"Die Höhle der Löwen"Drei Physik-Bubis stellen sich quer

In der Löwenhöhle geht es diesmal um das richtige Mindset, den Mut zur Veränderung und die Frage: Wie viel ist ein großer Schatz an Erfahrung wert?
Wer "Die Höhle der Löwen" kennt, der weiß, dass es nicht immer nur um das richtige Produkt geht. Wer in Deutschlands beliebter Startup-Show einen lebensverändernden Deal klarmachen will, muss auch als Gründer aus der Masse hervorstechen und Spuren hinterlassen. Im Idealfall beeindruckt man die Löwen als "Doppelpack". Die beiden "Hansegrün"-Gründer Lukas Jordan und Till Soll dienen diesbezüglich als Paradebeispiel. Mit ihren gesunden Superfood-Shots zum Selbermachen liegen die beiden smarten Hanseaten voll im Trend. Hinzu kommt, dass das praktische Shot-Format zum Selbstmixen viel Müll reduziert.
Die Löwen sind begeistert - vom Produkt und von den beiden Gründern, die auch mit stolzen Umsatzzahlen punkten können ("In den letzten zwölf Monaten haben wir 1,7 Millionen Euro umgesetzt"). Nach viel Lob und Applaus haben die Hamburger die Qual der Wahl. Frank Thelen und Judith Williams im Kombi-Modus und Regale-König Ralf Dümmel breiten die Arme aus. Nach einer kurzen Verhandlungsrunde entscheiden sich die Gründer für den Tech-Experten und die Beauty-Queen.
"Eure Bewertung ist völlig daneben!"
Weiter geht's mit den drei "Streamcheck"-Verantwortlichen Sebastian Heidrich, Dr. Stefan Siemer und Sebastian Janus aus Vierkirchen. Das Trio sorgt nicht nur mit einer extrem hohen Firmenbewertung (100.000 Euro für 10 Prozent) für Aufsehen. Mit im Gepäck hat das Trio ein ausgeklügeltes Medizinprodukt für den Hausgebrauch, das beim Wasserlassen den Urinfluss analysiert und zusätzlich mithilfe eines integrierten Teststreifens wichtige Biomarker wie Blut, Glukose und Entzündungswerte misst. Leider gibt es noch keine Umsatzzahlen. Und auch die Zulassung für das Gerät ist noch nicht durch. Vorsorge und Früherkennung sind natürlich wichtig. Hier sind sich alle einig. Frank Thelen hat aber die Investorenbrille auf. Und mit der sieht er eher schwarz: "Eure Bewertung ist völlig daneben!", so der Löwe. Der Rest des Rudels sieht es ähnlich. Ergo: Kein Deal für "Streamcheck".
Das kurze Stimmungstief zieht schnell wieder vorbei. Mitverantwortlich dafür sind die beiden "KOYI MICRO SPIRITS"-Gründer Yuka Suzuki und Dr. Hauke Günther aus Hamburg. Mithilfe eines einzigartigen Destillierungsverfahrens können die Besitzer der kleinsten "Destille" Hamburgs sogenannte Micro Spirits herstellen. "Wir wollten den vollen Geschmack echter Spirituosen ohne die negativen Effekte von Alkohol. Mit KOYI kann man genießen, ohne am nächsten Tag dafür zu bezahlen", erklären die Gründer. Bis zu 90 Prozent weniger Alkohol, aber kein Verzicht auf Geschmack? Bis auf Alko-Allergiker Ralf Dümmel wagen alle Löwen den Probiertest.
Mut zur Veränderung führt zum Deal
Eigentlich sind alle begeistert. Aber aus den unterschiedlichsten Gründen steigt ein Löwe nach dem anderen aus. Am Ende ist nur noch Janna Ensthaler übrig. Und die hat auch noch einen grundlegenden Veränderungsvorschlag. Die Löwin würde in Zukunft gerne "auf trinkfertige Mischungen" statt auf eine hochkonzentrierte Micro Spirits-Basis setzen. Die Gründer müssen nicht lange überlegen und schlagen ein. "Das hat deutlich mehr Spaß gemacht, als ich gedacht habe", resümiert Dr. Hauke Günther mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht.
Auch "SMARTWAXX"-Gründer Vincent Samuel Kirchberger-Puechlong hat nach seinem Pitch allen Grund zur Freude. Der nach Dubai ausgewanderte Experte für Nasenhaarentfernung beeindruckt die Löwen nicht nur mit seinen schmerzfreien "SMARTWAXX"-Sticks, sondern auch mit einer aufwühlenden Familiengeschichte ("Ich wurde als Baby zur Adoption freigegeben"). Trotz vieler Hürden hat der 26-Jährige immer an sich geglaubt und seinen Platz im Leben gefunden. "Dein Mindset hat mich total berührt und beeindruckt!", schwärmt Judith Williams. Kurz darauf steigen die Beauty-Queen und Regale-König Ralf Dümmel in den Deal-Ring - mit dem besseren Ende für den Löwen mit den schicken Einstecktüchern.
Jugend forscht
Der letzte Auftritt des Abends gehört den drei blutjungen Hobby-Physikern Philipp Siedhoff, Jost Reelsen, und Felix Lachtrup aus Bad Wünnenberg ("AR-Physics"). Die 18-Jährigen wollen den langweiligen Physikunterricht "upgraden" und haben dafür eine Lern-App entwickelt, mit der jeder Schüler physikalische Versuche, etwa zur Elektronenladung oder Hochspannung, virtuell auf dem heimischen Tisch durchführen kann. Die Löwen sind angetan und beeindruckt. Das Problem ist nur: Die "gute Mission" steht noch auf "sehr kleinen Füßen". Es gibt bisher nur wenige Nutzer und das Verhandeln mit Schulen stellt sich erfahrungsgemäß immer als sehr schwierig dar. Irgendwann sind alle Löwen raus - außer Carsten Maschmeyer.
Der Großunternehmer gibt sich einen Ruck: "Ich mache jetzt mal etwas ganz Unkonventionelles", sagt der Löwe. Sekunden später liegt den drei Bubis ein Angebot auf dem Tisch. Es locken 225.000 Euro. Der Haken: Für das Geld müssten die Gründer stolze 50 Prozent ihrer Anteile abgeben - die Gründer hatten zu Beginn 15 Prozent der Firmenanteile für 225.000 Euro geboten. "Es gibt einfach noch so viel zu tun", begründet der Löwe seine Forderung. Die Gründer stecken die Köpfe zusammen und beratschlagen sich mit ihrem Startup-Mentor via Telefon. Das Ergebnis sorgt für staunende Gesichter in der Löwenhöhle. Die Jung-Gründer bedanken sich artig, verzichten aber auf die Dienste von Carsten Maschmeyer. "50 Prozent sind einfach zu viel", so Startup-Sprecher Philipp Siedhoff. Der "gekorbte" Löwe nimmt's mit einem Lächeln im Gesicht: "Ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute. In diesem Sinne: Good luck, Startup!"