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Stuttgarter Pflege-"Tatort" Wann ist ein Mord ein Mord?

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Verbringen viel Zeit in den Wohnungen alter Menschen: Lannert (Richy Müller, r.) und Bootz (Felix Klare)

(Foto: SWR/Maor Waisburd)

Eine Altenpflegerin steht im Verdacht, zwei ihrer Klienten ermordet zu haben. Sie selbst sieht die Sache ganz anders - und das starke Spiel von Katharina Marie Schubert sorgt dafür, dass ihr die Zuschauer bald nachfolgen.

Die Dinge sind selten so, wie sie sein sollten. In einer perfekten Welt wäre die Altenpflege ein hochdotierter Berufszweig, während Hedgefonds-Manager jeden Cent umdrehen müssten. Dass es sich genau andersherum verhält, ist nicht nur ein ziemlich guter Hinweis darauf, dass die Welt alles andere als perfekt ist - sondern auch darauf, wie verschoben unsere Wertschätzung von Arbeit ist. Daran wird der neue "Tatort" aus Stuttgart wohl auch nicht allzu viel ändern können, aber er wirft immerhin mal das Scheinwerferlicht auf eines der großen Probleme der heutigen Zeit.

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Hat ganz schön mit ihrem Sohn zu kämpfen: Anne (Katharina Marie Schubert)

(Foto: SWR/Maor Waisburd)

Anne (Katharina Marie Schubert) ist Altenpflegerin in Stuttgart, schuftet für 1550 Euro gefühlt ohne Unterlass und muss sich nebenher noch als alleinerziehende Mutter um einen schwer pubertären Sohn kümmern. Das ist an sich schon genug Sorgenmaterial, allerdings steht Anne auch noch im Verdacht, zwei ihrer Klienten ermordet zu haben.

"Leute, das kriegt ihr nie raus", lautet das Urteil der Kollegen zu dem ungewöhnlichen Fall, in dem Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) ermitteln. Dass sie überhaupt ermitteln, ist nur dem Misstrauen einer jungen Hausärztin zu verdanken, die nicht an den zufälligen Herztod eines alten Gastwirtes glaubt. Der Verstorbene war bei Anne in Pflege - heiß wird die Spur aber erst, als ein zweiter Klient der Pflegerin die Treppe herunterfällt und stirbt.

Lasst die arme Frau in Ruhe!

Bei "Anne und der Tod" steht die Mörderin zwar bereits in der ersten Minute fest, trotzdem bleibt der Film bis zur letzten Minute spannend. Den Löwenanteil daran haben das geschickt auserzählte Drehbuch und Annes Charakterzeichnung. Die ist so stark, dass die Sympathien der Zuschauer schnell bei der tapferen Altenpflegerin liegen, die am Anfang gar nicht verstehen kann, dass hier überhaupt in einem Mordfall gegen sie ermittelt wird: "Wie soll man jemanden, der schon halb tot ist, noch umbringen?", fragt sie ungläubig die Kommissare, die einfach nicht lockerlassen wollen.

Es ist ein echtes Kunststück, das den Machern damit glückt: "Lasst die arme Frau doch einfach in Ruhe", will man Lannert und Bootz durch den Fernseher entgegenrufen - selbst wenn sie die alten Männer auf dem Gewissen haben sollte. Die Kommissare aber ermitteln weiter, wie es eben ihre Pflicht ist. Ein moralisches Dilemma bleibt am Ende trotzdem. Und die Feststellung, dass "Anne und der Tod" sogar noch ein Stückchen besser hätte sein können, wenn Drehbuchautor Wolfgang Stauch ein paar der allzu arg auf Stelzen daherkommenden Dialoge auf ein erträgliches Maß heruntergekürzt hätte.

Quelle: n-tv.de

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