Kino

Das Ding aus einer anderen Welt "The Thing" ist zurück - und hungrig

THE_THING_Szenenbild_23.jpg

Klaustrophobisch veranlagt sollte man bei "The Thing" nicht sein.

(Foto: Universal)

1982 setzt John Carpenters "The Thing" Genremaßstäbe. 30 Jahre danach bricht der Alien-Amok erneut aus, wieder in einer Forschungsstation in der Antarktis. Statt Kurt Russell nimmt diesmal eine Frau den Kampf gegen das blutrünstige Monster auf.

THE_THING_Szenenbild_16.jpg

Das Eis birgt so manches Geheimnis. Manches sollte besser unentdeckt bleiben.

(Foto: Universal)

1938. In Europa braut sich etwas zusammen. Der Vorabend des Zweiten Weltkrieges zieht herauf. In den USA sorgt dagegen eine Kurzgeschichte von John W. Campbell für Aufsehen. Der Titel: "Who Goes There?" Der Inhalt: pure Science-Fiction. Wissenschaftler finden in der Antarktis ein außerirdisches Raumschiff. Sie zerstören es beim Versuch, es zu bergen. Es gibt nur ein überlebendes Besatzungsmitglied, tiefgefroren. Campbells Story wurde später zur besten SciFi-Kurzgeschichte aller Zeiten gekürt. Bester Stoff für Hollywood also.

Bereits 1951 wird die Geschichte aufgegriffen und fast eins zu eins umgesetzt, der Schauplatz wird allerdings verlegt: Ein Team von Wissenschaftlern entdeckt in der Arktis ein UFO. Gemeinsam mit einem Trupp Soldaten wollen sie es mit Hilfe einer Sprengung aus dem Eis befreien. Das misslingt, das Schiff wird vernichtet. Nur ein Überbleibsel kann sichergestellt werden - und "das" entpuppt sich als äußerst blutrünstig und tödlich.

"Da habe ich Horror gezeigt"

jc.jpg

John Carpenter über sein "The Thing": "Da habe ich Horror gezeigt."

(Foto: picture-alliance/ dpa)

1982 widmet sich dann der Großmeister des Horrors, John Carpenter, dem Stoff. Er belässt den Schauplatz in der Antarktis. Das Team einer US-Station wird Zeuge, wie ein Hubschrauber der norwegischen Nachbarstation einen Hund verfolgt, ihn von der Luft aus beschießt, gar mit Granaten versucht, ihn zu töten. Es misslingt. Der Hubschrauber explodiert, beide Insassen werden getötet, ohne dass sie die Antwort auf die große Frage nach dem Warum preisgeben können. Der Hund hat allerdings ein Geheimnis, und schon bald weiß die Gruppe in der Station auch, welches.

John Carpenters "The Thing - Das Ding aus einer anderen Welt" floppt an den Kinokassen. Gleichzeitig wird der Horrorstreifen von Großteilen der Kritik gefeiert und sammelt immer mehr Fans. Vor allem die düstere Atmosphäre - untermalt von den Klängen des Großmeisters Ennio Morricone -, und das außerirdische Monster an sich lassen damals wie heute die Herzen der Genrefans höher schlagen. Carpenters "The Thing" landet wenig später als ungekürzte Fassung in Deutschland auf dem Index. Erst 2009 änderte die FSK die Altersfreigabe auf "ab 16".

Carpenter greift aber auch tief in die Filmbluteimer. Die Maskenbildner schieben Überstunden, damit die krebsgeschwürartigen Metamorphosen des außerirdischen Wesens in die jeweilige Lebensform ihres Wirtes möglichst real und schockierend zugleich aussehen. Dazu kommt die klaustrophobische Enge der Station und die nicht enden wollende Dunkelheit. Das ständige Um-die-Ecken-pfeifen des Windes verschärft die unheimliche Spannung noch. Carpenter ist zufrieden mit seinem Werk und sagt, dass "The Thing“ sein Lieblingsfilm sei: "Da habe ich Horror gezeigt" - Splatter inklusive.

