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40 Jahre Blondie Debbie Harry im Dating Stress

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Hat auch ihr Aussehen eingesetzt - why not?

Vor 40 Jahren haben sich Blondie im New Yorker Punk-Underground gegründet. Auch dank ihrer blonden Frontfrau Debbie Harry landeten sie später mit "Call Me", "Rapture", "Heart Of Glass" und "Maria" diverse Pophits. Ihren Geburtstag feiern sie nun mit einem Jubiläums-Doppelalbum, das sowohl Band-Klassiker als auch die neue Platte "Ghost Of Download" enthält. Das nunmehr zehnte Studioalbum von Blondie überzeugt mit einer Mischung aus Pop, Rap, Karibikklängen und Gastvocals von Beth Ditto. n-tv.de hat mit Debbie Harry in Berlin gesprochen.

n-tv.de: Mrs. Harry, wussten Sie, dass Ihr Kopf 5,5 Millionen Pfund Wert ist?

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Blond wie eh und je: Debbie Harry.

(Foto: dpa)

Debbie Harry: Ha! Sie spielen auf das Porträt an, das Andy Warhol von mir gemalt hat.

Genau. Es wurde 2011 bei Sotheby’s versteigert.

Ach, aber am Ende des Tages ist es nur ein Porträt. Die von Andy Warhol kosten nun mal ihren Preis. Ich vermute, es hat gar nicht so viel mit dem Motiv zu tun. Die Kunstwelt ist diesbezüglich einfach maßlos, da gibt es konstante Wertsteigerung.

Sie waren befreundet mit Andy Warhol.

Das stimmt. Er war die Muse von Blondie, und dann wurde ich zu seiner Muse. Einmal hat er mir sogar mein Bein signiert, davon gibt es auch ein Video. Er war wirklich der Strippenzieher für junge Künstler im New York der Siebziger. Er sog auf, was neu war und unterstützte Bands, die ihm gefielen.

Waren die Typen in Ihrer Band auch besessen von Ihrem ikonischen Image?

Hm, ich glaube schon. Die Jungs haben sich immer mit mir identifizieren können. Sie waren stolz auf das, was ich da vorne machte. Ich habe auch immer versucht, sie zu repräsentieren. Blondie war keine One-Woman-Show, sondern eine Band! Verglichen mit dem, was heute Frauen auf der Bühne machen, war ich ja fast asexuell. Ich habe dort praktisch nichts anderes getan, als ich selbst zu sein.

Ist das Musikbusiness heute zu versext?

Sagen wir so: Das, was da passiert, ist Showbiz. Man kann da einen klaren Strich ziehen zwischen Showbiz-Sängern und richtigen Bands. Aus irgendeinem Grund wird beides trotzdem in eine Schublade gepackt. Dabei sind das zwei verschiedene Welten mit total unterschiedlicher Attitüde!

Sieht ganz schön anstrengend aus, was Miley Cyrus und Co. da machen, oder?

Nun, sie ist ein Showgirl! Solche Mädchen könnten genauso gut "Cabaret" tanzen. Ihre Songs haben keine persönliche Botschaft, denn sie werden ihnen nur geliefert, um sie performen zu lassen.

Zu "CBGB"-Zeiten waren wohl nicht so viele Frauen unterwegs.

Es gab definitiv weniger Frauen in der New Yorker Punkszene. Da waren Künsterinnen wie Cherry Vanilla und Annie Golden, aber die wurden nie so berühmt wie Patti Smith oder ich.

Es wird ja immer gern behauptet, es hätte eine Rivalität zwischen Ihnen und Patti Smith gegeben.

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Noch immer auf Tour: Deborah Harry im Februar 2014 beim Super Bowl Boulevard in New York.

(Foto: AP)

Blödsinn! Es war damals nur generell so, dass da viel Konkurrenzkampf unter den New Yorker Bands herrschte. Blondie haben Patti immer geliebt. Sie ist außergewöhnlich. Wir haben sie erst kürzlich bei der Gedenkfeier für Lou Reed getroffen. Das war ein sehr bewegender Abend übrigens mit vielen alten Bekannten. Ein bisschen wie ein Familientreffen.

Werden Sie manchmal nostalgisch, wenn Sie durch New Yorks Straßen gehen?

