Musik

Mehr als Pimmel und Image Die Fantas auf Rettungsmission

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Die Fantastischen Vier beim Konzert im Oktober 2017 auf dem Hockenheimring.

(Foto: Thomas Pakusch/imago)

Kurz nach der Verlegung des Patienten "Deutschrap" auf die Intensivstation kommen die Fantastischen Vier mit einem Superhelden um die Ecke. Die Hip-Hop-Community hält den Atem an. Kann "Captain Fantastic" wieder alles zum Guten wenden?

In Zeiten, in denen deutscher Hip-Hop mehr denn je am Pranger steht und sich stiernackige Intelligenzbestien wie Kollegah und Farid Bang mit dem "Hohlraum"-Button auf der Stirn um Kopf und Kragen rappen, greift der Fan des gepflegten Sprechgesangs – verständlicherweise - nach jedem Strohhalm.

Mit Clueso und Tom Gaebel in Richtung Rap-Olymp

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"Captain Fantastic" ist ab 27. April erhältlich.

(Foto: Columbia/Sony Music)

Gut zwei Wochen nach der dumpfbackigen "Echo"-Krönung ist es sogar schon so weit gekommen, dass man so genreaffinen Hochkarätern wie Hip-Pop-Posterboy Clueso und Sinatra-Double Tom Gaebel den goldenen Schlüssel zum Eintritt in den nationalen Rap-Olymp überreicht.

Mit den Attitüde-meets-Kreativität-Wurzeln der einst in den Achtzigern aufkeimenden Hip-Hop-Zweigstelle Deutschland hat das natürlich nicht mehr allzu viel zu tun. Das ist den Fanta-Vier-Verantwortlichen und ihrem heute ins Rennen geschickten Superhelden "Captain Fantastic" aber hörbar schnuppe. Letzterer hat nur eine Mission: nämlich, sich zwischen die verhärteten Fronten zu stellen und mit einem Dauergrinsen im Gesicht dafür zu sorgen, dass der in den Seilen taumelnde Boxer namens Deutschrap keinen endgültigen Knockout erleidet.

Kleines Licht im finsteren Branchentunnel

Mit ihrem zehnten Studioalbum entfachen die schwäbischen Beat-Hausmeister und Mikrofonprofessoren ohne Zweifel ein kleines Licht im derzeit stockfinsteren Branchentunnel. Zwischen kantigen Oldschool-Strukturen und aufgeplustertem Hier-und-jetzt-Bombast pendelnd, brabbeln und quasseln sich Smudo und Co durch insgesamt 16 neue Songs. Neben den bereits erwähnten Tom Gaebel und Clueso sind auch die Kollegen Flo Mega, Damion, Samy Deluxe und Fler mit an Bord.

Während der Albumtitel-Superheld all seine Kräfte bündelt und zum großen Reinemachen bittet, bringt die Sound-Front um DJ Thomilla und Multiinstrumentalist Enik gewohnt verpoppte Basecap-Beats an den Start.

Zaubertrank gegen aufkeimende "Endzeitstimmung"

Stilistisch auf bewährten Sound-Pfaden unterwegs buddeln sich die Fantastischen Vier einen "Tunnel" und tüfteln unter Tage "Zusammen" mit ihren musikalischen Gästen an einem Zaubertrank gegen aufkeimende "Endzeitstimmung". Das hat was, lässt den Puls hochgehen und sorgt phasenweise sogar dafür, dass sich die eine oder andere "Vier gewinnt"-Erinnerung wieder aus dem Keller ins Freie wagt.

Sicher, "Captain Fantastic" ist weder Super- noch Batman. Für eine vollständige Sofortgenesung der auf den letzten Löchern feiernden Goldketten-Branche reichen die Superkräfte des imaginären Heroen aus dem "Fantanamera"-Universum dann doch nicht aus. Aber was solls. Den Kopf in den Sand stecken bringt auch nichts. Ergo: "Weitermachen" und nach und nach allen "Affen mit Waffen" ordentlich einen vor den Latz knallen. Wir wissen schließlich alle: "Hip-Hop ist mehr als Pimmel und Image!" In diesem Sinne: Yo, Baby, yo!

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Quelle: ntv.de