Panorama

Beide Seiten behaupten Erfolge Berichte über Gefechte um das Pandschir-Tal

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Die Nationale Widerstandsfront von Afghanistan hat sich im Pandschir-Tal verschanzt.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Sowohl die Taliban als auch die Widerstandskämpfer um Ahmad Massud melden intensive Gefechte um das Pandschir-Tal - die letzte noch unabhängige Provinz in Afghanistan. Beide Seite reklamieren Erfolge für sich. Unabhängige Quellen gibt es nicht. Derweil soll die Regierungsbildung der Islamisten laufen.

In Afghanistan haben die Taliban und eine verfeindete Miliz heftige Kämpfe um die letzte noch nicht von den Islamisten kontrollierte Provinz gemeldet. Taliban-Sprecher Sabihulla Mudschahid sagte, der Einsatz in Pandschir sei begonnen worden, nachdem Verhandlungen mit der "bewaffneten örtlichen Gruppe" dort fehlgeschlagen seien. Die Kämpfer der Taliban hätten dabei Gebiet erobert. Dagegen sagte ein Sprecher der Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan (NRFA), man habe alle Vorstöße der Taliban abgewehrt und kontrolliere weiter alle Zugänge zum Pandschir-Tal. Beide Seiten berichteten von schweren Verlusten auf der gegnerischen Seite. Es war zunächst unmöglich, die Angaben zu überprüfen.

Das Pandschir-Tal nordöstlich von Kabul ist eine Hochburg der Tadschiken. Dort haben sich Kämpfer unter der Führung von Ahmad Massud verschanzt, Sohn eines der wichtigsten Anführer im Krieg gegen die Sowjetunion in den 80er Jahren. Während der ersten Herrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 war es Massuds Vater ebenfalls gelungen, Angriffe der Islamisten abzuwehren. Diese eroberten vor etwas mehr als zwei Wochen die Hauptstadt und halten damit faktisch die Macht im restlichen Land. Inzwischen sind nach fast 20 Jahren Krieg auch die letzten internationalen Truppen abgezogen, darunter alle Einheiten der Bundeswehr.

Erwartet wurde, dass die Taliban in Kürze ihre Regierung vorstellen. Unklar blieb der genaue Termin dafür. Während Taliban-Sprecher Mudschahid sagte, es dürfte einige Tage dauern, sagte ein anderer Taliban-Vertreter, es werde eine Zeremonie im Präsidentenpalast vorbereitet. Der Privatsender Tolo berichtete, die Verteilung der Ministerposten werde in Kürze bekannt gegeben.

Nachbarstaaten sprechen von moderateren Taliban

Von 1996 bis 2001 hatten die Taliban eine extreme Form des islamischen Rechtssystems, der Scharia, durchgesetzt. Ihre Regierung bestand damals aus einem nicht gewählten Führungsrat. Ein ranghoher Taliban-Vertreter sagte jüngst, die künftige Regierungsform könnte dieser früheren ähneln. Allerdings verwiesen die Regierungen der Nachbarstaaten bei einer Reise von Bundesaußenminister Heiko Maas in den vergangenen Tagen darauf, dass die Taliban offenbar gelernt hätten und es Signale für eine moderatere Regierung gebe. Maas selbst sagte, man müsse die Taliban an ihren Taten und nicht an ihren Worten messen. Als geistliches und politisches Oberhaupt war Taliban-Chef Mullah Haibatullah Achundsada im Gespräch.

Die Regierungsbildung gilt als Voraussetzung dafür, dass die Taliban von der Staatengemeinschaft als rechtmäßige neue Regierung anerkannt werden und Hilfe erhalten können. EU und USA knüpfen dabei die Anerkennung an Zusagen, etwa Menschenrechte einzuhalten. Die EU-Außen- und Verteidigungsminister berieten bei informellen Treffen in Slowenien über das weitere Vorgehen. Man sei weit von der Anerkennung einer Taliban-Regierung entfernt, sagte der slowenische Außenminister Anze Logar für die derzeitige EU-Ratspräsidentschaft. Einige EU-Staaten listen die Taliban als Terrororganisation.

Deutschland hat für die Versorgung der Menschen in Afghanistan und den angrenzenden Ländern 600 Millionen Euro bereitgestellt. Die EU will 300 Millionen Euro in diesem und dem nächsten Jahr für die Aufnahme von rund 30.000 Afghanen bereitstellen, braucht dafür jedoch die Zustimmung der 27 EU-Staaten. Etliche von diesen wollen entweder keine oder nur die Ortskräfte aufnehmen.

Quelle: ntv.de, als/rts

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