Panorama

Bischof zeigt sich erschüttert Bätzing sieht "Systemversagen" der Kirche

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Dass der Papst die Vorgänge im Erzbistum Köln untersuchen lässt, begrüßt Bätzing.

(Foto: imago images/Jörg Halisch)

Seit Monaten belasten Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe die katholische Kirche. Für den Limburger Bischof Bätzing ist eines klar: Es braucht mehr als nur "Schönheitsreparaturen". Derweil könnte das Rücktrittsgesuch von Erzbischof Marx für Probleme sorgen.

Die Debatte über den Umgang des Erzbistums Köln mit zwei Missbrauchsgutachten hat nach Einschätzung von Bischof Georg Bätzing "zu neuer Verunsicherung und einem Schaden der Kirche geführt". Der Schaden gehe "weit über das Erzbistum Köln hinaus", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz der "Rheinischen Post".

Die Diskussionen über die Missbrauchsgutachten und das Verhalten der Kirche würden auch den Betroffenen nicht gerecht. "Wir können aus der massiven Krise nicht herauskommen mit irgendwelchen Schönheitsreparaturen äußerlicher oder juristischer Art. Wir haben als Kirche in Deutschland ein Systemversagen wahrgenommen, das zeigt: Es braucht Systemveränderungen", sagte Bätzing. Die von Papst Franziskus angeordnete Untersuchung im Erzbistum Köln durch sogenannte apostolische Visitatoren sei "schon ein starkes Zeichen".

Der Papst habe die Maßnahme ergriffen, "um in einer hochkomplexen, teils aufgeheizten und von großem Unverständnis und Misstrauen auf allen Seiten geprägten Situation klärend zu helfen", sagte Bätzing. Allerdings dürfe es keine Vorverurteilung geben.

Erzbischof Woelki auf Prüfstand

Bei den vom Papst entsandten Visitatoren handelt es sich um den Stockholmer Bischof Kardinal Anders Arborelius und den Bischof von Rotterdam, Johannes van den Hende. Die Papstgesandten wollen sich vor Ort ein Bild von der "komplexen pastoralen Situation" in der Diözese verschaffen. Dabei sollen sie auch mögliche Fehler des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki und weiterer Kirchenvertreter im Umgang mit Missbrauchsfällen und Vertuschungsvorwürfen untersuchen. Ihre ersten Gespräche führten sie am Dienstag mit Missbrauchsopfern.

Woelki steht seit Monaten heftig in der Kritik, weil er ein Gutachten einer Münchner Kanzlei zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche mit Verweis auf angebliche methodische Mängel unter Verschluss hielt. In einem im März vorgestellten Gutachten wurde der Erzbischof im Zusammenhang mit Vorwürfen der Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs persönlich entlastet. Der Skandal um die Vorgänge im Kölner Erzbistum versetzte die katholische Kirche in Aufruhr, zahlreiche Gläubige traten dort bereits aus. Kölner Katholiken fordern nach wie vor den Rücktritt Woelkis.

Personalprobleme nach Marx-Rücktritt?

Derweil könnte das Rücktrittsgesuch des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx die katholische Kirche aus Sicht des Kirchenrechtlers Thomas Schüller vor ein akutes Personalproblem stellen. Papst Franziskus werde sich "gut überlegen, ob er den Verzicht annimmt", sagte der Direktor des Institutes für Kanonisches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster.

Sollte er den Rücktritt annehmen, "muss er einen Plan haben, wer neuer Erzbischof von München-Freising werden soll", sagte Schüller. "Da neben München auch Hamburg und Köln möglicherweise zu besetzen sein werden, stellt sich für Rom grundsätzlich die Frage, wo die neuen Erzbischöfe überhaupt herkommen sollen. Denn die katholische Kirche in Deutschland leidet unter einem eklatanten Mangel an Klerikern, die für das Bischofsamt überhaupt infrage kommen."

Marx hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, sein Amt als Antwort auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche niederlegen zu wollen, und damit ein kirchenpolitisches Erdbeben ausgelöst. Zuvor hatte schon der Hamburger Erzbischof Stefan Heße dem Papst seinen Rücktritt angeboten - im Gegensatz zu Marx nicht ganz freiwillig, sondern wegen von Gutachtern vorgeworfenen Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchsfällen.

Quelle: ntv.de, mbe/AFP/dpa

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