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"Tatort" mit Ballauf & Schenk Kaputt in Köln

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Gedenkort in der Dienststelle: Ein Kollege von Freddy Schenk und Max Ballauf wurde getötet.

(Foto: Thomas Kost/WDR/dpa)

Ein nächtlicher Einsatz läuft aus dem Ruder, am Ende ist eine Polizistin schwer verletzt, ihr Kollege tot. Ballauf und Schenk müssen in zwei Richtungen ermitteln. Da ist der Gastronom mit dem Junkie-Bruder auf der einen, die undurchsichtigen Polizei-Kollegen auf der anderen Seite.

Ach, es hätte doch so schön in die Zielgerade gehen können. Vorletzter "Tatort" vor der Sommerpause, der ideale Zeitpunkt, um es nochmal so richtig krachen zu lassen. Experimentelle Drehbücher, Egotrips, mal einen Fall in Schwarz-Weiß, als Comic, als Stummfilm. Oder vielleicht doch nochmal einen ohne Drehbuch? Satte 75 TV-Einsätze haben die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) unterm Gürtel, "Kaputt" nun also der erste Fall nach dem Jubiläum. Und mit dem Fortgang dieses Falles wünscht man sich als Zuschauer zuweilen, man hätte tatsächlich aufs Drehbuch, besser gesagt, aufs Dialog-Drehbuch verzichtet.

Dabei ist die Ausgangslage eine durchaus vielversprechende, das Arsenal an Verdächtigen ansprechend hoch und in Teilen auch nachvollziehbar, dennoch ächzt und quietscht es hier, wann immer Menschen miteinander reden, also praktisch über die gesamten 90 Minuten. Im Mittelpunkt steht zunächst die junge Polizistin Melanie Sommer (Anna Brüggemann). Zusammen mit ihrem Kollegen Schneider muss sie nächtens einer Beschwerde wegen Ruhestörung nachgehen. Der Einsatz nimmt ein tragisches Ende, Sommer wird bewusstlos geschlagen, ihr Kollege liegt kurz darauf tot in seinem eigenen Blut.

Düstere Familiengeschichte hinter sauberer Fassade

Für Ballauf und Schenk führt die Spur zunächst einmal zum Besitzer jenes leerstehenden Einfamilienhauses, in dem der Polizistenmord geschehen ist. Thomas Theissen (Ronny Miersch) ist auf den ersten Blick ein erfolgreicher Gastronom, hinter der cleanen Fassade verbirgt sich jedoch eine düstere Familiengeschichte. Sein Bruder Ben (Hauke Diekamp) ist ein haltloser Junkie, Mutter Theissen sitzt im Rollstuhl, verwirrt und depressiv, die Folge eines Autounfalls, bei dem Vater Theissen zudem ums Leben gekommen ist.

Auf der anderen Seite des Ermittlungsäquators ist die Dienststelle der jungen Polizistin. Der Chef des Ganzen, Bernd Schäfer (Götz Schubert), ein bärbeißiger Traditionalist alter Schule, demgegenüber mit Stefan Pohl (Maximilian Simonischek) ein homosexueller Polizist, der mit dem Toten zu Lebzeiten liiert war - und auch mit dem Theissen-Clan auf schicksalhafte Weise verbunden ist.

Rainer Butt ("Ein starkes Team", "Polizeiruf 110") hat das Drehbuch zum etwas kryptisch "Kaputt" betitelten Fall aus Köln geschrieben, gemeinsam mit Christine Hartmann, die auch Regie führt.

Zu viel von allem

Das ist durchaus geballte TV-Erfahrung, vor und hinter der Kamera - umso verwunderlicher, mit welch grobem Keil hier Rollenklischees, inhaltliche Wendungen und vor allem Dialoge gedrechselt werden. Frauen haben es schwer, Schwule sowieso, die Alten sind konservativ, die Jungen in tradierten Mustern gefangen, aus denen sich nur noch mit Gewalt entkommen lässt - das ist, mal wieder, zu viel von allem, dramaturgisch nachlässig verdrahtet, nicht zuletzt auch im Hause Ballauf und Schenk so plakativ vorangetrieben, dass man kaum noch Zeit hat, sich darüber zu wundern, warum Team-Assistent Jütte (Roland Riebeling) plötzlich so ein engagierter Kämpfer seines Standes ist.

Der Grundton auf dem Revier ein unablässiges Zicken und Zetern, Ballauf und Schenk wie ein altes Ehepaar, das schon vor Jahren den passenden Zeitpunkt für eine Therapie oder vielleicht sogar eine Trennung verpasst hat. Die Sommerpause kommt hier zum richtigen Zeitpunkt.

Quelle: n-tv.de, Von Ingo Scheel