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"Für mich ist alles super": Roman Lob.
"Für mich ist alles super": Roman Lob.(Foto: Willi Weber / Universal Music)
Donnerstag, 29. März 2012

"Das ist schon Wahnsinn": Roman Lob träumt vom Sieg

Die erste Hürde hat er genommen: Mit "Standing Still" löste Roman Lob das Ticket zum Eurovision Song Contest. Nun will will er die Trophäe abermals nach Deutschland holen. Im n-tv.de Interview spricht der 21-Jährige über seinen Song und sein Album, Thomas D und Ralph Siegel, über Fußball, Karneval und Lenas Tipps für Baku. Nur über eins durfte er auf Geheiß seines Managements nicht sprechen: die politische Lage in Aserbaidschan. Doch für Fragen dieser Art wäre er sicher ohnehin der falsche Adressat gewesen.

n-tv.de: "Standing Still" heißt dein und unser Song für Baku. Aber wirklich still steht derzeit ja sicher nichts bei dir. Wie ist es dir in den vergangenen Wochen ergangen?

Roman Lob: Die letzten Wochen, Tage und Stunden sind sehr aufregend. Ich erlebe sehr viel Neues. Wir haben gerade über mehrere Wochen mein Album aufgenommen - bei Thomas D auf dem "M.A.R.S." ("Moderne Anstalt Rigoroser Spakker" - die Landkommune, in der Thomas D lebt, Anm. d. Red.) Das war echt eine coole Zeit, die ich nicht missen möchte.

Du galtest von Anfang an bei "Unser Star für Baku" als Favorit. Trotzdem war es im Finale dann doch ziemlich knapp - nur 1,4 Prozent trennten dich von deiner Konkurrentin Ornella de Santis. Wie sicher oder unsicher warst du dir, dass du das Ding gewinnst?

Bei "Unser Star für Baku" galt er von Anfang an als Favorit.
Bei "Unser Star für Baku" galt er von Anfang an als Favorit.(Foto: picture alliance / dpa)

Ich war mir in dieser sogenannten Favoritenrolle sehr unsicher - von Anfang an. Schon vor dem Finale gab es immer wieder mal auch andere Favoriten, die manche Leute vielleicht schon abgeschrieben hatten. Aber wir als Mitkandidaten haben uns gedacht: "Ja, das könnte auch bei dem oder der noch passieren, dass er oder sie ins Finale kommt und eventuell auch gewinnt."

Aber du lagst eigentlich doch stets ziemlich weit vorne - vom ersten "Sympathie-Voting" bis zur finalen Abstimmung. Hast du eine Erklärung dafür?

Nein, bis jetzt noch nicht. Ich habe mich jedes Mal gefragt: Was geht bei den Leuten im Kopf vor? Was ist an mir so, dass die Leute sagen: "Hier, der Roman, das ist unser Favorit"? Aber mehr noch dachte ich mir natürlich: krass, geil. Das ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn man sieht, dass man offenbar als Gesamtpaket bei den Leuten gut ankommt.

Neu bei "Unser Star für Baku" war ja die viel beschworene "Blitztabelle". Wie hast du als Teilnehmer der Show dieses Live-Votum empfunden?

Ich glaube, es ist nochmal eine Nummer aufregender als das Voting nicht direkt zu sehen. Man steht auf der Bühne, während in den letzten fünf Minuten der Countdown runterzählt. Das ist schon Wahnsinn, wenn man die Sekunden da ablaufen sieht und sich denkt: Bitte, bitte, lauf doch jetzt einfach noch schneller! Wir haben da echt gebibbert und gezittert.

Das Interesse an "Unser Star für Baku" und dem diesjährigen Song Contest war und ist eher verhalten. Bedrückt es dich, an Lena gemessen zu werden?

Eigentlich nicht. Wir sind zwei unterschiedliche Personen. Und "Unser Star für Oslo" damals war auch etwas anderes als "Unser Star für Baku" - das war die erste Staffel von dem ganzen Format. Da gab es vielleicht einen größeren Hype. Und Lena war natürlich ein Phänomen. Sie hat das Ding für uns nach Hause geholt und ihren Teil super gemacht. Vielleicht ist das Interesse jetzt ein bisschen geringer, aber für mich ist trotzdem alles super.

