Kino

Underworld Awakening Kate Beckinsale beißt wieder zu

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Der Anzug sitzt perfekt.

(Foto: dpa)

So sieht also ein richtiger Auftritt aus: wahnsinnig hohe Schuhe, wahnsinnig hochgesteckte Haare, ein strahlendes Lächeln mit makellosen Zähnen, blitzende grüne Augen, ein irre enges Kleid, das die Top-Figur der 38-Jährigen geradezu unverschämt betont. Okay, da kann man noch was lernen, wenn eine Kate Beckinsale den Raum betritt. Passend zum gediegenen, aber edlen Berliner Hotel Adlon ist auch sie mit Gold behängt, fast schon unwirklich natürlich und oft lachend fängt sie an zu erzählen. In ihrem neuesten Film "Underworld Awakening" spielt sie eine Vampir-Kämpferin, die alles kurz und klein metzelt, was sich ihr auf ihrer Mission in den Weg stellen könnte.

Kate Beckinsale: Hallo, ich bin Kate Beckinsale, schön, Sie zu treffen.

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Der Kampf ist eigentlich ein Tanz.

n-tv.de: Ja, ebenfalls. Kommen wir gleich auf den Punkt: Wie lange haben Sie trainiert, um diese Kampfszenen zu bewältigen?

Naja, eigentlich mache ich ja nur Yoga. Ich bin wirklich nicht so sportlich, wie es in dem Film aussieht.

Aber das kann nicht reichen, Sie rennen und kämpfen ja quasi den ganzen Film hindurch.

Da ist natürlich sehr viel Trick dabei. Und außerdem muss man sich die Choreografie der Kämpfe eher wie einen Tanz vorstellen. Das macht es wieder einfacher. Tanzen kann ich (lacht).

Und der hautenge Anzug, ist das eigentlich eine bequeme Arbeitskleidung?

Sie machen Witze. Aber mal ehrlich, ich hatte schon Angst, dass er mir nicht mehr passen könnte oder dass ich lächerlich darin aussehen würde (Anm.d.Red: Die Männer im Raum schütteln verneinend den Kopf), aber wenn man ihn erst einmal anhat, macht man sich auch keine Gedanken mehr darüber. Und es hat ja alles funktioniert - er ist jedenfalls nicht gerissen (lacht).

"Underworld Awakening" ist sehr blutrünstig. Glauben Sie, dass der Film auch was für Frauen ist?

Oh ja, unbedingt, denn da die Hauptdarstellerin eine Frau ist, können sich viele vielleicht mit der Figur identifizieren. Ich kämpfe da schließlich um mein Leben, meine Liebe, meine Familie. Ich mag diese Charakter-Wechsel, die ich in meinen Rollen ausleben kann, auch sehr. Außerdem habe ich die Hauptrolle in einem Action-Film und kann machen und tun, was ich will - welche Schauspielerin kann das schon von sich behaupten?

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Im wahren Leben viel weiblicher: Kate Beckinsale.

(Foto: dpa)

Was meinen Sie mit Charakter-Wechsel?

Naja, heute bin ich die Action-Kriegerin, morgen in einer Romantic-Comedy, dann wieder in einem Sci-Fi-Thriller. Das heißt, ich kann die ganze Bandbreite von Frauen darstellen (lacht).

Sie haben also gar keine Angst, sich mit Ihren Rollen festzulegen?

Nein, am Anfang meiner Karriere hatte ich sogar die Befürchtung, nur noch für Romantic Comedys oder Historien-Filme gebucht zu werden. Das hat sich zum Glück geändert. Die Drehbücher, die mir angeboten werden, sind recht vielfältig.

Würden Sie sich den Film denn ansehen?

(lacht) Natürlich! Ich liebe Action-Filme. Ich finde, dieser Film ist etwas für Männer und für Frauen. Nicht für Kinder allerdings!

Dürfte Ihre Tochter den Film denn sehen? Immerhin spielt die junge India Eisley ja Ihre Filmtochter und wird selbst zum zähnefletschenden Vampir-Mädchen.

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Und viel glücklicher!

