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Gerne mal nicht jugendfrei George Ezra über Frauen und Mittelfinger

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George Ezra ist blutjung, hat aber schon einiges erlebt.

Danny North

Wer die Songs von George Ezra hört, wird sich kaum vorstellen können, die Stimme eines 20-Jährigen zu hören. Im Gespräch mit n-tv.de spricht der junge Singer-Songwriter offen über sein Künstlerleben - auch kleine Eskapaden verschweigt er nicht.

20 Jahre alt, dunkelblonde Haare, Schmollmund - George Ezra kommt gut an und das weiß er auch. Seine Pop-Songs schreibt er komplett selbst, beeinflusst wurde er von klassischen Künstlern des Genres wie Bob Dylan, Neil Young und John Martin. n-tv.de sprach mit dem Singer-Songwriter über die Bedeutung der Songs seiner EP "Did you hear the rain"  und den Videodreh seiner neuesten Single "Cassy O.". Nicht jedes Geheimnis ließ er sich entlocken, er gab jedoch zu, gerne der Hahn im Korb zu sein.

Ich habe mir deine EP "Did You Hear the Rain" angehört, bevor ich irgendetwas über dich wusste und war ziemlich überrascht, als ich erfahren habe, dass du erst 20 bist. Deine Stimme hört sich sehr viel reifer an.

Ja, das habe ich schon oft gehört. (lacht) Es ist komisch für mich, denn wenn ich singe, höre ich einfach mich selbst singen. Aber ich weiß, dass es sich vielleicht ein bisschen anders anhört als bei anderen.

In deinem Song "Benjamin Twine" geht es um deinen besten Freund, dessen Schwester und deinen Wunsch, neben dieser aufzuwachen. Ist diese Geschichte wahr?

Der Freund existiert, aber er heißt nicht so. Die Story des Songs stimmt zum Teil. Wir haben schon viel miteinander erlebt. (lacht) Ja, also an sich ist das meiste wahr.

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Das Cover seiner EP "Did You Hear the Rain".

Mehr musst du nicht sagen.

Nein, lieber nicht. (lacht)

Was für eine Geschichte steckt denn hinter dem Lied "Budapest"? Hast du eine besondere Beziehung zu der Stadt?

Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Ich bin durch Europa gereist und bin zum Finale des "Eurovision Song Contest" in Malmö gefahren. Dort ich habe dann ein bisschen zu viel getrunken und dann meinen Zug nach Budapest verpasst. Es war wirklich eine coole Party mit coolen Leuten. Und wenn ich einen späteren Zug genommen hätte, hätte ich später nicht nach Barcelona fahren können - dort wollte ich unbedingt hin. Also musste ich auf Budapest verzichten. Der Song ist über Dinge, dich ich nicht haben kann. Es ist mal etwas anderes, denn meist singt man über Sachen, die man schon und die einem besonders viel bedeuten.

Das Video zu deiner Single "Cassy O." hatte vor einigen Tagen Premiere. Es ist mit der Warnung "Parental Advisory - Explicit Content" versehen, der Inhalt ist also nicht jugendfrei. An welchem Detail liegt das?

Der Mittelfinger am Ende ist gar nicht böse gemeint. Es war ein sehr langer Tag und einige Leute vom Set standen hinter der Kamera und wollten mich zum Lachen bringen - dann habe ich ihnen den Mittelfinger gezeigt, aber es war nur ein Scherz und es war an sie gerichtet und nicht an das Publikum.

In dem Video bist du der einzige Mann in einer Gruppe von Mädchen. Gefällt es dir, der Hahn im Korb zu sein?

(lacht) Ja, schon. Nicht immer. Aber natürlich gefällt mir das an sich schon.

Wie war denn der Videodreh? Hat es Spaß gemacht?

Es hat großen Spaß gemacht. Wir hatten eine Villa in Kent gemietet, die oft für Dreharbeiten genutzt wird. Die Villa war toll, die Mädels waren nett, der Producer war super. Es war das erste Video von mir, in dem Schauspieler dabei waren - auch gut, denn so musste ich nicht die ganze Arbeit machen. (lacht)

Du hast mal gesagt, dass Bob Dylan deine Musik am stärksten beeinflusst hat. Was genau macht ihn für dich besonders?

