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Laden wegen Corona geschlossen Smoothie-Verkäufer ist nun WWM-Millionär

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Kann sich vielleicht keine Gesichter merken, aber dafür eine Menge anderer Dinge: Ronald Tenholte.

(Foto: RTL)

WWM hat endlich wieder einen Sieger - den ersten seit über vier Jahren. Das Timing war perfekt, denn Ronald Tenholte musste sein Geschäft wegen Corona schließen. Vorher zockte er bei Jauch, als gäbe es kein Morgen. Sein Lohn: "Acht Frauen und zwei Tesla" - oder eine Traumhochzeit.

Was bedeutet die Million in Zeiten des Coronavirus? Fest steht: Bei "Wer wird Millionär?" hätte der Sieg zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Ronald Tenholte, Betreiber eines Smoothieladens in Köln, wurde am Dienstagabend der 16. Sieger der deutschen WWM-Geschichte. Mehr als vier Jahre sind seit dem letzten regulären Hauptgewinn verstrichen. Der Titel der Quizshow driftete fast schon ins Theoretische ab. Angesichts von Existenzängsten und Ausgangssperren wirkten die aufgezeichneten Sendungen wie aus der Zeit gefallen. In der vorletzten Ausgabe mit Studiopublikum aber wurde ein Stück WWM-Geschichte geschrieben. Denn Tenholte ist auch ohne den historischen Hintergrund einer der besten Sieger, die Günther Jauch je beglückwünschen durfte.

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Eine ganz besondere Folge WWM!

In all den Jahren ohne Sieger fällt es schwer, auf der Hut zu bleiben. "Er seziert die Fragen und Antworten sehr genau", stellte Jauch früh fest. Der Kandidat aus Köln kam beim Heimspiel zwar sichtlich aufgeregt, aber ruhig durch die Runden. Schnell wurde deutlich, dass Tenholte in der fast dreistündigen XXL-Ausgabe sein privates Zocker-Special veranstaltete. Der 35-Jährige weigerte sich lange standhaft, einen seiner drei Joker einzusetzen. "Ah, die Sicherheitsvariante", hatte sich Jauch eingangs wie üblich mokiert. Er wolle halt ab 16.000 Euro zocken, umriss Tenholte seine Strategie. "Wirklich?", zweifelte Jauch. Das wird sich der Moderator in Zukunft vermutlich verkneifen. Denn der Kandidat lieferte ein Lehrstück darin ab, wie man mit dem unbedingten Willen zum Nicht-Bereuen siegen kann.

WWM-Sieger vertraut Bauchgefühl

Hat Joaquin Phoenix für "Joker" einen Oscar gewonnen? Ist Alfred Gislason Handballtrainer? Heißt es tatsächlich Monte-Rosa-Massiv und nicht etwa Monte-Purpur-Höhenzug? Tenholte war sich oft unsicher. Aber immer vertraute er seinem Instinkt. In der wochenlangen Vorbereitung auf die Sendung war er nämlich zu einer entscheidenden Erkenntnis gelangt: "Dass mein Bauchgefühl zu 90 Prozent richtig war." Jauch gab da noch den notorischen Zweifler: "Dann bin ich gespannt, ob Sie das so weiter durchhalten können mit Ihrem Bauchgefühl."

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Mit Logik hatte das tatsächlich nicht immer was zu tun. Für 64.000 Euro wurde der Kandidat nach dem Geburtsort des Schriftstellers des Romans "Herkunft" gefragt. Tenholte zog den ersten Joker. 36 Prozent des Publikums stimmten für Jugoslawien, 32 Prozent für Tibet. Der Kölner schloss sich ohne lange Zögern der knappen Mehrheitsmeinung an und lag damit richtig. "Das hätte ich in der Konstellation niemals riskiert", zeigte sich Jauch beeindruckt. Das war erst der Anfang.

Die 125.000-Euro-Frage lautete: "Was war hierzulande bis in die 1950er noch gang und gäbe?" Nach dem 50/50-Joker blieben Beamtinnenkommunion und Lehrerinnenzölibat übrig. Letzteres war dem Betreiber einer Saftbar sofort ins Auge gesprungen. Der Unternehmer machte eine Carpe-diem-Rechnung auf: "Wenn ich auf 16(000) runterfalle, habe ich quasi 48 nicht mehr. Aber immer noch 16 mehr als heute morgen. Man kann ja nur einmal zu Ihnen kommen, Herr Jauch. Dann wollen wir das auch voll ausnutzen: Lehrerinnenzölibat, C." Und schon war der Kandidat bei der Frage für eine halbe Million angelangt.

Tenholte sollte wissen, bei welcher Pflanze die meisten Arten nach der Blüte unweigerlich absterben: A: Bambus, B: Ginkgo, C: Rhododendron, D: Eukalyptus. Er rief Benjamin Wiewel an. Der war fast ebenso grandios abgebrüht wie sein Kumpel. Wiewel ließ den Kandidaten keine wertvollen Sekunden verschwenden, sortierte die Antworten systematisch aus und entschied sich zu 70 Prozent für den Bambus. Wäre jetzt nicht ein Zusatzjoker wunderbar?, neckte Jauch. "Dann hätte ich nicht gezockt, wenn ich auf 500 zurückgefallen wäre", verlieh Tenholte seinem Wahnsinn Methode. Er pustete die Backen auf, faltete die Hände, rang stumm mit sich. Dann ging ein Ruck durch seinen Körper: "Ihre Kollegin hat uns in der Vorbereitung auf die Show ein Credo mit auf den Weg gegeben. Sie hat gesagt: 'Scheiß drauf, ich riskier's.' A, Bambus." Jauch klappte vor Schreck der Kopf nach hinten weg, aus dem Publikum war Stöhnen zu vernehmen. Doch Tenholte war wieder eine Runde weiter.

Laden wegen Corona geschlossen

"Da ist uns schon ein paar Mal fast das Herz stehengeblieben", würdigte Jauch nach der Werbepause den Kandidaten. Der will mit einem Gewinn seine Hochzeit in diesem Jahr finanzieren. Außerdem träumt er von einem Tesla-Elektroauto. "Das reicht für einen Tesla und vier Frauen, würde ich sagen - in der Reihenfolge", meinte Jauch angesichts von 500.000 Euro. "Wenn es dabei bliebe: Was macht das jetzt mit Ihrem Leben?", wollte der Moderator dann noch wissen - wohlgemerkt, bevor Tenholte wie so viele Gewerbetreibende seinen Laden schließen musste. "Ich glaube nicht, dass ich allzu viel ändern würde", meinte der Kölner. "Aber so weit habe ich das noch gar nicht gesponnen. Mal gucken, wie weit Sie mich noch gehen lassen heute."

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Seine Millionenfrage erinnerte dann stark an die Zauberwürfel-Rechnerei, mit der Leon Windscheid am 7. Dezember 2015 zum letzten regulären Millionär geworden war. Jauch fragte vorsichtshalber bei der Regie nach, ob es den letzte Sieger vor vier Jahren gegeben hatte. Unter den Tisch fiel dabei der Gewinner aus dem Jubiläums-Special zu 20 Jahren WWM vom 2. September 2019. Jan Stroh hatte nur mit Fragen gespielt, die schon mal in der Sendung gestellt worden waren.

Tenholte hingegen wurde diese brandneue Frage präsentiert: Die klassische, genormte Europalette EPAL 1 besteht aus 78 Nägeln, neun Klötzen und insgesamt wie vielen Brettern? Der Ladenbesitzer bekommt zum Glück ständig Waren auf Paletten geliefert. Er rechnete erst mal lieber selbst, ehe er sich die Antworten zeigen ließ. "Zwischen acht und elf, würde ich schätzen", meinte der Kandidat. Zur Auswahl standen neun, zehn, elf und zwölf.

Sieg dank Europalette

Knapp eine Viertelstunde lang skizzierte Tenholte die Anordnung der Bretter vor seinem geistigen Auge. Jauchs Angebot für Zettel und Stift lehnte er ab: "Alles gut, das passt schon." Dann meldete sich zum letzten Mal sein Bauchgefühl. "Ich glaube, es sind elf: fünf oben, drei quer, drei längs", meinte er. Tenholte haderte angesichts des krassen Absturzes auf 16.000 Euro mit seinem unbedingten Willen zum Sieg. "Ist so reizvoll, die Million", stellt er fest. "Da sagen Sie was", entgegnete Jauch. "Acht Frauen und zwei Tesla", verdoppelte der Kandidat die Rechnung des Moderators von eben. "So habe ich das noch nie gesehen", lachte Jauch.

Am Ende siegte Tenholtes "Kann ich damit leben?"-Maxime: "Ich glaube, ich mache das, Herr Jauch. Wenn es elf sind, werde ich mir das für den Rest meines Lebens nicht verzeihen." "Es sind elf!, Elf!, Elf! Es sind elf. Boah! Wahnsinn", konnte Jauch den Kandidaten unter dem silbernen Konfettiregen erlösen. Tenholtes Verlobte, eine Kabarettistin, wurde dann noch schnell unmittelbar vor einem Auftritt telefonisch erwischt. "Ihr Mann hat eine Million Euro gewonnen!", verkündete Jauch und erntete glücksselige Gurgelgeräusche.

Tenholte ist damit in der über 20-jährigen Geschichte von WWM der erst zehnte reguläre Sieger. Drei Prominente (Oliver Pocher, Thomas Gottschalk und Barbara Schöneberger) haben für einen guten Zweck gesiegt. Die restlichen Kandidaten kamen in Sonderausgaben zum Hauptgewinn.

Der Vollständigkeit halber: Überhangskandidat Ronald Arnhold aus Erlangen gewann zu Beginn der Sendung 16.000 Euro. Der Dortmunder René Frauenkron kommt am nächsten Montag wieder. Das ist dann vorerst die letzte WWM-Sendung mit Studiopublikum.

Quelle: ntv.de