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Liebe in "Is This Thing On?" Wie Bradley Cooper Beziehungen sieht

12.03.2026, 15:32 Uhr
imageVon Linn Penkert
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RELEASE-DATE-December-19-2025-TITLE-Is-This-Thing-On-STUDIO-DIRECTOR-Bradley-Cooper-PLOT-As-their-marriage-unravels-Alex-faces-middle-age-and-divorce-seeking-new-purpose-in-the-New-York-comedy-scene-while-wife-Tess-confronts-the-sacrifices-she-made-for-their-family-forcing-them-to-navigate-co-parenting-and-identity-STARRING-WILL-ARNETT-as-Alex-Novak-LAURA-DERN
Hat die Ehe von Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) nach 26 Jahren noch eine Zukunft? (Foto: IMAGO/ZUMA Press)

Bradley Coopers Film "Is This Thing On?" erzählt von Trennungen, Freundschaften und der Suche nach einem neuen Lebensweg. Im Fokus stehen zwei Paare, die ihre Beziehungen neu definieren müssen. Ein überraschend ehrlicher Blick auf Wendepunkte im Leben.

Freundschaft ist eine der größten kreativen Kräfte, die es gibt. Gute Freunde inspirieren, geben Vertrauen - und manchmal auch den Mut, sich ganz hinzugeben. Sie kennen die eigene Geschichte, Eigenheiten und Motive. Sie verstehen, warum man so handelt, wie man handelt - und verurteilen einen nicht dafür. Im Gegenteil: In der Nähe guter Freunde muss man sich nicht verstellen. Aus genau diesem Vertrauen entstehen oft die ehrlichsten Gespräche, die mutigsten Ideen - und manchmal sogar etwas wirklich Großartiges.

Dieses Gefühl zieht sich spürbar durch "Is This Thing On?". Regisseur Bradley Cooper ist eine warmherzige, kluge Tragikomödie gelungen, die sich mit Trennungen, Freundschaften und Neuanfängen beschäftigt - und damit, wie Menschen im mittleren Lebensabschnitt plötzlich gezwungen sind, sich selbst noch einmal ganz neu zu sortieren. Inspiriert ist der Film vom Leben des britischen Comedians John Bishop und der Trennung von seiner Frau. Gemeinsam mit Will Arnett und Mark Chappell hat Cooper daraus eine Geschichte entwickelt, die gleichzeitig leise, humorvoll und erstaunlich hoffnungsvoll ist.

Im Mittelpunkt stehen Finanzmann Alex (Arnett) und die ehemalige Volleyballspielerin Tess (Laura Dern). Nach 26 gemeinsamen Jahren haben sie sich gerade getrennt. Tess ist mit den beiden Kindern und den Hunden im Haus geblieben, Alex hat sich eine kleine Wohnung gemietet. Die beiden verstehen sich weiterhin gut - zumindest oberflächlich. Doch zwischen ihnen liegt diese seltsame, unangenehme Distanz, die entsteht, wenn man nicht mehr wirklich zusammen ist, aber auch noch nicht vollständig auseinander. Wenn vieles noch unausgesprochen ist und gleichzeitig der Alltag weitergehen muss: mit Co-Parenting, gemeinsamen Verpflichtungen und einem Freundeskreis, den man seit Jahrzehnten teilt.

Zwei Paare vor dem Aus

Dieser Freundeskreis ist eng und vertraut. Dazu gehören Stephen (Sean Hayes) und sein frischgebackener Ehemann Geoffrey (Scott Icenogle - im echten Leben übrigens ebenfalls Hayes' Ehemann) sowie Balls (Bradley Cooper) und dessen Frau Christine (Andra Day). Auch bei den beiden kriselt es gewaltig. Balls ist ein selbstverliebter, leicht verpeilter Schauspieler, der ständig mit sich selbst beschäftigt ist, während Christine ihm gegenüber oft kühl wirkt - freundlich ist sie eigentlich nur zu ihrer besten Freundin Tess. Und plötzlich hat Alex' und Tess' Entscheidung auch Auswirkungen auf ihre eigene Ehe: Als frischgebackene "Empty Nesters" müssen Balls und Christine sich ebenfalls fragen, ob sie noch zusammenbleiben wollen.

Eines Abends landet Alex eher zufällig im legendären Comedy Cellar in Manhattan. Eigentlich will er nur zuschauen - doch ihm fehlt das Geld für den Eintritt. Also trägt er sich kurzerhand in die Liste der Comedians ein. Wenig später steht er zum ersten Mal auf der Bühne und versucht sich im Stand-up. Der erste von vielen Auftritten. Und während er sein neues Hobby zunächst vor Tess und seinen Freunden geheim hält, beginnt er dort, mit Witzen und Beobachtungen seine zerbrochene Ehe öffentlich zu verarbeiten.

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Sind schon lange miteinander befreundet: Laura Dern, Will Arnett und Bradley Cooper (v.l,). (Foto: IMAGO/Cinema Publishers Collection)

Im Laufe der Handlung kommen sich Alex und Tess wieder näher - sowohl körperlich als auch emotional. Zum ersten Mal seit Jahren müssen sie wirklich miteinander sprechen, über ihre Ängste, ihre Wünsche, ihre Erwartungen und ihre Zweifel. Dazu gehört auch ein gefährliches "Spiel", bei dem sie sich gegenseitig alles aufzählen, was sie am anderen nicht mögen. Ein Moment radikaler Offenheit, der gleichzeitig weh tut und befreiend wirkt.

Gleichzeitig erzählt der Film viel über das Gefühl, sich im mittleren Alter noch einmal neu erfinden zu müssen. Tess ist dafür vielleicht das beste Beispiel: Früher war sie eine erfolgreiche Volleyballspielerin, hat ihre Karriere aber zurückgestellt, um sich um Familie und Kinder zu kümmern. Jetzt, wo sich ihr Leben plötzlich verändert, muss sie herausfinden, wer sie eigentlich jenseits dieser Rolle ist. Als sich schließlich die Möglichkeit ergibt, als Trainerin zu arbeiten, wird klar, dass auch sie einen neuen Weg einschlagen kann - einen, der wieder mehr mit ihren eigenen Wünschen zu tun hat.

Ein Drehbuch, das überzeugt

Und genau darin liegt eine der schönsten Ideen des Films: dass aus etwas zunächst Traurigem und Ungewohntem plötzlich auch etwas Gutes entstehen kann. Alex entdeckt im Stand-up eine völlig neue Leidenschaft und findet eine Stimme, mit der er über seine Gefühle sprechen kann. Tess wiederum beginnt, wieder für sich selbst einzustehen. Beide lernen langsam, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen - unabhängig davon, ob ihre gemeinsame Zukunft nun wieder als Paar weitergeht oder nicht.

Was "Is This Thing On?" so stark macht, ist vor allem das Drehbuch. Die Figuren fühlen sich glaubwürdig an, ihre Gespräche wirken echt, nie konstruiert. Wer nichts über John Bishops tatsächliche Lebensgeschichte weiß, wird bis zum Schluss nicht ganz sicher sein, wie diese Geschichte ausgeht. Finden Alex und Tess wieder zueinander - oder bleiben sie getrennt und erfinden ihre Beziehung neu, vielleicht als Freunde und Co-Parents? Irgendwann merkt man sogar: Beide Möglichkeiten wären vollkommen in Ordnung. Ein kleiner Tipp deshalb: Vor dem Schauen lieber nicht googeln, wie John Bishops Familienstand heute aussieht.

Besonders angenehm ist auch der Ton des Films. "Is This Thing On?" ist nicht überdramatisch und verzichtet komplett auf klassische Bösewichte oder spektakuläre Verratsmomente. Stattdessen zeigt er einfach Menschen, die an einem Wendepunkt stehen - zwei Paare, die sich fragen müssen, wie ihr Leben eigentlich weitergehen soll.

Dabei gibt es immer wieder Momente, in denen man kurz fürchtet, der Film könnte doch noch in bekannte RomCom-Klischees abrutschen. Etwa als Tess mit ihrem Date - gespielt ausgerechnet von NFL-Legende Peyton Manning - im Comedy Cellar landet, genau in dem Moment, in dem Alex auf der Bühne steht und euphorisch erzählt, dass er zum ersten Mal seit fast drei Jahrzehnten mit einer Frau geschlafen hat, mit der er nicht verheiratet ist. In fast jedem anderen Film würde daraus ein endloses Missverständnis-Drama entstehen. Doch "Is This Thing On?" schlägt einen viel eleganteren Weg ein. Arnett, Cooper und Chappell finden eine überraschend schöne Lösung für diesen Moment.

Dreh mit Freunden hat "reizvolle Gefahr"

Dass das alles so glaubwürdig wirkt, liegt natürlich auch an den Schauspielern. Will Arnett und Laura Dern spielen ihre Figuren mit großer Wärme und feinem Humor. Bradley Cooper und Andra Day verleihen dem zweiten Paar eine ganz eigene Dynamik zwischen Frust, Zuneigung und Selbstzweifeln. Keine Szene wirkt übertrieben oder melodramatisch - alles bleibt angenehm nah an echten Gefühlen.

Und vielleicht hat das auch wieder mit Freundschaft zu tun. Denn nicht nur ihre Figuren, sondern auch die Hauptdarsteller kennen sich seit vielen Jahren. Dieses Vertrauen spürt man in fast jeder Szene. Es habe eine "reizvolle Gefahr", mit Menschen zu arbeiten, die einen so gut kennen, weil man sich vor ihnen nicht verstecken kann", sinniert Laura Dern im Interview mit ntv.de. "Und Bradley kennt mich so gut, dass er sofort merkt, wenn ich mich selbst verstecke - und er ermutigt mich dann, noch tiefer zu gehen und verletzlicher zu werden. Mit Will war es genauso."

Wahrscheinlich ist "Is This Thing On?" deshalb am Ende vor allem eines: ein Film über Beziehungen, der selbst aus einer Beziehung entstanden ist - aus Freundschaft, Vertrauen und der Bereitschaft, sich wirklich ehrlich zu zeigen.

"Is This Thing On?" läuft ab sofort in den Kinos.

Quelle: ntv.de