Musik

Dabei sein ist alles Ed Sheeran im Duett-Rausch

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Ed Sheeran beim Konzert in Madrid am 11. Juni. Sein neues Album "No.6 Collaborations Project" erscheint am 12. Juli.

(Foto: dpa)

Eminem, Justin Bieber, Bruno Mars, Chris Stapleton, Travis Scott: Für seine "No.6 Collaborations Project"-Sause holt sich Ed Sheeran die Crème de la Crème der Pop-Branche ins Studio. So richtig zünden will die Duett-Party aber nicht.

Rückblick, Hamburg, 2011: Als Ed Sheeran in der Bar des Hamburger "East Hotels" die Gitarre in die Hand nimmt, lauschen knapp 30 Zuhörer den zarten Klängen des rothaarigen Jung-Barden von der Insel. Es ist die Zeit, in der Sheeran noch ganz am Anfang seiner Karriere steht und mit den Songs seiner selbst vertriebenen Kollabo-EP "No.5 Collaborations Project" lediglich eingefleischten Szenekennern ein Grinsen ins Gesicht zaubert.

ACHTUNG Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über das Album.jpg

"No.6 Collaborations Project" ist Ed Sheerans viertes Studioalbum.

(Foto: Warner Music International/dpa)

Acht Jahre später, im Hier und Jetzt, ist Sheeran wieder auf dem deutschsprachigen Festland unterwegs. Mit dabei hat er sein neues Duett-Schaffen "No.6 Collaborations Project". Ein Kreis schließt sich. Allerdings gibt es zwei große Unterschiede zwischen damals und heute. Statt in einer Bar vor 30 Leuten spielt Ed Sheeran in Arenen vor bis zu 80.000 Fans. Und statt mit einstigen Underground-Newcomern wie Devlin, Wiley und JME teilt sich der Brite heute die Gesangskabinen mit Business-Hochkarätern wie Justin Bieber, Eminem, Bruno Mars und Chris Stapleton.

Die beiden Letztgenannten setzen auf Sheerans viertem Studioalbum auch das dickste musikalische Ausrufezeichen. Mit röhrenden Zeppelin-meets-Kravitz-Riffs im Gepäck zerren die beiden den Hauptprotagonisten aus seiner Komfortzone. Statt Lagerfeuer-Pop wummert energiegeladener 70s-Rock durch die Boxen ("Blow").

Effekt-Roadtrips und Hip-Hop-Blockfahrten

Chris Stapleton und Bruno Mars sind aber nicht die Einzigen, die Sheeran in puncto Soundausrichtung herausfordern. Neben hibbeligen Elektro-Pop-Ausflügen an der Seite von Hollywood-Partytigern wie Justin Bieber ("I Don't Care") und Khalid ("Beautiful People") sowie anorganischen Effekt-Roadtrips im Schlepptau von Kylie Jenners Lover Travis Scott ("Antisocial") und Argentiniens Shootingstar Paulo Londra ("Nothing On You") hinterlassen vor allem ausufernde Hip-Hop-Blockfahrten mit den Herren Eminem und 50 Cent ("Remember The Name") bleibende Eindrücke.

Abseits seiner selbst kreierten Gitarre-Loop-Maschine-Stimme-Welt schlägt sich Sheeran tapfer. Wenn sich neben ihm die skurrilsten High-End-Gestalten der Neuzeit aufs vergoldete Treppchen stellen und ihren fiependen und zischenden Soundtrack der Pop-Apokalypse vom Stapel lassen, hält der sympathische Sänger mit dem Hobbit-Lächeln mit ausdrucksstarker Stimme dagegen. Selbst umnebelt von undurchsichtigem Autotune-Tralala behält der derzeit wohl erfolgreichste Alleinunterhalter der Welt den Überblick ("Feels").

Uninspiriertes Schaulaufen

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Eigentlich macht Sheeran auf seiner pompös inszenierten Duett-Party nicht viel falsch. Er ist gut bei Stimme und er kommt hier und da auch mit einer Ohrwurm-Harmonie um die Ecke. Dass es am Ende dennoch nicht für ein finales Feuerwerk reicht und die bereits positionierten Konfettikanonen unberührt bleiben, liegt am weitestgehend uninspirierten Schaulaufen der Partygäste.

Der rote Faden der Belanglosigkeit ist in puncto Background-Zuarbeit dicker als ein Tauseil auf der "Titanic". Es wird gerappt, gerockt und gepoppt. Alle sind dabei. Und alle haben ihre Branchen-Tools mit am Start. Aber so richtig hängenbleiben will hier kaum etwas. Chris Stapleton, Bruno Mars, Eminem und 50 Cent halten die "Oha!"-Fahne noch am höchsten. Alle anderen mucken zwar kurz auf, verlieren sich aber auch schnell wieder im Nirgendwo. Was hier zählt, ist scheinbar nur eins: der olympische Gedanke. Dabei sein ist alles.

Quelle: n-tv.de

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