Musik

"Über das Grübeln" Balbina will's mal langsamer machen

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Ungewöhnlich, wunderbar, interessant, kreativ - und bald mit Herbert Grönemeyer auf Tour: Balbina.

Die Pop-Lieder ihres zweiten Albums "Über das Grübeln" stecken voller kluger Poesie und ausgeklügelter Melodien. Ja, und singen kann Autodidaktin und Ex-BWL-Studentin Balbina, die bereits Herbert Grönemeyer und den Bundespräsidenten zu ihren Fans zählen darf, natürlich auch ganz großartig. 

n-tv.de: Balbina, besonders auffällig in deinen Liedern ist das feine Händchen für Sprache und kunstvoll verdrehte Textzeilen wie "Ich muss was gegen das Nichstun tun, denn das Nichtstun tut mir gar nicht gut! oder "Ich zähl' die Polkadots auf meinem Glockenrock". Fliegen dir solche Sprachbilder zu?

Balbina: Nein, ich feile oft sehr lange an einzelnen Formulierungen, das ist richtig harte Arbeit. Die Texte entstehen so, dass ich immer einen Notizblock dabei habe und darin kleine Gedankenskizzen festhalte. Bevor ich diese Fragmente zu einem Songtext ordne, sammele ich oft Wochen oder Monate.

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Machen Sie sich auf etwas gefasst!

"Über das Grübeln" ist ein Album, bei dem man schon zuhören sollte, damit sich die Songs  entfalten. Ist deine Musik ein Gegenstatement zu unserer hektischen Zeit?

Ja, total. Der Zeitbegriff fasziniert mich sowieso extrem. Ich wünschte mir oft, ich könnte etwas machen, damit eine Stunde in Wirklichkeit länger dauert als nur eine Stunde. Ich sehe auch einen großen Unterschied zwischen dem Lebenstempo, als ich zehn war und in meinem Zimmer "Hanni und Nanni" las und dem Lebenstempo heute. Vor lauter Multimediablinken nimmt man kaum noch etwas bewusst wahr. Man sitzt da, weiß nicht, worauf man zuerst reagieren soll und macht gar nichts mehr.

"Wir sprinten in den Stillstand" singst du in "Langsam langsamer".

Wir rasen ins Nichts. Ich will lieber Dinge mit Bedeutung tun. Zum Beispiel alles ausschalten, mir eine Tageszeitung aus Papier nehmen und die ganz in Ruhe gründlich lesen.

Die Refrainzeile aus "Tisch" lautet "Ich stehe zwischen den Stühlen wie ein Tisch". Gilt das auch für deinen Musikstil?

Ja. Dass man meine Musik nicht klar eingrenzen kann, ist nicht beabsichtigt, aber sehr okay so. Ich achte darauf, dass meine Refrains eingängig und schön sind. In den Strophen tobe ich mich dann aus. Ich hatte viele Meetings mit Plattenfirmen, in denen es hieß "Die Leute werden es toll finden, aber damit verkauft man keine Alben." Ich habe mich immer erfolgreich dagegen gewehrt, meine Musik schlichter zu machen. Sie hat ihre Berechtigung. Es gibt ja auch Leute, die lesen Gedichte. Das Publikum existiert also.

Du kommst von der Literatur zur Musik, oder?

Meine Mama war alleinerziehend und musste viel arbeiten, ich als Einzelkind habe mir die Zeit immer mit Lesen vertrieben. In der Schule mochten mich die meisten Kinder nicht, weil sie mich komisch fanden. Naja, und umgekehrt. Ich bin in Neukölln aufgewachsen, wo eine gewisse Ghetto-Tristesse herrschte. Die Sachen, mit denen man dort hätte andere junge Menschen beeindrucken können, haben mich nicht interessiert.

Wann hast du angefangen zu schreiben und zu singen?

So mit 14, 15. Man liest schon raus, in welche Richtung es später geht, nämlich ins Schräge und Um-die-Ecke-gedachte, aber die Texte waren noch sehr süß und kitschig.

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Wie ein Ritterschlag!

Du singst auch großartig und variierst deine Stimme mühelos zwischen laut und kräftig sowie sanft und leise. Glückwunsch an deine Gesangslehrerin.

Danke, ich war meine eigene Lehrerin. Ich wollte unbedingt so singen können wie Whitney Houston, also habe ich geübt bis zum Abwinken. Später habe ich viel Soul und Jazz gehört, speziell aus den Sixties und Seventies, wodurch ich mein Gespür für Harmonien und Chöre entwickelt habe.

Auf der Suche nach Gleichgesinnten hast du die teilweise harten Hiphop-Jungs des "Royal Bunker"-Labels gefunden. Wie passt das zusammen?

Zum Rap bin ich gekommen, weil der Textanteil dieser Musik sehr hoch ist. Bei Royal Bunker habe ich meine ersten wirklich guten Freunde kennengelernt. Für mich war das dort eher wie ein Jugendtreff mit Leuten, die gerne schreiben und textaffin sind.

Arrangierst du deine Lieder selbst?

Nein, das macht Nico Rebscher, der auch in meiner Band mitspielt. Ich komme mit Text und Melodie zu ihm, beschreibe ihm die Stimmung des Songs, und er bastelt dann diese wunderbaren Soundtracks dazu.

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Stimmt es, dass du zusammen mit zwei Freundinnen auch ein kleines Modelabel hast?

Das stimmt. Mode ist ein sehr wichtiger Aspekt meiner Kunst. Mit dem Label "das üb" machen wir – Susann Bosslau, Coco Meurer und ich – hauptsächlich die Klamotten für mich und meine Videos. Für das Video zu "Langsam Langsamer" hat Susann ein Holzkleid geschneidert, und eins aus echten Blättern habe ich auch schon getragen.

Ein Kleid aus echten Blättern? Im Winter?

Wir haben morgens um 4 Uhr frische Blätter im Blumengroßhandel gekauft und sie schnell auf das Kleid geklebt. 

Du nennst dein Album "Über das Grübeln", weil du sehr viel nachdenkst. Kannst du den Denkapparat überhaupt abschalten?

Darin bin ich sehr schlecht. Um einen Ausgleich zu haben und weil ich sehr gerne in der Natur bin, laufe ich viel.

Du wirst im Mai und Juni mit Herbert Grönemeyer auf Tournee sein. Ein künstlerischer Seelenverwandter?

Wir beide tun das, was wir für richtig halten. Herbert hat mich bestärkt und gemeint, es sei schwer, ein eigenes Profil zu entwickeln, aber ich solle das durchziehen und mir eine dicke Haut zulegen.

Und was hat Joachim Gauck gesagt, als du auf dem Bürgerfest in Schloss Bellevue aufgetreten bist?

Der war so nett und wollte wissen, wie das läuft als junger Mensch mit der Musik. Er hat mir gesagt, dass ihm meine Lieder gut gefallen haben. Das war wie ein Ritterschlag für mich.

Mit Balbina sprach Steffen Rüth

"Über das Grübeln" bei Aamzon bestellen

Live mit Herbert Grönemeyer
 

18.05.2015Stuttgart (D) , Schleyerhalle   [Infos zum Konzert]
21.05.2015München (D) , Olympiahalle   [Infos zum Konzert]
22.05.2015München (D) , Olympiahalle   [Infos zum Konzert]
24.05.2015Frankfurt (D) , Festhalle   [Infos zum Konzert]
25.05.2015Mannheim (D) , SAP Arena   [Infos zum Konzert]
27.05.2015Köln (D) , Lanxess Arena   [Infos zum Konzert]
28.05.2015Oberhausen (D) , König-Pilsener-Arena   [Infos zum Konzert]
30.05.2015Bonn (D) , Rheinauen   [Infos zum Konzert]
31.05.2015Schweinfurt (D) , Willy-Sachs-Stadion   [Infos zum Konzert]
03.06.2015Bocholt (D) , Stadion   [Infos zum Konzert]
06.06.2015Braunschweig (D) , Eintrachtstadion   [Infos zum Konzert]
07.06.2015Hofgeismar (D) , Festival   [Hessentag]
09.06.2015Rostock (D) , IGA-Parkbühne   [Infos zum Konzert]
10.06.2015Heide (D) , Marktplatz   [Infos zum Konzert]
12.06.2015Berlin (D) , Waldbühne   [Infos zum Konzert]
13.06.2015Leipzig (D) , Red Bull Arena   [Infos zum Konzert]
16.06.2015Wien (A) , Stadthalle   [Infos zum Konzert]

Quelle: n-tv.de

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