Kino

Mysteriös, blutig, verstörend "Kill List": Reise ins Herz der Finsternis

10KILLLIST.jpg

Was für ein okkultes Treffen wird denn hier abgehalten?

(Foto: Senator)

Zwei Profikiller, eine Todesliste und ein Auftraggeber, der seine Verträge mit Blut unterzeichnen lässt - klingt als Storyline plausibel. Allerdings heißt der Regisseur Ben Wheatley. Und der Brite mag es "verwirrend". Und so wird aus einem Gangsterstreifen hinterrücks und mit roher Gewalt ein okkulter Horrorschocker.

02KILLLIST.jpg

Jay, ein Profikiller aus Überzeugung oder nur des unverarbeiteten Frustes wegen?

(Foto: Senator)

0815-Horrofilme? Für den englischen Regisseur Ben Wheatley ("Down Terrace") ein Graus. Er liebt es, "wenn man sich als Zuschauer bei einem Film ein bisschen anstrengen muss". "Ich will, dass ein Film mich überrascht und sogar verwirrt. Ich finde, es ist viel unheimlicher, wenn man nicht alles auf dem Silbertablett präsentiert bekommt." Legt man seine Ansprüche an sein zweites Werk "Kill List" an, müsste er seinen Beruf als Filmemacher ad acta legen, denn er hat seinen Zenit bereits erreicht.

"Kill List" schafft es, den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Ihm anfangs vorzumachen, dass es um ein Familiendrama gehen könnte. Später wird daraus eine Gangsterstory. Erst zum Schluss lässt der Film dem Horror freien Lauf - und den Zuschauer mit mehr Fragen als zu Beginn und einem dumpf grollenden Gefühl in der Magengegend zurück. "Kill List" ist verstörend und schockierend, gewalttätig und okkult, überraschend und vorhersehbar zugleich.

Vom Familiendrama zum Horrorschocker

05KILLLIST.jpg

Was hat Jays Frau damit zu tun?

(Foto: Senator)

Acht Monate sind vergangen, seit für den ehemaligen britischen Soldaten Jay (Neil Maskell; "Doghouse", "Basic Instinct 2") ein Job als Auftragskiller in einer Katastrophe endete. Der Vorfall in Kiew hat körperlich und vor allem seelisch Spuren hinterlassen. Trotzdem wird Jay von seinem Kumpel Gal (Michael Smiley, "Down Terrace", "Das Parfüm") zu einem neuen Auftrag gedrängt, denn schließlich hat Jay eine Familie zu ernähren. Und seine Situation belastet nicht nur seinen Sohn Sam (Harry Simpson), sondern auch immer mehr seine Ehe mit der bildhübschen Blondine Shel (MyAnna Buring; "Breaking Dawn", "The Descent").

Jay und Gal nehmen wieder einen Auftrag als Profikiller an. Ihr Auftraggeber (Struan Rodger) hat es aber in sich. Bei der Vertragsunterzeichnung fließt das erste Blut: Jay muss damit den Vertrag unterzeichnen. Noch machen sich weder Jay noch Gal aber Gedanken darüber. Der erste Mord ist schnell ausgeführt: ein Priester muss dran glauben und bedankt sich noch dafür bei Jay. Bei der Nummer zwei auf der Todesliste gibt es Komplikationen. Der "Bibliothekar" steht auf Snuff-Filme und hat einige davon bei sich zu Hause. Als Jay sich einen ansieht, rastet er aus und seine Wut trifft den Bibliothekar mit mehrfacher Hammerwucht. Kein schöner Anblick, auch nicht für Gal, der ahnt, dass mit Jay etwas nicht stimmt.

13KILLLIST.jpg

Willkommen im Herzen der Finsternis!

(Foto: Senator)

Aussteigen können die beiden jedoch nicht, der mysteriöse Auftraggeber hat sie mit diversen Dokumenten und Beweisen in der Hand. Er spielt ein doppeltes Spiel. Aber als die Killer das bemerken, ist es bereits zu spät. Die Büchse der Pandora ist geöffnet, eine düstere und verstörende Welt offenbart sich, die Jay einmal mehr die Kontrolle verlieren lässt - seine Angst und Paranoia führen ihn direkt ins Herz der Finsternis ... Zack, der Film ist aus. "What the fuck …?"

Harter Tobak

KILLLISTBD3D.jpg

"Kill List" ist auf Blu-ray und DVD bei Senator erschienen.

(Foto: Senator)

Zugegeben, einen roten Faden offenbart "Kill List" nicht, vielmehr gibt es mehrere verschiedene Handlungsstränge, die sich nach und nach zwar, aber auch nie komplett dem Zuschauer offenbaren. Aber im Nachhinein und mit etwas Abstand: In "Kill List" passt einfach kein roter Faden. Das macht den Film aus. Das wollte Wheatley erreichen.

Das allein macht "Kill List" bereits zu starkem Tobak. Für Zuschauer, die so etwas nicht mögen, ist der Film daher nichts - trotz unglaublich starker Schauspielleistungen (trotz aller Kaltblütigkeit wecken die beiden Profikiller Sympathien) und einer mehr als gesunden Portion roher Gewalt. Selbst eine Spur Gesellschaftskritik - nicht so offensichtlich wie in "The Veteran" - findet sich darin wieder. Wer sich "Kill List" öffnet, wird überrascht von einem der unorthodoxesten Horrorthriller der letzten Jahre. Alles, bloß nicht 0815.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema