Musik

"Wirklich außer Rand und Band"Etnik bringt die Welt zum Tanzen

19.11.2013, 21:50 Uhr
imageVon Saskia Nothofer
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Etnik hat sich bereits einen Namen gemacht. Er gilt als "Wunderkind" des deutschen Techno. (Foto: Björn Jonas)

Tritt Etnik auf, ist kein Halten mehr: Der 21-Jährige wird als neuer Star der deutschen Technoszene gehandelt, weltweit setzt er Massen in Bewegung. Sein Markenzeichen: ein Schnauzer. Doch das ist noch lange nicht alles, was ihn besonders macht.

Mit gerade mal 21 Jahren hat Etnik erreicht, wovon viele ihr Leben lang träumen: Er wird als das Wunderkind des neuen deutschen Techno bezeichnet. Die Musik des jungen Künstlers, sein elegant kultivierter Techno, überzeugt durch Simplizität und Innovation und besticht durch angenehme und unerwartbare Beats, die sich plötzlich in pulsierende Stampfer verwandeln. In der weltweiten Technoszene hat Etnik sich bereits einen Namen gemacht, sein Rang wächst stetig und auch Kollegen der Szene wie etwa Boys Noize sind überzeugt von dem Talent des 21-Jährigen. Am 19. November wird Etnik seine vielversprechende EP "Neon Daze" veröffentlichen.

Etnik, der tatsächlich auch so heißt, ist Sohn albanischer Einwanderer. Sein Name kommt aus Albanien und bedeutet so viel wie "einheimisches Volk", erklärt der Künstler. Er selbst wurde in Deutschland geboren und wuchs in Hamburg auf. Seine Heimatstadt ist gleichzeitig auch der Ort seiner Entdeckung. Es bedurfte für den Musiker nur eines Auftritts im Hamburger Ballsaal, um sofort einen Plattenvertrag zu bekommen. "Das ist eine lustige Geschichte", erzählt Etnik. "Ich war damals 18, hatte schon fleißig produziert und habe dem Veranstalter mein Zeug gezeigt. Der war hin und weg und meinte, er fände das schon enorm krass." Etnik ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Am Abend seines Auftritts - "ein Donnerstag im Sommer", wie sich der junge Künstler noch genau erinnern kann - sind zufällig Mitarbeiter der Plattenfirma Warner Music im Publikum des Clubs, der Vertrag kurze Zeit später in der Tasche.

Ein ganz eigener Stil

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Etnik ist anders und weiß, was er will. (Foto: Björn Jonas)

Die meisten seiner Tracks produziert Etnik zu Hause, an seinem Computer. "Ich bin nicht so der Fan von großen Tonstudios, da fühlt man sich oft so fremd. Zu Hause hat man mehr Ruhe, mehr Zeit und kann produzieren, wann und wie man Lust hat." Inspiration holt sich Etnik bei sämtlichen Genres. Einige Elemente der unterschiedlichen Stilrichtungen lässt er dann auch in seine eigene Musik einfließen. So wurde ein Track seiner aktuellen EP "Neon Daze" vom Hip-Hop inspiriert. Für künftige Projekte - er arbeitet aktuell an seiner zweiten EP - plant er zudem, Rock- und Indie-Elemente in seine Songs einzubauen. "Ich mag es einfach, herumzuexperimentieren. Dabei ist mir nur wichtig, dass ich einen Wiedererkennungswert habe und man sofort sagt: Der Song ist von Etnik."

Geprägt wurde der Künstler in seiner musikalischen Entwicklung besonders vom Musikfernsehen. In den 90er Jahren populäre Sender wie MTV oder VIVA erlaubten es Etnik, die gesamte Bandbreite der musikalischen Möglichkeiten kennenzulernen. "Heute ist das gar nicht mehr so einfach", betont er. "Mittlerweile muss man sich im Internet alles selber suchen, Musik wird im Überfluss gemacht. Dabei das Richtige für sich zu entdecken, ist sehr zeitintensiv."

