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Wie ein angeschossenes Wild: Frances McDormand. Fantastisch.
Wie ein angeschossenes Wild: Frances McDormand. Fantastisch.
Donnerstag, 25. Januar 2018

Grandios! Ansehen! : Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Von Sabine Oelmann

Eigentlich braucht man nur zu sagen: Frances McDormand, Woody Harrelson, sieben Oscar-Nominierungen - und es ist klar, dass man sich dieses schwarzhumorige Meisterwerk ansehen muss. Nicht nur wegen der Darsteller. Auch wegen der Story.

Wenn man etwas verändern will, dann muss man meist etwas Großes bewerkstelligen. Man muss laut sein, andere begeistern, andere gegen sich aufbringen, jemanden bestechen, etwas Beklopptes auf Facebook posten, oder man kann auch Plakatwände bekleben. So wie Mildred Hayes (Frances McDormand) - die hat all ihr Erspartes zusammengeklaubt, um genau das zu tun. Die geschiedene, alleinerziehende Mutter mietet sich für 4000 Dollar drei marode Werbetafeln außerhalb ihrer beschaulichen Heimatstadt Ebbing, Missouri, und stellt mit ihnen den allseits beliebten Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) an den Pranger.

Mildred will wissen, wer ihre Tochter umgebracht hat.
Mildred will wissen, wer ihre Tochter umgebracht hat.

Der würde ihr sehr gerne viel mehr helfen, hat aber genug mit sich zu tun. Doch was will Mildred erreichen? Und warum? Sieben Monate ist es her, dass Mildreds Tochter vergewaltigt und ermordet wurde. Einen Verdächtigen gibt es nicht, die Ermittlungen der örtlichen Polizei sind weitestgehend eingestellt. Doch die sonst so toughe Mutter will und kann sich damit nicht abfinden und startet mit ihrer Aktion bewusst einen Kleinkrieg. Nicht nur mit der Polizei, sondern mit fast jedem einzelnen der schrägen Bewohner der Kleinstadt. Lange dauert es nicht, ehe ihr Feldzug für Gerechtigkeit nationale Wellen schlägt, denn natürlich werden auch die Medien auf die außergewöhnliche Aktion aufmerksam. Jedoch nicht nur die: Auch bei der Polizei fühlt man sich berufen, auf Mildreds außergewöhnliche Reaktion zu reagieren.

Eine Mutter gegen den Rest der Welt

Polizeichef Willoughby will den Fall nochmal aufrollen, er fühlt sich in seiner Ehre angegriffen und kann Mildred auch verstehen. Sein Mitarbeiter Dixon (Sam Rockwell) jedoch ist nicht nur unfassbar einfältig, sondern auch ein Rassist und Muttersöhnchen - nicht die beste aller Kombinationen für einen Kleinstadtpolizisten. Natürlich gerät er mit Mildred aneinander. Wenn sie ihn provozierend fragt: "Wie läuft das 'Foltern von Negern'-Business, Dixon?", dann antwortet er, mit nicht einer Spur Ironie: "Das darf man nicht sagen! Das heißt jetzt 'Foltern von Farbigen'-Business."

"Das darf man nicht sagen!" Dixon und Mildred geraten des Öfteren aneinander.
"Das darf man nicht sagen!" Dixon und Mildred geraten des Öfteren aneinander.

Dass uns diese Form von Konversation belustigt, ist die eine Sache - dass sie uns Angst einjagt, ist die andere. Dass diese beiden großartigen Akteure sich jeweils am anderen Ende der Intelligenzskala aufhalten, bietet viele Möglichkeiten für Kalauer - aber auch für viele unerwartete Wendungen in diesen fantastischen 115 Minuten.

So sperrig der Titel der tiefschwarzen Tragikkomödie von Regisseur Martin McDonagh auch sein mag, so sehenswert ist die schräge Story über Tod, Trauer, Rache und Läuterung. Und das vornehmlich, aber eben nicht nur wegen der 60-jährigen Frances McDormand, der man unentwegt applaudieren möchte. An "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" kam dieses Jahr keine Filmpreis-Jury vorbei. Auch Woody Harrelson als angesehener, schwer kranker Polizeichef bekommt seine denkwürdigen Momente. Ebenso wie Peter Dinklage oder Caleb Landry Jones in Nebenrollen.

Auf Spurensuche: Polizeichef Willoughby.
Auf Spurensuche: Polizeichef Willoughby.

McDormand als verbitterte, trauernde und ungemein vulgäre Mildred Hayes, die fast alles und jeden, vor allem aber ihren Ex-Mann verachtet, ist jedoch selbstredend das Herzstück des Films. Viele Buchmacher räumen ihr die besten Chancen bei den anstehenden Oscars am 4. März ein, ihren dann zweiten Goldjungen einzusacken. Den ersten gab es für "Fargo" von den Coen-Brüdern. Überhaupt, die Coen-Brüder - überall Reminiszenzen an die großen Vorbilder. Der Regisseurs dieses schwarzhumorigen Dramas, Martin McDonagh (der bereits für einen Kurzfilm einen Oscar erhielt und für das Drehbuch von "Brügge sehen ... und sterben?" nominiert war) zeigt an allen Ecken und Enden seine Verehrung für diese Regie-Legenden, ohne dabei seinen eigenen Stil aus den Augen zu verlieren.

Außer Frances McDormand und Woody Harrelson als Beste Haupt- beziehungsweise Nebendarsteller wurde das Werk auch für "Bester Film", noch einen weiteren Nebendarsteller, nämlich Sam Rockwell, das beste Originaldrehbuch, den besten Schnitt und die beste Filmmusik nominiert.

Dieser Film ist derbe, nichts für zarte Gemüter, aber er packt die Probleme endlich mal an den Eiern! Und der Schluss? Der ist fast romantisch.

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" läuft ab dem 25. Januar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de