Kino

Hommage an die reine Willkür "Rubber" - Folge der Spur des Killers

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Ein Monolog am Anfang des Films zur reinen Willkür bildet den Aufgalopp.

Robert fängt klein an: Er tötet Insekten, Krähen, Kaninchen. Doch irgendwann pflastern Leichen seinen Weg. Die Polizei stößt auf seine blutige Spur, verfolgt ihn - bis zum bitterbösen Showdown.

Aufblende: Mitten in der amerikanischen Wüste. Die Sonne brennt. Ein leichter Wind wirbelt Sand durch die Luft. Holzstühle stehen herum, als ein Polizeiauto am Horizont auftaucht. Es kommt langsam näher, fährt Schlangenlinie, stößt jeden einzelnen Stuhl um. Dann hält es an. Der Kofferraumdeckel schwingt auf – und ein Officer steigt heraus.

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Regisseur Quentin Dupieux, besser bekannt als Mr. Oizo.

Als wenn das nicht schon verwirrend genug wäre, hält der Polizist nun auch noch einen minutenlangen Monolog über die "reine Willkür": Warum ist der Außerirdische in Steven Spielbergs Science-Fiction-Klassiker "E.T." eigentlich braun? Reine Willkür. Warum verlieben sich die beiden Hauptrollen in "Love Story" so wahnsinnig ineinander? Reine Willkür. Und warum wird in Oliver Stones "JFK" das Attentat auf den Präsidenten von einem völlig Fremden begangen? Sie ahnen es bereits? Richtig: reine Willkür.

Menschlich und unmenschlich zugleich

"Rubber" ist auch reine Willkür, denn es geht um einen Mörder. Einen Serienkiller, aber keinen Massenmörder. Es geht um einen scheinbar ganz normalen "Typen". Er heißt Robert und erwacht mitten in der Wüste zum Leben. Wie er dorthin gekommen ist? Er weiß es nicht. Aber tief in seinem Inneren spürt er es bereit Grummeln. Er fängt an, sinnlos Dinge zu zerstören. Aus dieser unbändigen Wut entwickelt sich der unmenschliche Drang zu töten. Alles und jeden, egal was oder wer ihm über den Weg läuft. Anfangs sind es nur Tiere, doch schon bald pflastern auch Leichen seinen immer blutiger werdenden Weg. Warum er tötet? Reine Willkür.

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Die Zuschauer sind begeistert - aber am Ende auch alle tot.

Das zumindest könnte die buntgemischte Publikumsschar denken, die Roberts tödliches Treiben aus sicherer Entfernung beobachtet und kommentiert - über mehrere Tage. Sie sehen mit ihren Ferngläsern den Mörder Robert und entdecken dabei immer mehr menschliche Züge an ihm. Robert liebt es beispielsweise nach vollbrachtem Tagwerk vor der Glotze abzuhängen, am liebsten bei einem Autorennen. Oder er springt einfach mal in den Pool, um sich und sein jähzorniges Gemüt abzukühlen. Die Gaffer sind auch dabei, als sich Robert sein Herz verliert und sich unsterblich in eine dunkelhaarige Golf-Cabrio-Fahrerin verliebt.

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Hier ist Telepathie im Einsatz.

Doch das ist der Anfang vom Ende für Robert. Die Polizei verfolgt und jagt ihn. Stellt ihm Fallen. Es kommt zum tödlichen Showdown. Aber, reine Willkür des Regisseurs oder nicht, Robert überlebt irgendwie und setzt seine tödliche Reise fort, Blutspur inklusive.

Immer wieder reine Willkür

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"Rubber" ist als DVD, Blue-ray und als Special Edition im Mediabook bei Capelight erschienen.

Trotz der vielen Morde: "Rubber" ist kein Splatter-Movie. Eher eine Art schräge Komödie, die es sogar schafft, einen gewissen Tiefgang zu vermitteln. Der Zuschauer kommt ob der gezeigten Szenen unweigerlich ins Grübeln, denkt über den Sinn des Lebens nach, über Zufall und Schicksal. Quentin Dupieuxs Film ist eine Hommage an die reine Willkür. Eine Hommage, die mit viel Witz und zugegebenermaßen auch mit viel Blut daherkommt. Und einem hörenswerten Soundtrack, denn Dupieux ist vielen besser bekannt als "Mr. Oizo".

"Rubber" lief bei den Filmfestspielen von Cannes. Der äußerst sehenswerte Film überraschte aber auch die als eher hartgesotten geltenden Besucher des Fantasy Filmfests - aus einem bestimmten Grund: Robert ist ein Autoreifen, der per Telepathie seine Opfer explodieren lässt. Warum ich das erst jetzt schreibe? Reine Willkür.

Quelle: ntv.de