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Wieder was gelernt - Masernwelle Was statt einer Impfpflicht hilft

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(Foto: imago images / Christian Ohde)

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Die Zahlen der Masernfälle in Deutschland steigen wieder an. Die hochansteckende Krankheit kann sich wegen der Impflücken immer wieder ausbreiten. Eine Impfpflicht könnte helfen, bringt aber auch ganz neue Probleme.

Was gegen die Impfpflicht spricht, die Gesundheitsminister Jens Spahn fordert, hören Sie in dieser Folge des Wieder was gelernt-Podcasts von n-tv.de. Lesen Sie hier einen kurzen Auszug.

Masern sollten eigentlich kein Problem mehr sein in Deutschland. Zwei Spritzen und wir sind geschützt. Aber weil manche die Impfungen vergessen oder Eltern sich weigern, ihre Kinder impfen zu lassen, häufen sich die Fälle momentan wieder. Harmlos sind Masern nicht: Einer von 1000 Infizierten stirbt an der Viruserkrankung. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) ist deshalb für eine generelle Impfpflicht für alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, sagt der Berliner Sprecher des Verbands Jakob Maske.

"Das hätte natürlich den Vorteil, dass dann die Impfbeteiligung bei anderen Impfungen nicht nachlassen kann, aber es ist sehr schwer durchzusetzen. Insofern würden wir natürlich immer gerne noch weiterhin auf die Beratung setzen, die Eltern durch gute Argumente überzeugen und dadurch eine höhere Impfbeteiligung erzeugen."

Ganz neu wäre eine Impfpflicht in Deutschland nicht: In der DDR gab es eine seit den 1950er-Jahren. Dadurch sind die Krankheitszahlen auch zurückgegangen. In der BRD bestand zeitweise eine Impfpflicht gegen Pocken. Heute einen Impfzwang einzuführen, wäre rechtlich möglich, wenn eine Epidemie droht. Es dürfte aber an der Umsetzung scheitern.

"Das geht letztendlich nur mit einem großen personellen Aufwand, der nämlich dann auch überprüft, ob die Impfpflicht durchgeführt wird. Es gibt ja Länder, wo es schon Impfpflichten gibt, da hat sich gezeigt, dass dieser personelle Aufwand gar nicht zu stemmen ist. Hier wird zum Teil schon dazu übergegangen, dass man die Eltern selber unterschreiben lässt, dass sie alle Impfungen durchgeführt haben."

Echte Impfgegner gibt es gar nicht so viele in Deutschland, sie machen nur zwei bis vier Prozent der Bevölkerung aus, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) herausgefunden. Die Argumente der Impfgegner finden verunsicherte Eltern trotzdem überall, vor allem im Internet. Sie sagen zum Beispiel, dass Impfen Krankheiten verursachen kann. Das stimme aber nicht, sagt Jakob Maske.

"Schwere Krankheiten kann eine Impfung in der Regel gar nicht auslösen, weil wir, wenn wir zum Beispiel die Totimpfstoffe nutzen, gar keinen vollständigen Krankheitserreger spritzen. Natürlich sehen wir Reaktionen und das ist ja auch das, was wir wollen. Das Immunsystem soll Gedächtniszellen bilden und dann reagiert es natürlich auch. Und es kann reagieren wie bei einem Infekt."

Welche Maßnahmen die Kinder- und Jugendärzte vorschlagen, um die Impflücken in Deutschland zu schließen, hören Sie auch in der n-tv App, bei Audio Now, Deezer, iTunes, Soundcloud und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps wie Google Podcasts finden Sie hier den RSS-Feed. Nehmen Sie die URL und fügen Sie Wieder was gelernt einfach zu Ihren Podcast-Abos hinzu.

Informationen zu Impfungen

Umfangreiches Material zum Thema Impfen gibt es beim Robert-Koch-Institut (RKI) und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Das RKI liefert außerdem ausführliche Antworten auf die häufigsten Einwände gegen das Impfen. Wie die Herdenimmunität funktioniert, zeigt diese Animation.

 

Quelle: n-tv.de, cam

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