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Elisabeth Eyckhoffs Premiere Der Münchner "Polizeiruf" im Schnellcheck

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Sie ist die Neue: Verena Altenberger als Elisabeth "Bessie" Eyckhoff im "Polizeiruf 110 - "Der Ort, von dem die Wolken kommen".

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine Prise Kaspar Hauser, spukhaftes Setting zwischen Realität und Trance, dazu mit Verena Altenberger als Polizistin eine überaus faszinierende Heldin: An der Münchner Dienststelle führt auch in Zukunft kein Weg vorbei.

Das Szenario

Erst einmal muss die Sache mit dem Dienstrang geklärt werden: Die Neue ist keine Kommissarin, vielmehr ist Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) eine Streifenpolizistin. Keine gewöhnliche, dennoch - eine Streifenpolizistin, ein "Streifenhörnchen". Und als solche erlebt sie die Diskrepanz zwischen Hierarchie und Verantwortung hautnah - nicht zuletzt, weil Strasser (Norman Hacker), ihr Chef, seine eigenen Vorstellungen von Arbeitslast und Verdünnisieren hat. So muss sich Eyckhoff zusammen mit ihrem Team - Halbbruder Cem (Cem Lukas Yeginer) und Wolfgang Maurer (Andreas Bittl) - an diesen Fall machen, der lange Zeit aussichtslos scheint.

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Polou (Dennis Doms) wird verwahrlost an der Isar aufgefunden.

(Foto: dpa)

Bis die Polizistin selbst mit Haut und Haaren in den Gedankenkosmos jenes Jungen eintaucht, in dessen Schicksal die Fäden zusammenlaufen: Polou (Dennis Doms) wurde von der Polizei aufgegriffen, macht einen immens verstörten Eindruck und gibt erst stammelnd, unter Hypnose schließlich in klareren Sätzen, zu verstehen, dass nicht nur er gefangen gehalten wurde, sondern an jenem grausamen Ort weitere Opfer auf ihre Befreiung warten.

Die eigentliche Botschaft

Die muss bei einer solchen Premiere wohl auf der Meta-Ebene gesehen werden und nach dem Abschied des so geschätzten Matthias Brandt lautet die Müncher Devise: Es gibt ein Leben nach von Meuffels. Dabei legt man hier mit der Streifenpolizistin Elisabeth Eyckhoff, genannt Bessy, eine Heldin an, die in größtmöglicher Distanz zum Ex-Kommissar steht - vom introspektiven Grübler zur patent-empathischen Kollegin. Dass die jedoch ebenfalls ihre Geheimnisse hat, davon zeugen nicht nur die kurzen Wutausbrüche, sondern auch ihre Anekdoten aus der Vergangenheit, zuvorderst jene vom Polizisten, der in seine Mütze onaniert.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Sieht man mal von dieser unappetitlichen Schnurre ab, dann ergeben sich zahlreiche Themen: Da ist dieser famos konstruierte Fall, der zwischen Kammerspiel und surrealem Psychothriller changiert. Da ist die erstklassige Besetzung mit Katja Bürkle, Norman Strasser, Lucy Wirth und dem hochtalentierten Dennis Doms. Und natürlich Verena Altenberger, die ihren Part als ebenso bezaubernde wie irritierende Polizistin mit der Tiefgründigkeit einer Isabella Rossellini, kombiniert mit der Schlagfertigkeit - im wörtlichen Sinne - von Uma Thurman förmlich zelebriert.

Der Plausibilitätsfaktor

Hypnose als Teil der Vernehmung hat einen durchaus realen Hintergrund. Diplom-Psychologin Dr. Andrea M. Beetz und Kriminalhauptkommissar Klaus Wiest vom Polizeipräsidium München berichten im Aufsatz "Forensische Hypnose als erinnerungsunterstützendes Verfahren bei Aussagen von Zeugen und Opfern" aus dem Jahre 2008 von einer Frau, die sich unter Hypnose an Details erinnern konnte, die schließlich zur Ergreifung ihres Vergewaltigers führten.

Die Bewertung

9 von 10 Punkten. Bravouröse Premiere für die Nachfolger des beliebten Hanns von Meuffels - bitte weiter auf diesem Qualitätslevel.

Quelle: n-tv.de, Von Ingo Scheel

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