Ich habe ihn das erste Mal gehört, als ich 14 war. Das war der erste Moment in meinem Leben, in dem Musik für mich Sinn ergeben hat. Ich hatte das Gefühl, 'das Ding' gefunden zu haben. Und ich war extrem glücklich, so etwas entdeckt zu haben.

Wenn du Bob Dylan eine Frage stellen könntest, was würdest du ihn fragen?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Vielleicht einfach: Wie geht's dir?

Du liebst es, selbst auf der Bühne zu stehen. Von wem war das erste Konzert, das du im Publikum verfolgt hast?

S Club 7 war die erste Band, die ich live gesehen habe. (lacht)

Wie alt warst du?

Erst sieben.

Du wirst dieses Jahr beim Southside und Hurricane Festival spielen. Freust du dich?

Sehr. Ich liebe Festivals.

*Datenschutz

Ist es das erste Mal, dass du vor so vielem Menschen auf der Bühne stehst?

Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Wie viele Leute werden denn dort sein?

Um die 80.000.

Oh, dann wird das wohl das größte Publikum sein, vor dem ich jemals gespielt habe. Das wird großen Spaß machen.

Ob 1000, 10.000 oder 50.000 ist sowieso kaum ein Unterschied, oder?

Das stimmt. Man kann fast sagen, dass es entspannter ist, vor vielen Leuten zu spielen als vor sehr wenigen. Denn wenn sie direkt vor dir stehen und dir direkt in die Augen schauen, bist du viel nervöser.

Du bist nicht nur erfolgreich, sondern sollst auch schlau sein, denn angeblich hast du dein Musikstudium am Institute of Modern Music in Bristol als Jahrgangsbester abgeschlossen.

Das stimmt nicht. Das steht nur überall. (lacht) Ich war nicht der Beste in meinem Jahrgang, wirklich nicht. Natürlich habe ich mein Bestes gegeben, aber ich war nicht der Beste. Ein Jahr lang habe ich dort Musik studiert, dann habe ich aufgehört.

Über Twitter können Fans dir oft Fragen stellen, die du ihnen dann beantwortest. Wieso machst du das?

Ich liebe Twitter. Es ist ein Mittel für mich, mit sämtlichen Leuten in Kontakt zu stehen, egal ob mit Fans oder mit Freunden. Und gerade mit den Fans ist der Austausch wichtig und hebt die Grenze zwischen mir und ihnen auf. Ich will nicht, dass sie in meinem Garten campen, aber über Twitter kann man gut kommunizieren. Denn jeder will unterschiedliche Dinge wissen und viele Fragen werden in Interviews nicht gefragt, die Fans wollen aber trotzdem eine Antwort auf gewisse Dinge. Also können sie mich selbst fragen.

Beantwortest du denn wirklich alle Fragen?

Nein. (lacht)

Machst du das denn auch, um deine Musik den Wünschen deiner Fans anzupassen?

Nein, beim Musikmachen muss man egoistisch sein. Denn wenn man nicht das macht, was man fühlt, sondern nur das, was andere verlangen, kann es nicht gut werden.

Du hast schon in einigen deutschen Städten - Berlin, Frankfurt, München, Hamburg und Haldern - gespielt. Wie ist dein Eindruck von Deutschland?

Richtig gut. Ich liebe es hier. Während man spielt, ist das Publikum sehr still, hört zu. Anschließend jubeln sie allerdings sehr laut. Die Menschen sind sehr respektvoll, in Großbritannien ist das nicht immer der Fall, dort kann es auch mal schwierig sein.

Was genau meinst du damit?

Die Leute sind nicht aufmerksam, sie erwarten, dass du auftrittst, während es sich die Menschen in Deutschland beispielsweise nur wünschen und sich freuen, wenn du auf die Bühne trittst.

Hast du dir denn auch die Städte angeguckt?

Ich habe es versucht, aber leider ist die Zeit immer sehr knapp.

Stimmen die Gerüchte, dass du dieses Jahr ein Album veröffentlichen wirst? Alle warten darauf.

Ja, das ist der Plan.

Weil wir noch ein bisschen Zeit haben, eine kurze letzte Frage. Bist du durch deinen Erfolg schon zur Diva geworden?

Nein! (lacht) Ich brauche nicht viel, ich bin unkompliziert.

Mit George Ezra sprach Saskia Nothofer

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Quelle: n-tv.de

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