Musik

Mehr als ein "Hobo"Charlie Winston in Curio City

16.03.2015, 17:06 Uhr

Er ist ziemlich überarbeitet, aber er liebt es, Interviews zu geben. Charlie Winston, der Typ mit dem Hut, der "Like A Hobo"-Mann. Von diesem One-Hit-Wonder-Image will er sich nun aber verabschieden und hat eine Menge neuer Sachen im Gepäck - außer einem neuen Hut.

Der Mann ist gerne perfekt, doch manchmal verdaddelt er sich, aber seine Musik ist ihm nun mal das Wichtigste. Winston wurde 1978 in Cornwall geboren, und er wuchs mit Musik und einer Menge Instrumente auf: Schlagzeug, Klavier, Gitarre. Er studierte Jazzklavier und tingelte durch Indien. Mit seinem Song "Like a Hobo" eroberte er die Welt und die Charts. Seine neueste Single heißt "Lately", sein neues Album heißt "CurioCity" und er vereint damit, was ihn am meisten ausmacht: Leben in vielen Städten und seine Neugier, ständig etwas anderes auszuprobieren.

n-tv.de: Charlie, erzähle uns bitte etwas über dein neues Album.

Charlie Winston: Ich habe das Album selbst produziert und ich spiele alles bis auf Schlagzeug selbst. Das macht einen ganz großen Unterschied. Ich war tatsächlich sehr neugierig, ob ich das hinbekomme. Als ich London, wo ich eine ganze Weile gelebt habe, 2009 verlassen hatte und dann vier Jahre später zurück kam, war alles ganz anders. Damals habe ich angefangen mit dem Album, und all die neuen Eindrücke, die ich in meiner "alten" Stadt bekam, plus alles auf Reisen Erlebte, habe ich versucht zu verarbeiten. Ich denke, es ist wie ein Bilderbuch, vielleicht auch wie meine persönliche Achterbahnfahrt, die ich durchlebt habe. Ich hatte das Gefühl, dass ich ein anderer Mann bin.

Was war denn so anders, dass du dich gleich wie ein Fremder gefühlt hast?

Nur zuerst fühlte ich mich fremd. Aber das hatte eigentlich weniger mit London als mit mir selbst und meinen Veränderungen zu tun. Das habe ich aber erst nach einer Weile gemerkt.

Du hast in Paris und in Los Angeles gelebt ...

... naja, Paris stimmt, in Los Angeles habe ich nur eine Menge Zeit verbracht (lacht). Ich bin so viel gereist in den letzten Jahren, dass ich eigentlich kein Zuhause hatte.

Hast du den "Hobo" dann auch auf Reisen geschrieben?

Oh nein, der ist schon älter.

Wie ist denn die Stimmung in Paris gerade? Bist du noch öfter da, hast du Kontakt und kannst du die Sprache?

Oh ja, ich bin oft da, habe dort Freunde. Du meinst wegen des Anschlags auf Charlie Hebdo?

Ja.

Das ist immer noch sehr vordergründig dort und beeinflusst die Menschen. Man redet immer noch sehr viel darüber und die Sicherheitsvorkehrungen sind immer noch sehr hoch.

Beeinflussen solche Dinge dich, wenn du neue Songs schreibst?

(zögert) Nein, nicht allzu sehr. Ich bin kein politischer Sänger, ich seh' mich eher in der sozialen Ecke, die alltäglichen Dinge interessieren mich. Ich beobachte gern die Leute, den Lifestyle, und versuche, mich in einen Kontext zu setzen, wenn ich in einer neuen Gegend bin. Ich lasse mich nicht so gerne vereinnahmen, vielleicht liegt das daran. Ich finde es auch immer eine gefährliche Gratwanderung, wenn man sich der Themen annimmt, die einem nicht hundertprozentig liegen, bloß weil sie gerade aktuell oder angesagt sind.

Lässt du dich denn tatsächlich leicht vereinnahmen oder beeinflussen? Du wirkst total in dir ruhend.

Ja, das stimmt auch, ich bin eher ruhig. Aber auch ehrgeizig. Im Sinne von, ich will was erreichen, Neues kennen lernen, andere Projekte ankurbeln, ich bin immer unterwegs, muss ständig was tun.

Wie kam es zu deiner Zusammenarbeit mit The Avener?

Tja, wie soll ich das sagen. Wir haben uns nicht mal gesehen, er hat einen Remix gemacht, den ich sehr mag, und wir waren dabei nicht zusammen im Studio. Ich hoffe, ihn bald mal wirklich zu treffen. Es war noch vor seinem ganz großen Erfolg, also würde ich mal sagen: Gutes Timing für mich (lacht).

Deine Karriere ist so richtig losgegangen, seit du mit Peter Gabriel zusammen gearbeitet hast, oder? Ist er eine Art Mentor für dich?

Nein, das würde ich nicht sagen. Er ist ja wahnsinnig bekannt und er hat mich trotzdem machen lassen, was ich will, und jetzt hab' ich ihn schon lange nicht mehr getroffen. Ich muss gestehen, dass ich mehr Kontakt zu seinen Töchtern habe ...

Deine Tour geht im Frühjahr los. Was wirst du deinen Fans präsentieren?

Ich werde ihnen einen neuen Sound präsentieren, denke ich. Es hat sich einiges geändert. Ich freu' mich auf die Arbeit mit meiner Band. Es wird was zum Tanzen!!

Mit Charlie Winston sprach Sabine Oelmann

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Quelle: ntv.de