Panorama

Gott, Jahwe, Allah unter einem Dach Berlin baut Haus der Begegnungen

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Das Projekt soll ausschließlich mit Spenden finanziert werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Religionsgemeinschaft in Berlin ist vielfältig. Um dem im Alltag auch gerecht zu werden, bauen Vertreter von Judentum, Christentum und Islam jetzt ein gemeinsames "Bet- und Lehrhaus" in Berlin. Der Platz, den sie dafür vorgesehen haben, ist historisch.

Christen, Juden und Moslems - sie alle sollen bald in einem gemeinsamen "Bet- und Lehrhaus" in Berlin ihre Religion ausüben können. Im Bezirk Mitte, unweit der Baustelle für den Neubau des Stadtschlosses, haben ein Pastor, ein Rabbi und ein Imam das ungewöhnliche Projekt angestoßen. Seit einigen Tagen sammeln sie Spenden für das Gebäude, unter dessen Dach ab 2018 gemeinsam gebetet werden soll.

Noch ist der Bauplatz ein unwirtlicher Ort - eine Freifläche an einer belebten Verkehrskreuzung, wo die breite Leipziger Straße von Mitte zum Potsdamer Platz führt. Allerdings ist der einstige Petriplatz einer der ältesten Plätze Berlins. Schon im 13. Jahrhundert wurde dort die erste Petrikirche errichtet, mehrere Neubauten ersetzten das Gotteshaus im Lauf der Jahrhunderte. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude schwer beschädigt, 1964 abgerissen. Jetzt plant der Berliner Senat die Neugestaltung des Platzes mit dem Bet- und Lehrhaus als Mittelpunkt.

Knapp 44 Millionen Euro will der dafür gegründete Verein sammeln, zu dem unter anderem die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die Evangelische Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien, das Forum für Interkulturellen Dialog und das Land Berlin gehören. "Uns schien, dass es eine starke Sehnsucht nach einer friedlichen Zusammenkunft der Religionen gibt", sagt Roland Stolte, einer der beiden christlichen Vertreter im Vorstand des Vereins.

Kooperation von Anfang an

Der Petriplatz mit seiner langen Geschichte schien dafür der geeignete Ort. Die Evangelische Kirche hatte ihn nach dem Mauerfall zurückerhalten, nachdem sich dort zuletzt ein Parkplatz befunden hatte. "Wir wollten den Platz wieder beleben, aber nicht indem wir eine Kirche bauen, sondern einen Ort schaffen, der etwas über das Leben der Religionen in Berlin aussagt", erklärt Stolte. Rund 19 Prozent der etwa 3,4 Millionen Hauptstadtbewohner sind nach offiziellen Angaben von 2013 Protestanten, zehn Prozent Katholiken, sieben Prozent Muslime und 0,3 Prozent Juden.

Es sei entscheidend gewesen, die jüdischen und muslimischen Partner noch weit vor Baubeginn in die Planungen einzubeziehen, betont Pastor und Vereinsvorstandsmitglied Gregor Hohberg. "Es sollte von Anfang an ein interreligiöses Projekt sein, kein Ort, der von Christen gebaut wurde und zu dem Juden und Moslems hinzukommen", sagt er.

"Seien Sie geduldig"

Imam Kadir Sanci, muslimisches Vorstandsmitglied, berichtet von einer ökumenischen Kirche in Hessen, die ihn dazu ermutigt habe, an ein Bet- und Lehrhaus für drei Religionen zu glauben. Damals habe er einem Priester gesagt, es wäre großartig, eines Tages ein Gebäude zu haben, das sich Christen und Muslime teilen. "Der Priester antwortete mir: Seien Sie geduldig - wir haben 600 Jahre gebraucht."

Wie anspruchsvoll das Vorhaben ist, hat auch Architekt Wilfried Kühn erfahren. "Es galt, die Religionen nicht zu vermischen und gleichzeitig die gegenseitige Anerkennung sicherzustellen", sagt er. Jede Religion erhält nun ihren eigenen Gebetsraum. Die drei Bereiche sind gleich groß, befinden sich auf derselben Etage und führen in einen Gemeinschaftsraum, in dem die Gläubigen sich zum Gespräch treffen können.

Zunächst war ein gemeinsamer Gebetsraum für die drei Religionen geplant, berichtet Hohberg, doch nach langer Überlegung hätten die Initiatoren sich dagegen entschieden, "weil das vielleicht mehr Leute abgeschreckt hätte, als sie anzuziehen". Es sei ein Anliegen gewesen, auch konservative Gläubige anzusprechen.

Jetzt muss allerdings noch die Finanzierung des Hauses sichergestellt werden. "Das Projekt soll von der Basis kommen", sagt Stolte. Um dies sicherzustellen, gibt es eine Obergrenze für Spenden: Sie liegt bei einem Prozent der Gesamtsumme, also 435.000 Euro. Interessenten können sich mit zehn Euro pro Ziegelstein beteiligen.

Quelle: ntv.de, Frédéric Happe, AFP