Klar, manchmal kommen Erinnerungen hoch. Obwohl sich alles so verändert hat. Visuell ist es das New York von heute schon sehr anders als damals. Aber manchmal hast du trotzdem deine Momente. New York City ist ziemlich klein, wenn man sein ganzes Leben dort verbracht hat. Es ist übrigens auch andersrum so: Mit mir verbindet man bestimmte Plätze der Stadt. Teilweise ist es absurd, was mit den alten Venues passiert ist. Der legendäre Cat Club auf dem Broadway ist nun ein Lesesaal für Christliche Wissenschaft.

Auch das Restaurant "Max's Kansas City", in dem Sie vor Ihrem Durchbruch als Bedienung gearbeitet haben, existiert nicht mehr.

Nein, das ist heute ein Feinkostladen! Es ist kaum mehr vorstellbar, dass sich dort einst die Szene-Leute die Klinke in die Hand gaben. Ich habe dort acht Monate Cocktails serviert. Es war schick! David Bowie, Iggy Pop, Andy Warhol, Janis Joplin – alle waren sie da. Die meisten hatten bloß keinen Appetit, weil sie Junkies waren.

Sie waren auch mal ein Playboy-Bunny!

Weil ich im "Playboy Club" angestellt war, ja. Ich habe damals verschiedene Dinge ausprobiert. Ich musste ja auch irgendwie meinen Lebensunterhalt finanzieren. Mir wurde gesagt, dass das ein heißer Job ist, also nahm ich ihn an.

Haben Sie Ihr Äußeres auch später für Ihre Karriere eingesetzt?

Nun, ich war dankbar, dass ich so aussah wie ich aussah. Der Grund für den späteren Erfolg lag zu einem guten Anteil an meinem Aussehen - dessen war ich mir immer bewusst. Ich wollte mit der Musik Karriere machen. Und ich hatte das große Glück, in Chris Stein einen Bruder im Geiste zu treffen. Ohne ihn hätte ich mich auf dem harten New Yorker Pflaster nicht durchgesetzt.

Mit Chris Stein, mit dem Sie auch viele Jahre privat liiert waren, pflegen Sie heute noch eine kreative Partnerschaft bei Blondie. 

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Deborah Harry und Gitarrist Chris Stein sind noch immer die besten Freunde.

(Foto: Reuters)

Wir sind beides alte Seelen. Wir ergänzen uns bestens. Bei Blondie sind wir sogar voneinander abhängig.

Gibt es noch einen anderen Mann in Ihrem Leben?

Viele! Momentan bin ich gerade im Dating-Status. Mal schauen, was daraus wird. Beziehungen waren nie wirklich einfach in meinem Leben. Gefehlt hat mir allerdings auch nichts, dazu war ich zu sehr mit meiner Karriere beschäftigt.

Gehen Sie eigentlich immer noch tanzen?

Absolut! Natürlich nicht ständig. Aber ich kenne mich aus, was die Clubszene New Yorks betrifft. Aber das Nacht-Geschäft ändert sich so schnell wie der Rest der Stadt.

Ich frage nur, weil man zur neuen Blondie-Platte "Ghost Of Download" echt gut tanzen kann.

Haben Sie das schon ausprobiert? Es empfiehlt sich, sich dazu zu bewegen, ja. Rock’n’Roll bedeutete ursprünglich Sex. Es geht also immer um Bewegung. Mir gefällt, dass sämtliche Popmusik heutzutage Dancemusik ist. Chris hat sich die letzten Jahre sehr für lateinamerikanische, elektronische Musik begeistert. Die haben sexy Beats. Dembowbeats, wie es richtig heißt. Und die hört man nun auf unserem Album.

Wollen Blondie damit auch jüngere Menschen ansprechen?

Ach, die waren auch immer schon bei unseren Konzerten. Da standen immer schon mehrere Generationen nebeneinander. "One Way Or Another" wurde bei "Glee" gefeatured und hat dadurch viele junge Menschen erreicht. Und dass One Direction den Song gecovert haben, führt jetzt dazu, dass selbst Zehnjährige wissen, wer ich bin.

Mit Debbie Harry sprach Katja Schwemmers

CD: Blondie "4(0)-Ever – Ghost Of Download/Greatest Hits Deluxe" (Caroline/Universal, VÖ: 16.5.)

Blondie on tour:

23.6. Berlin, Tempodrom
24.6. Hamburg, Große Freiheit
25.6., 20 Uhr, Köln, E-Werk

Quelle: n-tv.de

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