Panorama

Lage in Berlin besonders schlimm 50 Kreise haben kein freies Intensivbett mehr

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Für viele Betten auf Intensivstationen fehlt schlichtweg das Personal.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Zentrales Ziel der Politik ist lange, den Zusammenbruch des Gesundheitswesens zu verhindern. Das gelingt bisher, wird aber immer schwieriger. Die Zahl der freien Intensivbetten sinkt weiter. RKI-Chef Wieler spricht von einer düsteren Lage. Bayern würde schon Patienten ins Ausland verlegen.

In etwa 100 von rund 400 Land- und Stadtkreisen in Deutschland gibt es derzeit maximal noch ein freies Intensivbett für Erwachsene. Das ging an diesem Donnerstag aus den aktuellsten Zahlen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hervor.

In etwa 50 Kreisen sind demnach alle Betten belegt, besonders häufig in Bayern und Baden-Württemberg. Allerdings können sich die Kreise in gewissem Rahmen untereinander aushelfen, wenn es Engpässe gibt. Die Gesamtzahl der erwachsenen Corona-Patienten auf Intensivstationen ist mit rund 3400 aber derzeit noch deutlich niedriger als auf dem Höhepunkt der zweiten (rund 5700) und dritten (rund 5100) Welle. Allerdings gibt es laut Intensivmedizinern wegen Personalmangels weniger betreibbare Betten als vor einem Jahr.

Im Bundesdurchschnitt sind derzeit etwa 11 Prozent aller betreibbaren Intensivbetten für Erwachsene frei, wie aus den DIVI-Zahlen hervorgeht. Es gibt aber große regionale Unterschiede. Besonders gering ist der Anteil freier Betten in Berlin (rund 7 Prozent), Hessen (rund 9 Prozent) und Bayern (rund 9 Prozent). Zur Einordnung: Laut DIVI sind 15 Prozent freie Betten "regional in einzelnen Intensivbereichen zu bestimmten Zeitpunkten nichts Ungewöhnliches". Problematisch werde jedoch ein freier Bettenanteil von unter 15 Prozent oder sogar unter 10 Prozent. "Insbesondere wenn dies in mehreren Regionen und Häusern gehäuft und über längere Zeiträume auftritt. Standardmäßige Verlegungsmöglichkeiten, die manchmal als Puffer dienen können, sind dann in aller Regel aufgrund vieler schwerer Fälle oft nur noch sehr eingeschränkt möglich."

RKI-Chef Lothar Wieler sprach in einer Videoschalte mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer von düsteren Aussichten. Er sagte, wenn Krankenhäuser Menschen verlegen könnten, sollten sie es so früh wie möglich tun. Schwer kranke Patienten oder solche, die beatmet werden müssen, sind nur mit deutlich höherem Aufwand zu verlegen. Man wisse, so Wieler, dass "Bayern zum Beispiel schon Patienten nach Italien verlegt". Er machte zudem deutlich, dass die Zahl der betreibbaren Betten in Deutschland rückläufig sei, weil das Personal dafür fehle.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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