Panorama

Nach tödlicher Attacke in BankAngreifer von Regensburg stellte sich Stunden vor der Tat der Polizei

24.07.2026, 15:58 Uhr
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23-07-2026-Bayern-Regensburg-Die-Spurensicherung-ist-im-Einsatz-Bei-einem-Messerangriff-in-einer-Bankfiliale-in-Regensburg-ist-ein-Mann-ums-Leben-gekommen-Zunaechst-hatte-die-Polizei-von-einer-Geiselnahme-in-der-Bank-gesprochen
Nach dem Messerangriff in Regensburg war die Spurensicherung am Tatort im Einsatz. (Foto: dpa)

Im bayerischen Regensburg überfällt ein junger Mann eine Bankfiliale. Er tötet einen Mitarbeiter mit einem Messer - Geld erbeutet er nicht. Dass der mutmaßliche Täter weniger als 24 Stunden vor dem Angriff die Polizei aufsucht, wirft Fragen zu seinem Motiv auf.

Der 20 Jahre alte Mann, der in Regensburg mutmaßlich einen Bankmitarbeiter umgebracht hat, sitzt wegen Mordverdachts sowie wegen des Verdachts der versuchten schweren räuberischen Erpressung in Untersuchungshaft. Das gab Staatsanwalt Thomas Schug in Regensburg bekannt. Ein von seiner Behörde beantragter Haftbefehl sei von einer Ermittlungsrichterin erlassen worden.

Es gebe derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass der Mann schuldunfähig sei. Er werde aber untersucht. Drogen seien bei dem 20-Jährigen nicht gefunden worden, sagte Polizei-Einsatzleiter Erwin Frankl.

Der bei dem Messerangriff in Regensburg getötete Bankmitarbeiter war nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wohl ein Zufallsopfer des 20-Jährigen. Das Motiv des mutmaßlichen Täters sei bislang noch "relativ unklar", sagte Robert Fuchs von der Kriminalpolizei Regensburg bei der Pressekonferenz.

Der mutmaßliche Angreifer habe einen Zettel in der Bank dabeigehabt, auf dem etwas von einem Überfall und einem Bankraub gestanden habe, sagte Fuchs. Dann habe er ein Küchenmesser in die Luft gehalten, sei an dem Tresen vorbei zu dem Mitarbeiter gegangen und habe mehrfach auf den Mann eingestochen. Bargeld hätte der 20-Jährige in der Filiale laut Polizei ohnehin nicht erbeuten können. Es handle sich um eine bargeldlose Filiale.

Nach dem Messerangriff hatte sich der mutmaßiche Täter zunächst in einem Büroraum der Bankfiliale verschanzt. Währenddessen sei es der Polizei gemeinsam mit Kunden und Mitarbeitern der Bank gelungen, das zunächst schwerverletzte Opfer zur weiteren Versorgung durch ein Fenster auf den Bürgersteig neben das Gebäude zu bringen. Allerdings starb der Mitarbeiter wenig später im Krankenhaus. Zwei weitere Bankmitarbeiter konnten befreit werden. Zu Beginn der Tat hatten sich auch Kunden in der Bank befunden, darunter ein junges Ehepaar samt Kleinkind, wie die Ermittler weiter mitteilten.

Spezialkräfte konnten den 20-Jährigen noch in der Bank festnehmen - drei Stunden nach Bekanntwerden der Tat. Widerstand habe der Mann nicht geleistet. Er habe sich in der Toilette befunden, sagte Kripo-Chef Fuchs. Dort in der Nähe sei auch die Tatwaffe gefunden worden. "So wie es für uns ausschaut, ist sie auch saubergemacht worden", schilderte Fuchs weiter. An dem Polizeieinsatz seien 372 Einsatzkräfte beteiligt gewesen, sagte Fuchs. Die ersten Einsatzkräfte seien vier Minuten nach zwei fast zeitgleich eingegangenen Notrufen bei der Bank gewesen.

Mann war kurz zuvor in Polizeigewahrsam

Wie die Ermittler weiter berichteten, war der Mann weniger als 24 Stunden vor der Tat in Polizeigewahrsam. Er sei leicht alkoholisiert zur Polizei gekommen und habe sich selbst stellen wollen, unter anderem weil er seinen Angaben zufolge eine Bierflasche auf ein Polizeigelände geworfen habe, sagte Frankl. Es habe jedoch keine Haftgründe gegeben, weswegen der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt worden sei.

Der junge Mann sei in den vergangenen Jahren wiederholt polizeilich wegen kleinerer Delikte in Erscheinung getreten. Unter anderem sei er mehrmals vermisst worden, als er nicht rechtzeitig in eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung zurückgekehrt war. Zudem bestand für den 20-Jährigen bereits seit geraumer Zeit ein Waffenbesitzverbot, weil er in der Vergangenheit unerlaubt mit einem Messer und einem Elektroschocker angetroffen worden war.

Die Belegschaft der Hypovereinsbank (HVB) trauert nun um ihren Kollegen. "Wir sind zutiefst bestürzt über den Verlust eines unserer Kollegen infolge dieses tragischen Vorfalls", teilte die HVB nach der Tat mit. Am Tag nach dem Angriff drückten Menschen an der Filiale ihre Trauer aus, indem sie Blumen ablegten und Kerzen aufstellten.

Banküberfälle waren in Bayern zuletzt laut Landeskriminalamt (LKA) eine Seltenheit. Von 2021 bis 2025 wurden insgesamt gerade einmal 13 Fälle gemeldet, in 6 - also bei knapp der Hälfte - davon blieb es beim Versuch. Schon in den Jahren zuvor war die Zahl der Banküberfälle im Freistaat deutlich gesunken: Hatte das LKA im Jahr 1993 noch 133 Überfälle auf Geldinstitute und Postfilialen gezählt, waren es 2020 nur noch 6.

Quelle: ntv.de, nbr/dpa

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