Erfolgreich, aber bescheiden

Genau diese Zeit fehlt Etnik. Denn nicht nur in Deutschland ist er ein gefeierter DJ und Produzent. Europaweit wird er gebucht und ganz besonders in Australien und den USA hat er sich eine Fanbase geschaffen. Ein deutscher Partypromoter in Australien entdeckte Etnik zufällig im Internet: "Er hatte richtig Lust auf meinen Sound, hat dann eine Extra-Event-Reihe für mich geplant und mich für zwei Wochen auf Tour bestellt. Es war wirklich außer Rand und Band dort." Für 2014 plant Etnik eine weitere Tour in Australien sowie seine erste Tour durch die USA. Besonders gern tritt der Musiker dabei in kleinen Clubs auf. "Ich brauche keine riesigen Hallen, am liebsten lege ich vor maximal 500 Leuten auf, da hat man noch eine richtige Verbindung zur Crowd. Genau dafür ist meine Musik geschaffen, für das Kleine, Enge". Doch festlegen möchte sich Etnik nicht, auch zu Auftritten bei internationalen Festivals würde er nicht Nein sagen: "Ich bin da weltoffen, wer weiß, vielleicht wäre das ja auch was für mich, den Clubgänger."

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Minimalistisch schick: Das ist Etnik. (Foto: Björn Jonas)

Trotz seines internationalen Erfolgs ist der Hamburger auf dem Boden geblieben und bescheiden. "Ich bin noch weit davon entfernt, ein wirklich professionell produzierender Künstler zu sein", sagt er. Und auch die Bezeichnung als Wunderkind liegt Etnik fern. Vielmehr betont er, jeden Tag neue Erfahrungen zu sammeln und immer Neues dazuzulernen. "Das ist learning by doing. Wenn man produziert, ist man immer wieder dabei, neue Sounds zu finden, man verbessert sich Tag für Tag." Den Stress, den er in seinem Arbeitsalltag erlebt, empfindet er jedoch nicht als unangenehm. Ganz im Gegenteil: "Es ist ein aufregender Stress, man muss immer hinterher sein und das motiviert einen, immer bei der Sache zu bleiben." Genauso ist Etnik auch dankbar für die Möglichkeiten, die ihm seine internationalen Erfolge bieten. "Ich mag das Reisen und das Kennenlernen von neuen Kulturen. Ich schätze es, diese Option zu haben - das ganze Große, das Drumherum."

Etnik ist mehr als Durchschnitt

Bei der Produktion seiner Tracks legt Etnik Wert auf einen extremen, minimalistischen und zugleich auch perfektionistischen Stil. Diese Einstellung spiegelt sich jedoch nicht nur in seiner Musik, sondern ganz besonders auch in seinem Aussehen wider. Im stilbewussten Dandy-Look gekleidet, präsentiert der Künstler sich zugleich seriös und individuell. "Für mich ist es wichtig, dass das Gesamtkonzept harmoniert", erklärt Etnik. "Ich finde, dass die Kleidung in gewisser Weise auch den Ausdruck der Musik darstellen soll, Minimalismus und Perfektionismus sind auch hier sehr präsent bei mir." Nicht zu übersehen ist außerdem sein markanter Schnauzer: "Den könnte man schon als mein Markenzeichen durchgehen lassen", erklärt er.

Etnik ist ehrgeizig und weiß, was er will. Für die Zukunft plant er, noch schneller und besser zu arbeiten, mehrere Veröffentlichungen im Jahr zu haben und auch sein erstes Album zu produzieren. Zwar möchte der Hamburger seiner Heimatstadt treu bleiben, kann sich aber gut vorstellen, einige Zeit in Los Angeles zu leben, um sich dort Inspiration für seine Musik zu holen. "Ich denke, als Künstler ist es gut, in einer fremden Umgebung zu sein. Da kommen ganz neue Sachen bei raus. Das wäre also das nächste Projekt, das ich mir vorstellen kann." Etnik hält sich jedoch alle Optionen offen, im letzten Sommer hat er erfolgreich sein Abitur absolviert. Eine gute Allgemeinbildung ist ihm wichtig, um auch später die Möglichkeit zu haben, alternative Wege zu gehen. "Das Musikbusiness ist eine schöne Sache, aber ich denke, dass ich später schon noch Lust hätte, zu studieren."

Man darf gespannt sein, was die Zukunft bringt. Sicher ist: Etnik interpretiert den deutschen Techno neu. Durch Variationen und neue Elemente frischt er die Szene ordentlich auf und beweist mit seinen kraftvollen Tracks, dass er mit seinen gerade mal 21 Jahren bereits einiges zu bieten hat. Und das soll es für ihn noch lange nicht gewesen sein: "Mein Ziel ist es, Etnik als Trademark darzustellen."

Die EP "Neon Daze" und weitere Songs von Etnik können bei iTunes heruntergeladen werden.

Quelle: ntv.de