Neben "Standing Still" standen im Finale von "Unser Star für Baku" auch die Songs "Alone" und "Conflicted" zur Wahl. Was war dein Favorit?

Auf jeden Fall "Standing Still". Ich hatte den Song zwei oder drei Wochen vorher zum ersten Mal gehört. Da war für mich schon klar: Wenn ich das wirklich packen sollte, dann mit diesem Song.

Nach deinem Sieg hast du natürlich viele Glückwünsche bekommen, unter anderem auch vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck. Wie fühlt sich das an?

Im Finale hatte Roman Lob, wenn auch nur knapp, die Nase vorn.
Im Finale hatte Roman Lob, wenn auch nur knapp, die Nase vorn.(Foto: Universal Music)

Das ist schon Wahnsinn - wenn man sieht, dass auch das Land stolz auf einen ist.

Kurt Beck hat dir auch angeboten, ihn zum Rosenmontagszug zu begleiten und mit ihm ein paar Fastnachtslieder zu singen. Bist du der Einladung nachgekommen?

Nein, weil ich da gerade wegen des Albums unterwegs war. Aber wenn ich die Zeit gehabt hätte, hätte ich es gemacht. Wenn man so eine Einladung bekommt, nimmt man die schließlich auch gerne an.

Das klingt skurril, weil du mal sinngemäß erklärt hast: "Musik, die gar nicht geht: Karnevalsmusik" …

Stimmt, ich bin nicht der Riesen-Karnevalstyp. Und Karnevalssongs sind nicht so mein Fall. Aber natürlich respektiere ich das. Jeder hat da andere Vorlieben.

Du bist gebürtiger Düsseldorfer. Hoffentlich kannst du dich nach der Aussage dort noch hintrauen …

Ja, nicht dass ich dort gelyncht werde.

Zurück zur Musik, die du magst. Stimmt es, dass du Lionel Richie und Xavier Naidoo als musikalische Vorbilder ansiehst?

Ja, die beiden sind starke Vorbilder für mich. Beide haben sehr starke Stimmen. Xavier Naidoo ist für mich der Sänger in Deutschland schlechthin.

Das verwundert insofern, da du ja auch schon in diversen Bands gespielt hast, die eher im Rock- oder sogar Metalbereich angesiedelt sind. Und auch bei "Unser Star für Baku" hattest du eher das Rocker-Image …

Musik ist seit seiner Kindheit sein Hobby.
Musik ist seit seiner Kindheit sein Hobby.(Foto: dapd)

Ich bin, was die Musik angeht, sehr offen. Ich mache sehr gerne Metal, aber mit einer solchen Nummer hätte man bei "Unser Star für Baku" nicht antanzen können. Einen Song wie "Easy" von Lionel Richie liebe ich wirklich. Deswegen habe ich den ja zum Beispiel auch in der Show gesungen.

Du hast schon früh mit der Musik angefangen - mit acht Jahren. Welche Rolle spielt Musik für Dich?

Die war immer sehr wichtig für mich. Sie war immer mein größtes Hobby, für das die meiste Zeit draufgegangen ist.

Das heißt: Fußball war eher nicht so dein Ding …

Nein. Ich war zwar mal im Verein. Im Tor. Aber das ging nur zwei Wochen lang, dann hatte ich keinen Bock mehr. (lacht) Ich habe viel ausprobiert, aber Fußball war nie so meins.

Du hast schon vor "Unser Star für Baku" versucht, dein Musik-Interesse in eine Karriere umzumünzen: 2007 hast du bei "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) teilgenommen, 2008 hast du dich um eine Teilnahme am ESC-Vorentscheid beworben. Warum bist du diese Casting-Wege gegangen?

Klar überlegt man, wenn man Musik macht und erkennt, dass man singen kann, was man damit machen kann. Also versucht man es mal bei DSDS. Ich war zu der Zeit noch sehr jung und leider hat es nicht geklappt. Danach haben mich ein paar Jungs gefragt, ob ich mit ihnen nicht ein Projekt machen will, mit dem wir uns beim ESC bewerben. Das hat sich aber dann auch auseinandergelebt.

Bei DSDS musstest du wegen einer Kehlkopf-Entzündung freiwillig ausscheiden. Dieter Bohlen hat dir im Anschluss ein Freiticket für die nächste DSDS-Staffel angeboten. Warum hast du das nicht wahrgenommen?

Wie gesagt: Ich war noch sehr jung. Und ich befand mich gerade mitten in der Endphase meiner Schulzeit. Ich hatte also noch keinen Schulabschluss und keine Ausbildung. Da habe ich mich dagegen entschieden. Ich dachte mir: Du kannst es später immer noch probieren, mach erst einmal deinen Abschluss, geh in den Job und verdiene ein bisschen Geld. Das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht.

Die aktuelle Single und unser Song für Baku: "Standing Still".
Die aktuelle Single und unser Song für Baku: "Standing Still".(Foto: Universal Music)

Nachdem du deine Ausbildung als Industriemechaniker absolviert hattest, hast du ein Jahr lang in dem Job gearbeitet. Wie ist das jetzt nach deinem Sieg bei "Unser Star für Baku"? Hast du gekündigt?

Nein, ich bin im Moment freigestellt. Ich bin bei der Firma also weiterhin angestellt. Sie haben mir gesagt: "Wir behalten dich jetzt erst einmal bei uns. Guck du mal, wie es läuft. Und wenn es nicht läuft, dann komm wieder zu uns zurück. Du hast deinen Platz hier sicher." In der Firma waren alle von der ersten Sekunde, in der ich gesagt habe, dass ich das bei "Unser Star für Baku" mal probiere, voll hinter mir. Das ist echt toll.

Auch Thomas D hat in der Sendung versprochen, sich im Nachhinein zu hundert Prozent hinter den Gewinner zu stellen. Hat er sein Versprechen bislang erfüllt?

Er hat es übererfüllt. Die letzten Wochen waren echt super. Wir haben für das Album Tag und Nacht zusammengesessen. Er war immer dabei und hat sich Zeit für die Band und mich genommen. Wir haben von morgens bis in die Nacht an den Songs gearbeitet, sie auf mich abgestimmt und mit der Band neu eingespielt. Wir haben sehr viel Energie da reingesteckt. Und ich hoffe mal, das wird sich auszahlen.

Was für Songs werden denn auf dem Album sein? Bei "Unser Star für Baku" hattest du ja auch eine Eigenkomposition am Start …

Ja, und diesen Song, der ja von meiner Band Rooftop Kingdom ist, habe ich auch auf das Album gepackt. Die Jungs freuen sich darüber tierisch. Und ich natürlich auch. Das ist eine Riesenehre für mich, weil das immer einer unserer Lieblingssongs war. Außerdem haben wir für das Album noch zwei weitere eigene Songs geschrieben.

Handelte es sich bei der Band, mit der du im Studio warst, wieder um Stefan Raabs "Heavytones"?

Am Album, das am 13. April erscheinen wird, hat Thomas D fleißig mitgearbeitet.
Am Album, das am 13. April erscheinen wird, hat Thomas D fleißig mitgearbeitet.(Foto: picture alliance / dpa)

Nein, das war größtenteils die Fanta-4-Band. Sie hat auch mit an den Songs geschrieben und ihren eigenen Teil eingebracht.

Die Unterstützung von deinem Arbeitgeber und Thomas D hast du. Und wie hat dein privates Umfeld auf deinen Erfolg reagiert?

Die freuen sich alle wahnsinnig für mich. Aber trotzdem bleibt alles entspannt und es geht weiter wie immer. Ich bin jetzt nicht der Star bei uns im Dorf. Das Dorf kennt mich als Roman, der diese Hürde jetzt geschafft hat, und wünscht mir viel Glück für den ESC.

Deine Eltern waren über deinen Erfolg wahrscheinlich eher begeistert als über dein Tattoo und deine extragroßen Ohrlöcher …

Oh, na, das ist natürlich eine andere Geschichte … Aber: Meine Eltern sind ziemlich offen. Sie haben gesagt: "Das muss eigentlich nicht sein. Aber wenn du es unbedingt willst, dann mach es. Denk nur dran: Später, wenn du älter bist, findest du es vielleicht nicht mehr so schön." Aber dieses Risiko geht man ja selbst ein. Und ich bin damit zufrieden.

