesongs zu singen. Klar kommen da auch Dinge zu kurz. Sex zum Beispiel. Oder Romantik. Oder die Frage alle Fragen: "Heinz, willst du mich, Hans, vielleicht mal heiraten, verdammte Axt?"

Wohnen über dem Copyshop - der Gipfel der Romantik ...
Wohnen über dem Copyshop - der Gipfel der Romantik ...

Dabei sind wir, die Zuschauer, immer ganz dicht dran ans Hans und Heinz, und wissen oft gar nicht gleich, was die so konkret falsch machen. Denn natürlich ist es anstrengend, sich ständig an dem anderen abzuarbeiten, wenn es doch auch so laufen kann, wie unter besten Kumpels eben. Aber das reicht dann vielleicht doch nicht für ein ganzes Leben, so ein "mega normales" Paar zu sein, dessen Liebe in die Jahre gekommen ist - genau genommen ins Achte - und dem die Liebe nun droht abhanden zu kommen.

"Weil Sachen fehlen!"

Kurz gesagt: Ihrer Beziehung ist das gewisse Etwas abhandengekommen. Das fällt ihnen allerdings erst auf, als sie an ihrem Jahrestag ins Kino gehen, ein Liebesfilm steht auf dem Programm. Merkwürdigerweise will die romantische Stimmung von der Leinwand nicht so recht auf die beiden überspringen. Als Hans dem Ex-Freund von Heinz auch noch bereitwillig ihre Handy-Nummer gibt, statt eine Eifersuchtsszene im Restaurant zu machen, schrillen bei Heinz alle Alarmglocken: Das kann keine echte Liebe sein! "Warum nicht?", fragt Hans ernsthaft ahnungslos. "Weil Sachen fehlen", schluchzt Heinz daraufhin. Pragmatisch, wie die beiden sind, erstellen sie daher nun eine Liste mit all den "Sachen", die zu einer filmreifen Liebe gehören: Romantik, Sehnsucht, Leidenschaft, Eifersucht und Drama - die großen Gefühle eben. Hoch motiviert beginnen Hans und Heinz, diese Liste abzuarbeiten und stellen fest: Im wahren Leben ist nichts wie im Film!

Wie - bei Küssen kommt gar nicht automatisch Musik?
Wie - bei Küssen kommt gar nicht automatisch Musik?

Das ist auch die Grundlage gewesen für Laura Lackmann, die Regisseurin des Films: "Einige Filmemacher geben sich alle Mühe, einen Film herzustellen, der in höchstem Maß realistisch erscheint. Sie wollen wahre Geschichten erzählen, lebensechte Figuren erschaffen und ihren Film möglichst glaubwürdig gestalten. Manche Zuschauer dagegen besuchen das Kino, um ihrem Alltag zu entfliehen und sich dabei vom Film verzaubern zu lassen. Als Filmemacherin interessiert mich dieser Konflikt. Denn auch im Alltag erlebe ich, dass man sich fortwährend bemüht sein Leben wie einen Film zu führen. Darüber hinaus wundert man sich dann jedoch bewusst oder unbewusst, dass beim Küssen keine Musik ertönt oder dass man beim Joggen am Strand im Sand versinkt."

Es macht Spaß, Petra und Peter Pan zuzugucken, denn Tonke und Hosemann sind Schauspieler, die man sofort ins Herz schließt. Es tut schon weh, zu sehen, wie sehr "Peter Pan" die beiden sind, vor allem Hans: nicht bereit, erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen, voranzukommen. Ist doch alles so schön gerade, warum Veränderung? Und Erwachsensein ist ja auch spießig irgendwie. Irgendwie aber auch nicht, irgendwie ist Erwachsensein auch ganz cool. Ganz viel Angst steckt da drin, in solchen Typen, die einfach nicht aus ihrer Kinderrolle herauswollen. Dazu nochmal die Regisseurin: "Wir beobachten hier ein Pärchen, das alle Versuche unternimmt, eine filmreife Liebe zu leben. Sie scheitern an der Tatsache, dass so etwas natürlich nicht möglich ist. Dennoch erkennen sie das Besondere in ihrer Liebe, finden damit zu sich und am Ende sogar zu uns, dem Zuschauer." Hans fasst es etwas kürzer zusammen: "Wenn man nichts will, dann hat man auch nichts zu verlieren."

"Zwei im falschen Film" läuft ab dem 31. Mai in den Kinos

Quelle: n-tv.de