Ein Niederländer auf Alien-Jagd

THE_THING_Szenenbild_04.jpg

"I am the god of hellfire and I bring you ... FIRE!"

(Foto: Universal)

Ganz schön viel Vorgeschichte für eine Story, die sich auch so zusammenfassen lässt: Menschen entdecken Alien. Alien ergreift Besitz von den Menschen. Die Lage eskaliert. Fast alle sind tot. Das Ende ist offen. Da macht auch Regiedebütant Matthijs van Heijningen keine Ausnahme. In seiner "The Thing"-Version, die 2011 in den Kinos lief und nun auf Blu-ray und DVD erscheint, dreht sich alles um den Fund außerirdischen Lebens in der Antarktis. Da er aber keinen Remake drehen wollte, ebensowenig wie der Produzent Marc Abraham, verlagert er das ganze Geschehen etwas in die Vergangenheit. É voilà - und fertig ist das Prequel "The Thing".

THE_THING_Blu-Ray_Packshot.jpg

"The Thing" ist bei Universal erschienen.

(Foto: Universal)

Prequels haben nicht zuletzt dank der neuen Star-Wars-Filme nicht den besten Ruf. Damit muss und kann van Heijningens Werk leben. Obwohl das außerirdische Grauen sich diesmal seinen blutigen Weg durch die norwegische Antarktis-Station frisst, ist der Stoff eng an Carpenters Horrorperle angelegt. Statt des männlichen Hauptdarstellers (Kurt Russell) bei Carpenter lässt van Heijningen die Hauptrolle - in bester "Alien"-Manier - von einer Frau spielen: Die Paläontologin Kate Lloyd (Mary Elizabeth Winstead; "Death Proof", "Stirb langsam 4.0") wird vom Dr. Sander Halvorson (Ulrich Thomsen; "Königreich der Himmel", "Bella Martha") 1982 mit der Untersuchung des aus dem Eis geborgenen eingefrorenen Außerirdischen in der norwegischen Forschungsstation beauftragt.

THE_THING_SpecialEffects_04.jpg

Die Special Effects von "The Thing" können sich sehen lassen.

(Foto: ADI)

Doch sie kommt nicht sehr weit. Das Alien schnappt sich einen nach dem anderen und nimmt deren menschliches Äußeres an. Lediglich Zahnplomben oder Metallteile aus den Wirtskörper bleiben zurück. Das bringt die dezimierte und von Panik erfüllte Gruppe auf die scheinbar rettende Idee: Wer keine Plomben hat, könnte ein Außerirdischer sein. Die Gruppe spaltet sich auf, die Lage eskaliert - und es kommt zum vorhersehbaren Ende mit Kate als einziger menschlicher Überlebenden. Oder?

Gelungenes "Prequel"

Van Heijningens "The Thing" kann, will sich aber auch nicht mit der alles überstrahlenden Carpenter-Version messen. Die Idee einer weiblichen Hauptrolle überzeugt, auch weil Winstead überzeugt. Die Special Effects sind up-to-date und auch am Score von Marco Beltrami ("Die Frau in Schwarz", "Hellboy", "Terminator 3") ist nichts auszusetzen.

Die düstere Stimmung der Carpenter-Bilder führt van Heijningen fort, lockert sie aber zum Teil durch atemberaubend schöne Antarktis-Panoramaaufnahmen auf. Fazit: Das Prequel hätte deutlich schlechter ausfallen können. Für Genrefans bleibt zudem zu hoffen, dass nicht wieder rund 30 Jahre vergehen, bis sich ein Regisseurs dieses klassischen Stoffs annimmt.

Making of "The Thing"

Bestellen Sie "The Thing" (2011) als Blu-ray im n-tv-Shop

Bestellen Sie John Carpenters "The Thing" im n-tv-Shop

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema