Musik

Robert Plant wird 70 Der Frontmann deluxe

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Robert Plant im Jahr 1976: ein sich immer weiter aufplusternder Stern am britischen Rock-Himmel.

(Foto: imago stock&people)

Als es Ende der Sechziger darum ging, der kantigeren Rock 'n' Roll-Version auf die Welt zu helfen, stand ein Geburtshelfer als Erster im Kreißsaal der schroffen Töne. Sein Name: Robert Plant. Seine Mission: Musikgeschichte schreiben.

Nur wenige Musiker verfügen über so viel Einfluss und Charisma, dass ein einziger Satz von ihnen dazu in der Lage ist, ein Millionenpublikum entweder ins Land der Glückseligkeit oder in ein schwarzes Loch aus Frust und Leid zu katapultieren. Robert Plant ist einer dieser Künstler, der in der jüngeren Vergangenheit gleich zweimal für ein emotionales Erdbeben innerhalb der Welt der Musikliebenden sorgte.

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Brust frei, gemustertes Hemd, Wallemähne: Robert Plant 1970.

(Foto: imago stock&people)

Als die britische Rock 'n' Roll-Eminenz im Jahr 2007 ihr "Okay" für eine einmalige Led-Zeppelin-Live-Reunion zu Ehren des verstorbenen Plattenbosses Ahmet Ertegün gibt, stellen sich mehr als 20 Millionen (!) Fans in die Ticketschlange. Elf Jahre später lassen mindestens genauso viele Fans von Klassikern wie "Stairway To Heaven", "Whole Lotta Love" und "Kashmir" die Köpfe hängen. Ein halbes Jahrhundert nach der Gründung der wohl einflussreichsten Band der Rockgeschichte befördert Robert Plant all die seit dem legendären "Celebration Day" aufkeimenden Hoffnungsschimmer hinsichtlich einer neuerlichen Led-Zeppelin-Wiedervereinigung mit nur einem Satz ins Jenseits. "Eine Reunion von Led Zeppelin gibt es höchstens an einer Pommesbude in Camden", sagt der Sänger der Press Association.

Trotz oder gerade wegen seiner strikten Weigerung, eine Band noch einmal durchs Rock-Universum ziehen zu lassen, die mehr junge Menschen dazu veranlasst hat, eine Gitarre in die Hand zu nehmen, als New York Einwohner hat, steht Robert Plant auch 50 Jahre nach der Band-Gründung noch ganz oben auf der Liste der Musikbusiness-Lichtgestalten.

Dreht man das Rad der Zeit zurück und landet im Sommer des Jahres 1968, weist noch nicht viel darauf hin, dass der Sohn eines britischen Wasserbau-Ingenieurs bereits ein Jahr später auf dem Rock-Thron Platz nehmen wird. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum überzeugen Led Zeppelin zwar viele Fans aus den Bereichen Blues, Folk und Rock. Aber erst mit der Veröffentlichung ihres zweiten Studiowerks ("Led Zeppelin II") ziehen Robert Plant, Jimmy Page, John Bonham und John Paul Jones auch alle Kritiker in ihren Bann.

King of Cock Rock

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Plant im Juli 2018: Die Wallemähne ist geblieben, die Kleidung aber zurückhaltender geworden.

(Foto: imago/UPI Photo)

Plötzlich liegen dem einstigen Wirtschaftsprüfer und passionierten Tolkien-Anhänger keine Zahlen und Tabellen, sondern Geldbündel und Groupies zu Füßen. Der schüchterne Lockenkopf, der im Alter von zwölf Jahren zu den Musikgrößen Little Richard, Muddy Waters und Duke Ellington aufblickte, wird praktisch über Nacht zum "Golden God", zur "Brust des Jahres" und zum "King of Cock Rock" gekürt. Eine Metamorphose, die dem sich immer weiter aufplusternden neuen Stern am britischen Rock-Himmel durchaus gefällt.

Früher habe er "ein übertrieben großes Ego" gehabt, räumt Plant heute ein, ein Charakterzug, der innerhalb der goldenen Mauern des Rock- und Pop-Olymps sicher keine Seltenheit ist. Der Frontmann kann sich den ausgeprägten Hang zur Selbstverliebtheit aber auch leisten. Plant liefert nämlich ab: zwölf Jahre als Kopf von Led Zeppelin und weitere vier Jahrzehnte als experimentierfreudiger Solo-Künstler.

Inspiriert von Sounds aus den Bereichen Folk, Blues und Bluegrass, die mitunter mit einem gehörigen Schuss aus der afrikanischen und orientalischen Klangküche aufgepeppt werden, veröffentlicht der kauzige Rock-Barde 16 Studioalben in Eigenregie.

Blumenbringer und Hennenflüsterer

Vom egozentrischen "Rock God", der die "Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll"-Fahne mit am höchsten hielt, ist im Hochsommer 2018 nicht mehr viel übrig. Statt in den vergoldeten Bergen von Beverly Hills lebt Robert Plant zurückgezogen in der schroffen Black-Country-Einöde. Dort jubelt er den Kickern der Wolverhampton Wanderers zu, wenn er nicht gerade im Studio an neuen Songs tüftelt, seiner Tante einen Blumenbesuch abstattet oder draußen vor der Haustür zwischen Gewächshaus und Hühnerstall den Hennenflüsterer mimt.

Der Geburtshelfer von Tausenden Rock- und Metal-Überfliegern ist längst wieder geerdet -aber noch immer in aller Munde. Ende Oktober erscheint die langersehnte Neuauflage der Led-Zep-Bio "When Giants Walked The Earth". Bereits einen Monat vorher geht es für Robert Plant und seine Band "The Sensational Space Shifters" mal wieder auf Reisen (USA, England, Irland). Und heute? Ja, heute hebt die komplette Musikwelt das Glas und stößt an: auf 70 Jahre im Zeichen des Rock 'n' Roll. Happy Birthday, Robert Plant! Lang lebe der "King of Cock Rock"!

Quelle: ntv.de