TV

"Tatort" aus Berlin Entmietung durch Mord?

1_Tatort_Das_Leben_nach_dem_Tod.jpg

Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) kommen sich in der Wohnung des Mordopfers näher.

(Foto: rbb/Marcus Glahn)

Der Berliner Wohnungsmarkt ist hart umkämpft - so weit, so bekannt. Aber ist er auch so hart umkämpft, dass Vermieter über Leichen gehen? Und was hat das Ohnmachtsgefühl eines steinalten und schwer bewaffneten DDR-Richters mit der ganzen Sache zu tun?

Alte Menschen sterben, so ist das eben im Leben. Kein Grund also, bei der Suche nach der Todesursache übereifrig zu werden - ganz besonders dann nicht, wenn der Tote acht Wochen lang unentdeckt in seiner Wohnung lag und die Maden in, auf und neben seinem Körper eine gewaltige Fressorgie feiern. Dass hierzulande jeder Arzt, vom Orthopäden bis zum Psychiater, eine Leichenschau durchführen darf und im Zweifelsfall auch muss, erhöht die Chancen, ein Tötungsdelikt zu entdecken, nicht unbedingt - mit erschreckendem Ergebnis: Jeder zweite Mord bleibt in Deutschland unentdeckt, weil die Leichenschau schlampig oder nicht fachgerecht durchgeführt wurde.

5_Tatort_Das_Leben_nach_dem_Tod.jpg

Liz (Britta Hammelstein) und Hajo (Christian Kuchenbuch) sind durch düstere Erfahrungen miteinander verbunden.

(Foto: rbb/Marcus Glahn)

Der Tod eines 67-jährigen Plattenbaubewohners im Osten Berlins wäre beinahe einer dieser unentdeckten Mordfälle geworden, hätte der Tote nicht Kommissar Karow (Mark Waschke) zum Nachbarn. Der "Tatort"-Kommissar marschiert, direkt von der Arbeit kommend, in das stinkende Madenhotel nebenan und macht seiner biestigen Vermieterin einen Strich durch die Rechnung: Die will die Sauerei so schnell wie möglich beseitigt sehen, um "zum 1. des nächsten Monats neu vermieten zu können" - und hat dabei "übersehen", dass ein Genickschuss aus nächster Nähe als natürliche Todesursache eher selten vorkommt. War es "Entmietung durch Mord", wie Karows Kollegin Rubin (Meret Becker) vermutet?

Wendegewinner, Wendeverlierer

"Das Leben nach dem Tod" behandelt gleich mehrere Themen, die in Berlin gerade hochaktuell sind: Es geht um den Mietenirrsinn, der Mord als letztes Mittel gar nicht mal so unwahrscheinlich erscheinen lässt wie noch vor ein paar Jahren; es geht um die Einsamkeit der Menschen in einer Metropole; und es geht, einen Tag nach dem 30. Jubiläum des Mauerfalls, auch um das Erbe der DDR, um Wendegewinner und Wendeverlierer.

3_Tatort_Das_Leben_nach_dem_Tod.jpg

Ist Gerd Böhnke (Otto Mellies) nur ein armer, alter Rentner?

(Foto: rbb/Marcus Glahn)

Zu Letzteren gehört ganz objektiv auch Gerd Böhnke (Otto Mellies), ein desillusionierter DDR-Richter im Ruhestand, der nach einem Überfall nur noch mit Pistole im Einkaufsnetz unterwegs ist und den alten Zeiten nachtrauert. Im Zusammenspiel mit zwei Eheleuten, die durch eine posttraumatische Belastungsstörung miteinander verbunden sind, und den beiden auch nicht ganz sorgenfreien Kommissaren zeichnet Regisseur Florian Baxmeyer ein ebenso faszinierendes wie niederschmetterndes Psychogramm von Großstädtern in verschiedenen Stadien der Selbstauflösung.

Alles andere als niederschmetternd ist indes die Qualität dieses Berliner "Tatorts": Die schauspielerische Leistung ist auf gewohnt hohem Niveau, die verschiedenen Erzählebenen greifen wunderbar ineinander - und der ehemalige Defa-Star Otto Mellies zeigt, was mit 88 Jahren noch so alles möglich ist. Alles in allem also eine klare Sehempfehlung!

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema