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Harte Jungs auf der Bühne und hoch zu Ross - beides gibt es in Metallicas "Through The Never" zu sehen.
Harte Jungs auf der Bühne und hoch zu Ross - beides gibt es in Metallicas "Through The Never" zu sehen.(Foto: Ascot Elite Filmverleih GmbH / Collage: n-tv.de)
Donnerstag, 03. Oktober 2013

"Through The Never": Mystik und Metallica

Von Volker Probst

Kleckern ist nicht ihre Sache. Deswegen klotzen Metallica bei ihrem Streifen "Through The Never" lieber gleich mal im IMAX-Ausmaß. Ein Film, der die Hymnen der Metal-Götter mit apokalyptischen Visionen verwebt. Und deshalb nicht nur Fans begeistern wird. Oder?

Irgendwie sind dreidimensionale Konzert-Filme in den vergangenen Jahren schwer in Mode gekommen. Justin Bieber hat einen gemacht, Katy Perry auch, und sogar die Boyband One Direction durfte sich erst kürzlich dergestalt auf der Leinwand verewigen. Ob sich Metallica unter musikalischen Gesichtspunkten in diese Riege gerne einreihen würden, wissen wir nicht. Aber zumindest mit Blick aufs Kino tun sie es. Wie es sich für eine Mega-Metalband wie sie gehört, übertrumpfen sie dabei jedoch die ganzen jungen Pop-Lakaien selbstredend spielend. Ihr Streifen kommt nicht nur im schnöden 3D daher, sondern gleich im überdimensionalen IMAX-Format.

Konzert in alle Richtungen - für den Film spielten Metallica auf einer 360-Grad-Bühne.
Konzert in alle Richtungen - für den Film spielten Metallica auf einer 360-Grad-Bühne.(Foto: Ascot Elite Filmverleih GmbH)

"Through The Never" haben Metallica das Werk getauft, angelehnt an den gleichnamigen Song auf ihrem legendären "Black Album". Mit einem Produktionsvolumen von schlappen 32 Millionen Dollar hauen Frontmann James Hetfield und seine Mannen - Schlagzeuger Lars Ulrich, Gitarrist Kirk Hammett und Bassist Robert Trujillo - mal so richtig auf die Kacke. Im Zentrum steht dabei die laut Filmverleih "aufwendigste Livebühne aller Zeiten" - ein 61 mal 18 Meter großes Monstrum, das wie ein Boxring in die Mitte der Konzertarena gepflanzt wurde. Oder genauer gesagt: der Konzertarenen. Denn die Live-Aufnahmen entstanden mit Edminton und Vancouver an zwei unterschiedlichen Orten in Kanada. 24 gleichzeitig eingesetzte Kameras fingen die Band und ihre Anhänger bei diversen Shows nach dem gleichen Strickmuster ein. Aus 60 Stunden Material wurden schließlich die Filmsequenzen zusammengeschnitten.

Doch "nur" einen Konzert-Film zu machen, war Metallica nicht genug. Stattdessen ist die Mischung aus ihren populärsten Songs (etwa "Nothing Else Matters" und "The Memory Remains") und Lieblingsstücken der Fans (etwa "Hit The Lights" und "Master Of Puppets"), die die Gruppe in dem Streifen runterschrubbt, in eine apokalyptisch-mystische Rahmenhandlung eingebettet. Shooting-Star Dane DeHaan, der nach "The Place Beyond The Pines" demnächst auch in "The Amazing Spider-Man 2" zu sehen sein wird, mimt den Roadie Trip. Während die Jungs von Metallica mit Hetfield, Klampfen und Schlagzeug die Halle zerlegen, wird er Zeuge wie ein paar harte Typen der anderen Art gleich mal die ganze Außenwelt zertrümmern. Wirklich Sinn ergibt die Geschichte nicht - außer den einer düsteren Hochglanz-Untermalung für das Sound-Gewitter der Metal-Götter.

Wahnsinn in den Augen

Um all das unter einen passenden Hut zu bekommen, wurde auch auf dem Regie-Stuhl nichts dem Zufall überlassen. Mit Nimród Antal nahm auf ihm jemand Platz, der sich schon mit Streifen wie "Motel" und "Predators" als Fachmann für Horror und Science-Fiction erwiesen hat. Antal lieferte zugleich das Drehbuch zu der in Riffs und Soli gebetteten Untergangs-Vision. "Nimród hatte diesen Ausdruck des Wahnsinns in seinen Augen und er hat alles sofort verstanden", bringt Ulrich auf den Punkt, weshalb es zwischen dem Regisseur und der Gruppe Liebe auf den ersten Blick war.

Dass die Band, der Verleih und die Filmemacher "Through The Never" als wegweisenden Meilenstein feiern - nicht nur als Konzert-Film, sondern auch als 3D-Erlebnis - ist logisch. Um die Kosten wieder einzuspielen, kann es sicher nicht schaden, wenn auch ein paar Leute, bei denen Metallica nicht in Dauerschleife auf dem MP3-Player laufen, den Weg ins Kino finden. Und keine Frage: So nah, wie es der Streifen virtuell möglich macht, kann man Metallica bei Konzerten in der Realität selbst in der ersten Reihe bei Weitem nicht kommen. Wer schon immer mal das Bedürfnis verspürt hat, sich zu fühlen, als schreie ihm Hetfield direkt ins Gesicht oder haue ihm Ulrich die Drumsticks um die Ohren, für den lohnt sich der Kino-Besuch allemal - zumal der IMAX-Sound einen erst recht ordentlich wegbrettert.

Nur: Die auch filmtechnische Revolution, die man dem Streifen im Zuge des ganzen Marketing-Rummels um ihn auch noch gleich mit andichtet, ist "Through The Never" - trotz 360-Grad-Bühne - nicht. Spielfilme mit dieser Anmutung gab es durchaus schon. Es ist ein verdammt zackiger Metallica-Film auf höchstem technischen Niveau, an dem die Fans ihre helle Freude haben werden. Nicht mehr und nicht weniger. Wer aber normalerweise eher bei Justin Bieber, Katy Perry, One Direction oder unseretwegen auch Helene Fischer in den Groove gerät, braucht sich nicht dazu zwingen, für eineinhalb Stunden zum Headbanger zu werden. Den Anbruch eines neuen Kino-Zeitalters verpasst man deswegen nicht.

"Through The Never" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Den Soundtrack zum Film können Sie hier bestellen

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Quelle: n-tv.de