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Einstellung nach 50 JahrenAlice Schwarzers "Emma"-Feminismus ist schon lange überholt

21.10.2026, 13:01 Uhr imageEin Kommentar von Solveig Bach
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Im kommenden Januar wäre die "Emma" 50 geworden. (Foto: picture-alliance / dpa)

Für die einen war es eine feministische Instanz, für andere längst von gestern: die Zeitschrift "Emma". Sie und ihr journalistischer Kopf Alice Schwarzer polarisierten schon immer. Jetzt wird die "Emma" eingestellt. Das Bedauern darüber hält sich in Grenzen.

Am 8. Dezember erscheint die "Emma" das letzte Mal. Keine Zeitschrift stand lange so für feministische Konzepte wie die von Alice Schwarzer, ihre Verdienste für weibliche Selbstbestimmung sind enorm. Nicht zuletzt der "Stern"-Titel "Wir haben abgetrieben!" vom Juni 1971 sichert ihr einen Platz in den bundesdeutschen Geschichtsbüchern wie den in der Emanzipationsgeschichte der Frauen.

Und doch wird die "Emma" vermutlich den wenigsten Frauen fehlen, denn als ihre Interessenvertreterin wird Schwarzer schon lange nicht mehr wahrgenommen. Das liegt vor allem daran, dass auch beim Feminismus das Bild inzwischen deutlich komplexer ist, als es die Zeitschrift abbildet. Denn sie ist und war bald vor allem Sprachrohr eines radikalen Feminismus, der für sich in Anspruch nimmt, der einzig wahre zu sein.

Das sehen viele Frauen, weiblich gelesene Menschen oder Flintas längst ganz anders. Sie vertreten einen intersektionellen Feminismus, der darauf zielt, anzuerkennen, dass Frauen auf der ganzen Welt keineswegs eine homogene Gruppe sind, nur weil sie Frauen sind. Stattdessen werden in ihre Diskriminierungserfahrungen Faktoren wie Rassismus oder soziale Lage einbezogen, die beeinflussen können, wie jemand Sexismus erlebt.

Zu viel Trennendes

Dass Schwarzer und ihre "Emma"-Kolleginnen trans Frauen nicht als Frauen anerkennen, mag manchen als Petitesse erscheinen, macht für intersektionelle Feministinnen allerdings einen entscheidenden Unterschied. Denn die darin mitschwingende Transfeindlichkeit, die Schwarzer immer wieder bestritten hat, ergibt für viele Frauen keinen Sinn. Sie schafft lediglich eine scheinbar konkurrierende Gruppe von Menschen, deren Diskriminierungserfahrungen damit gleichzeitig gering geschätzt werden. Das ist nicht im Sinne moderner Frauen, die längst bereit sind, ihre feministische Solidarität zu teilen und sich gegen ein einengendes Geschlechterverständnis wehren.

Das betrifft in gleichem Maße die Motive und Lebensrealitäten kopftuchtragender Frauen, denen Schwarzer gern und laut jede selbstbestimmte Entscheidung abspricht. Diese Frauen fühlen sich von dieser Sichtweise zu Recht bevormundet und diskriminiert. Ein kopftuchtragender Feminismus kommt aber in Schwarzers Welt nicht vor, weil sie diese Diskriminierungserfahrung nicht nachvollziehen kann.

Es dürfte auch nicht geholfen haben, dass Schwarzer nur allzu bereit war und ist, neurechte Narrative nachzuerzählen und beispielsweise sexualisierte Gewalt mit rassistischen Erklärungen auflädt. Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015/16 stellte sie einen Zusammenhang zwischen muslimischer Sozialisation beziehungsweise islamistischer Frauenfeindlichkeit her, den viele als pauschale Abwertung ethnischer oder religiöser Gruppen wahrnahmen, ohne dass damit dem Ringen um mehr Gleichstellung von Frauen innerhalb der Gesellschaft irgendwie geholfen war.

Leserinnen laufen weg

Immer öfter schien es Schwarzer und "Emma" vor allem darum zu gehen, die eigene Deutungsmacht zu behaupten, anstatt sich gemeinsam daranzumachen, die unbestritten noch immer vorhandenen Ungleichheiten anzugehen. Schwarzer selbst ist inzwischen 83 Jahre alt und nennt als Grund für die Einstellung nicht zuletzt den Grund, sie und ihre Mistreiterinnen seien "ermattet" von all den Kämpfen, die sie über Jahrzehnte geführt haben. Das glaubt man ihnen gern und kommt doch nicht umhin, zu fragen, warum sie den Staffelstab nicht weitergegeben haben oder weitergeben konnten. Im Interview mit der "Zeit" will Schwarzer den Grund dafür vor allem in den Kandidatinnen sehen, die die Verantwortung scheuten oder gar nicht erst erschienen.

Genauso macht sie als "Gegnerinnen" inzwischen vor allem "linke Feministinnen" aus. Das dürfte viele Frauen, die weniger privilegiert leben als Schwarzer, wieder einmal nachhaltig verstören. Nicht zuletzt ist Schwarzers Entscheidung auch einfach wirtschaftlich begründet. 15.000 Abonnentinnen reichen einfach nicht mehr, um eine Zeitschrift am Leben zu halten.

Insofern ist es nur logisch, dass die "Emma" ihr Archiv ins Marbacher Literaturarchiv überführt. Es schließt sich ein Kapitel, eine neue Generation von Feministinnen ist mit anderen Prioritäten längst in die Debatten eingestiegen, die "Emma" und auch Alice Schwarzer sind Geschichte. Und das ist vollkommen in Ordnung.

Quelle: ntv.de

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