(Foto: AP)

Nein, Lily darf den Film nicht sehen. Sie würde es auch gar nicht wollen. Ehrlich gesagt interessiert sie sich momentan nicht besonders für ihre Mutter (rollt mit den Augen), ich bin ihr eher peinlich. Sie hat ein paar Trailer gesehen, das reicht ihr vollkommen. Außerdem hat sie mich gerade auf dem Set beim Dreh für "Total Recall" besucht, da ging es schon genug zur Sache. Ich habe ein paar Kampfszenen mit Jessica Biel, und wir haben da sehr spezielle Kostüme an. Die Requisite war so lieb und hat so etwas auch für meine Tochter und ihre Freundin, die sie begleitet hat, genäht, und dann haben die beiden Mädchen am Set genauso gekämpft wie wir. Das war sehr süß!

Aber steht sie nicht wie alle Mädchen und jungen Frauen auf Vampir-Geschichten?

Natürlich, aber da darf sie dann Twilight sehen, das reicht!

Und was sehen Sie sich privat an?

Ach, ich bin da eher altmodisch. Ich liebe diese ganze Woodstock-Zeit. Und ich gucke mir Filme wie "All about Eve" an, wenn ich es mir vor dem Fernseher gemütlich mache.

Im krassen Gegensatz zu der Story und den Kampfszenen in "Underworld" steht ja der Handlungsstrang, in dem Sie entdecken, dass Sie seit 12 Jahren Mutter sind und Ihre Tochter endlich kennenlernen. Hat es bei diesen Szenen geholfen, selbst Mutter zu sein?

Das glaube ich schon. Obwohl es als Schauspielerin ja meine Aufgabe ist, mich in Situationen zu versetzen, die ich zwangsläufig gar nicht alle kennen kann. Aber dieses Protektive, was man seinem Kind gegenüber hat, das habe ich natürlich gespürt. Und auch die Wut auf diejenigen, die dem eigenen Fleisch und Blut an den Kragen wollen, kann ich gut nachempfinden.

Eigentlich war der letzte Teil der Underworld-Trilogie ja der Schluss. Wie kam es denn nun doch zu der Fortsetzung?

Eine so erfolgreiche Geschichte bietet einfach viele Möglichkeiten zum Weiterdrehen. Ich habe kein Problem damit, in Fortsetzungen mitzuspielen. Die Stimmung in der Filmindustrie ist ja auch so, dass es fast unmöglich ist, keine Fortsetzung zu drehen, wenn der Film so erfolgreich und das Budget so hoch ist. Mein Mann (Anm.d.Red.: Len Wiseman, der in den ersten Folgen zum Teil die Regie übernommen hatte und jetzt als Produzent fungiert) hat, vor allem durch die 3D-Technik, einen Weg gefunden, die Geschichte weiterzuentwickeln. Im dritten Teil war es ja auch ein Prequel, also die Geschichte vor der eigentlichen Story.

Ist es denn anstrengend, mit dem eigenen Mann zu drehen?

Len war nur einmal am Set, er hatte ja zeitgleich genug mit "Total Recall" in Kanada zu tun. Aber ich bin es gewöhnt, mit ihm zu arbeiten, schließlich haben wir uns beim Drehen kennengelernt. Generell arbeite ich aber gerne mit ihm zusammen. Er kennt mich gut und braucht mich nicht mit Samthandschuhen anzufassen.

Und wie war es jetzt mit den Regisseuren Måns Mårlind und Björn Stein?

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India Eisley sieht im Film jünger aus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es war wunderbar mit zwei Regisseuren! Ja, sogar so sehr, dass ich mich frage, wie ich jemals wieder mit nur einem Regisseur arbeiten soll. Es war toll. Sie haben sich immer abgewechselt. Wenn der eine müde war, kam der andere, so ging es beim Drehen immer total frisch zu.

Und die Zusammenarbeit mit India Eisley, wie war die? Sie ist ja eine Newcomerin im Kino.

Sie ist fantastisch. Sehr schüchtern, sehr intelligent, ganz bescheiden. Sie wird ihren Weg gehen, ohne sich großartig ablenken zu lassen. Sie ist ein ganz spezieller Teenager.

Wie gehen Sie eigentlich mit schlechten Rezensionen um? Underworld wird kommerziell wahrscheinlich wieder sehr erfolgreich sein - bei den Kritikern sind solche Filme ja aber nicht sonderlich beliebt.

Ach ganz ehrlich, das ist mir egal. Ich lese das sowieso nicht. Und manche Dinge, die einem dann doch zugetragen werden, sind ja vielleicht ganz inspirierend und man kann daraus lernen. Aber wissen Sie, ich mache so einen Film nicht für die Leute, die ihn verreißen wollen, sondern für die Fans.

"Underworld Awakening" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de, Mit Kate Beckinsale sprach Sabine Oelmann