Musik

Rockbrillanten Kinks, Mike Oldfield und Jethro Tull

03.11.2013, 12:41 Uhr
imageVon Manfred Bleskin
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(Foto: picture-alliance / dpa)

Fans der Altrocker können sich freuen: Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft erscheinen Deluxe-Doppelalben ihrer größten Hits. Hinzu kommen auf den neuen Platten von Mike Oldfield, Die Klinks und Jethro Tull Live-Mitschnitte und andere Highlights.

Man glaubt es nicht: 30 Jahre soll es her sein, dass Mike Oldfields Langspielplatte "Crises" auf den Markt kam? Dabei hören wir doch – fast – jeden Tag im Frühprogramm unseres Lieblingsdudelfunks das unvergängliche "Moonlight Shadow" der Maggie Reilly, jener Frau mit dem Topfhut auf dem Kopf und einer Stimme in der Kehle, dass es einem auch drei Dekaden nach der Einspielung den Atem verschlägt. Dazu des Multiinstrumentalisten Oldfield wie immer brillantes Gitarrensolo. Doch die LP, die heuer in einer Deluxe-Ausgabe mit einer zweiten CD, darauf ein Mitschnitt des Albums in Londons legendärer Wembley Arena, erschienen ist, ist mehr. Viel mehr. Die erste Seite der Platte, wenn der Rückgriff einmal auf den altmodischen Begriff gestattet ist, füllt ein höchst kompliziertes Oeuvre, in dem Master Mike so ziemlich alles einsetzt, was es an Instrumenten gibt. Im Instrumentaltrack "Taurus" spielt der 1953 im englischen Reading Geborene auf einer spanischen Gitarre einen Flamenco, der wohl jeden "gitano" Andalusiens neidisch gemacht hat. Die Yes-Stimme Jon Anderson glänzt in "High Places". Roger Chapman landet mit "Shadow On The Wall" seinen einzigen Hit. Und die Akustikversionen des Schattens an der Wand und von Maggie Reillys Mondlichtschatten erst! Eine große Scheibe!

Alkoholaugen und sozialistische Gebete

Was auch für eine weitere Edition gilt. "Muswell Hillbillies" von den Kinks. Muswell ist jener Stadtteil von Groß-London, in dem Kinks-Kopf Ray Davies und sein Bruder Dave neben zwei Schwestern das Licht der Welt erblickten. Erschienen fast auf den Tag genau vor unvorstellbaren 42 Jahren als neuntes Studioalbum, hört man da so gar keine röhrenden Gitarrenriffs wie bei den Millionsellern "You Really Got Me", "All Day And All Of The Night" oder dem eher vergessenen "I Need You". Dafür umso mehr elektrisch verstärkte Banjos, wummernde Tuben und klapprige Pianos. Eine Hinwendung zu Country, Honky Tonk, dessen etwas gröberer Saloonvariante und … Hillbilly eben, Hinterwäldlermusik. Die Zeilen des Titelsongs sprechen Bände: Er wäre gern ein Muswell Hillbilly Boy, aber sein Herz läge in "old West Virginia". Das waren nicht ihre "amerikanischen Wurzeln", zu denen die Band zurückging, wie das Rock-Lexikon von Barry Graves selig, Siegfried Schmidt-Joos und Bernie Sigg urteilt. Die lagen im Rhythm & Blues, im Blues und im Rock & Roll. Wie bei guten Scheiben leider oft üblich, war das Projekt kommerziell ein Flop. Bei der Hörerschaft kam es nicht gut an. Vielleicht lag es daran, dass Rosie Rooke mit ihren blutunterlaufenen Alkoholaugen und die "sozialistischen Gebete" eines Mannes aus Arbeiterklasse gewürdigt wurden. Das verdaut mancher nicht so leicht. Eine große Scheibe, garniert mit Neuabmischungen, Alternativversionen und Livemitschnitten in der guten, alten BBC, bleibt "Muswell Hillbillies" trotzdem. Oder vielleicht gerade deshalb.

Musik einfach rückwärts

"Benefit" haben Jethro Tull im April 1970 als ihre drittes Studioalbum veröffentlicht. Da etabliert sich definitiv die mittlerweile berühmte Querflöte des Zapppelphilipps Ian Anderson als tragendes Instrument der Kapelle.

Beim Opener der Platte "Wish You Were There To Help Me" greift die Truppe, die sich nach dem vermeintlichen Vater der Agrarwissenschaft benannt hat, auf Techniken zurück, die man schon bei den "Strawberry Fields" des John Winston Lennon gehört hatte: Die Musik wurde einfach rückwärts gespielt. Dazu gibt es eine Unmenge alternativer Aufnahmen von den Songs der Original-LP. Auf einer Audio-DVD kann der geneigte Hörer dann noch aktuelle Remixes des Werks genießen. Ein Sammlerstück mit großer Musik. Ein Rockbrillant. Wie die weiter oben erwähnten Editionen eben auch.

Quelle: ntv.de