Die Schmerzen beim Tätowieren können viele nachvollziehen. Aber wie ist das mit den Ohren? Tat das weh?

Ja, sehr. Aber wer schön sein will, muss eben leiden. (lacht)

Du hast dir im Vorfeld des ESC auch Tipps von Lena geholt. Was hat sie dir geraten?

Ich habe sie gefragt, wie das ganze Drumherum so ist. Sie meinte: "Ja, das ist schon eine Riesensache. Versuche einfach, cool ranzugehen, und bleibe du selbst. Aber, wie ich dich kenne, wirst du das schon machen."

Mal ehrlich: Was rechnest du dir in Baku aus?

Schwer zu sagen. Man weiß nie, wie die Leute international auf den Song reagieren. Natürlich träume ich vom ersten Platz. Aber das wird schwer. Ein Top-10-Platz wäre von daher auch cool. Wenn das passieren würde, würde ich das auch tierisch abfeiern.

Noch ist sie im Bau - aber bis zum Song Contest am 26. Mai soll die "Krystal Hall" in Baku stehen.
Noch ist sie im Bau - aber bis zum Song Contest am 26. Mai soll die "Krystal Hall" in Baku stehen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Startplatz 20 scheint ja statistisch gesehen, weil er weit hinten liegt, schon mal nicht schlecht zu sein …

Ja, als ich das gehört habe, habe ich mich riesig gefreut. Lena ist ja damals auf Platz 22 gestartet. Vielleicht heißt das ja was.

Bist du abergläubisch?

Schon ein bisschen. Ich glaub einfach fest daran, vielleicht hilft es ja.

Hast du einen Talisman?

Nein, so etwas nicht. Ich hoffe einfach immer das Beste.

Deutschlands Grand-Prix-Urgestein Ralph Siegel wird in Baku auch mit von der Partie sein - mit einem Song für San Marino. Schlottern dir schon die Knie?

Ich habe den Song sogar schon gehört. Das ist natürlich etwas ganz anderes als das, was ich bringe. Aber wie gesagt: Man weiß nicht, wie die Leute darauf reagieren. Vielleicht sagen sie auch: "Boah, krass. Ralph Siegel? Machen wir - wählen wir auf 1."

Du hast dir ja wahrscheinlich die meisten anderen Teilnehmer schon einmal angesehen. Was fandest du gut, was schlecht und wen siehst du womöglich als harte Konkurrenz?

Wirklich schlecht fand ich eigentlich gar nichts. Das ist halt alles immer eine Geschmackssache. Sehr cool finde ich Norwegen. Die haben eine starke Nummer. Aber auch Schweden und die Türkei sind gut.

Hast du eigentlich einen Bezug zum ESC? Hast du ihn als Kind geguckt?

Ich habe auf jeden Fall Guildo Horn damals gesehen. Und später Stefan Raab und Max Mutzke. Von da an habe ich immer mal reingeschaut. Und Lena habe ich natürlich komplett verfolgt.

Egal, wie es in Baku ausgehen wird. Hast du schon eine Idee, wie es danach für dich weitergehen soll?

Ich werde in jedem Fall weiter an der Musik arbeiten. Im Herbst wird es eine Live-Tour mit der Band geben - im etwas kleineren Rahmen, in kleinen Clubs, in denen man einen etwas persönlicheren Bezug zum Publikum aufbauen kann. Ich hoffe mal, die Leute haben darauf Bock.

Ich frage mal prophylaktisch: Würdest du auch ein zweites Mal beim Song Contest antreten, etwa um den Titel zu verteidigen?

Ich glaube, der Song Contest ist eine gute Sache. Viele Länder und Kulturen treffen dort aufeinander. Ich sehe das wie eine große Klassenfahrt. Oder einen Schüleraustausch. Alle kommen zusammen, machen Musik und haben Spaß dabei. Deshalb, wenn es mir gefallen sollte: Wieso nicht? Aber erst einmal müsste man den Titel ja gewinnen.

Mit Roman Lob sprach Volker Probst

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Quelle: n-tv.de