Panorama

Königreich impft in Rekordzeit Bhutan ist glücklicher Impfweltmeister

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Eine Frau erhält am 28. März eine Impfung in Thimphu gegen das Coronavirus.

(Foto: AP)

Bhutan hat innerhalb von nur zwei Wochen 93 Prozent seiner erwachsenen Bevölkerung eine Corona-Erstimpfung verabreicht. Wie konnte das ausgerechnet im unwegsamen Himalaya-Gebirge gelingen?

Nicht Israel, nicht Chile, nicht Großbritannien oder die USA, sondern Bhutan ist Impfweltmeister. Das kleine Königreich am östlichen Rand des Himalaya-Gebirges  - so klein wie die Schweiz, so wenige Einwohner wie Frankfurt  - hat bereits fast seine ganze Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft. Bei nur knapp 760.000 Einwohnern ist das Ende April vielleicht keine Riesen-Sensation, das Tempo der Impfkampagne dagegen ist es schon.

Bhutan hat erst am 27. März mit den Impfungen begonnen, am 8. April hatten fast alle Menschen bereits die erste Dosis erhalten. "Nahezu die gesamte Bevölkerung wurde mit Covishield geimpft, einer indischen Produktion des Astrazeneca-Impfstoffs", erklärt Vathsala Aithal im ntv-Podcast "Wieder was gelernt". Die Professorin für International Social Work an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt war bereits dreimal in Bhutan, betreut eine Hochschul-Kooperation mit der Royal University of Bhutan.

Vorbereitung der Impfkampagne?

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Ein indischer Arzt präsentiert eine der Covishield-Dosen, die Indien unter anderem an Bhutan verschenkt hat.

(Foto: AP)

Um die indische Astrazeneca-Produktion Covishield kümmert sich das Serum Institute of India. Kostengünstig werden im Auftrag der UN-Initiative Covax Impfstoffe für ärmere Länder hergestellt. Vor allem afrikanische Staaten, aber eben auch Bhutan haben davon profitiert. Etwa 114.000 Impfstoffdosen wurden an das buddhistische Königreich via Covax verschickt, weitere knapp 290.000 Dosen hat Bhutan zu marktüblichen Preisen bezahlt. "Zusätzlich hatte Bhutan im Januar 150.000 Dosen von Indien geschenkt bekommen", ergänzt Aithal. So war das kleine Land gut aufgestellt für seine Impfkampagne. Innerhalb von nur 13 Tagen erhielten die Buthanerinnen und Buthaner schließlich ihre Erstimpfung.

Allerdings hatte das Land auch eine Portion Glück. Denn die Impfstoffe kamen gerade rechtzeitig, bevor die nächste Corona-Welle über Indien hereinbrach. Mittlerweile liefert der Subkontinent nämlich so gut wie keinen Impfstoff mehr aus, weil er im eigenen Land gebraucht wird. Die indische Doppelmutante macht dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt das Leben schwer.

Dennoch braucht es für eine derart erfolgreiche Impfkampagne noch einiges mehr. Zum Beispiel eine gute Vorbereitung. Insbesondere in einem Land, das von Gebirgen und Wäldern durchzogen ist, ist es logistisch alles andere als einfach, Spritzen zu den Oberarmen zu bekommen. "Geholfen hat dabei sicherlich auch, dass eine gewisse Infrastruktur für die Impfkampagne bereits vorhanden war", sagt Aithal.

Im Oktober vergangenen Jahres habe Bhutan bereits Vorkehrungen für eine landesweite Impfkampagne gegen Grippe getroffen. Darauf habe man nun aufbauen können. "In ländlichen Regionen sind Krankenpfleger zum Teil durch Schnee und Eis von Dorf zu Dorf marschiert, um den Impfstoff zu überbringen. In die noch entlegeneren Regionen wurde der Impfstoff samt ärztlichem und sonstigem Personal mit Hubschraubern transportiert", berichtet die Wissenschaftlerin im Podcast.

Impfdosen aus dem Helikopter

Einen großen Anteil an der erfolgreichen Impfkampagne haben auch die sogenannten "Wächter des Friedens". Das sind etwa 4.000 freiwillige Helfer, die entsprechend ausgebildet sind, um zum Beispiel bei Naturkatastrophen helfen zu können. In diesem Fall haben sie beim Impfen unterstützt, sind in die entlegensten Dörfer gereist oder haben die Impfdosen aus Hubschraubern abgelassen. Das Ergebnis ist ein Impf-Tempo, das zum Beispiel auch von Unicef gelobt wird. Bhutan sei eine "Erfolgsgeschichte, auch mit Blick darauf, wie das Impfvorhaben gemeinschaftlich vorangetrieben wurde, von der Planung bis zur Vollendung."

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Bhutans König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck.

(Foto: imago images/PPE)

Die Vollendung, das war die Impfung des Staatsoberhaupts. König Jigme Khesar Namgyel Wangchuk ließ sich als Letztes impfen. Mit Kalkül: Gesundheitsministerin Dasho Dechen Wangmo konnte den Bhutanerinnen und Bhutanern auf diese Weise Druck machen, nach dem Motto: Jetzt aber ranhalten, damit der König auch endlich seine Impfung bekommt.

Außerdem hat sich das buddhistische Land göttlichen Beistand geholt. Bhutan hat auf ein Datum gewartet, das glückverheißend ist. "In vielen Ländern Süd- und Südostasiens - im Hinduismus und im Buddhismus  - werden besondere Ereignisse danach terminiert, ob sie sich positiv oder negativ auswirken. Hierzu werden Astrologen herangezogen. Das gilt für Taufen, Hochzeiten, Hauseinweihungen, Geschäftsabschlüsse, und in diesem Fall auch für die Impfkampagne", erklärt Aithal. Aus diesem Grund hat Bhutan entschieden, erst Mitte März mit den Impfungen loszulegen. Obwohl das Land bereits im Januar das 150.000 Dosen-Geschenk aus Indien bekommen hatte.

Glück ist das wichtigste Kriterium in Bhutan

"Wieder was gelernt"-Podcast

"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Warum wäre ein Waffenstillstand für Wladimir Putin vermutlich nur eine Pause? Warum fürchtet die NATO die Suwalki-Lücke? Wieso hat Russland wieder iPhones? Mit welchen kleinen Verhaltensänderungen kann man 15 Prozent Energie sparen? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

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Doch das Glück ist in Bhutan letztlich bedeutsamer als alles andere. Das Königreich hat das sogenannte Bruttonationalglück in seiner Verfassung verankert, als einziges Land der Welt. "Glück und Harmonie unter den Menschen, Naturschutz und gutes Regieren sind in Bhutan wichtiger als Wirtschaftswachstum. Es geht tatsächlich darum, die Politik nicht nach wirtschaftlichen Kriterien auszurichten, sondern nach sozialen, psychologischen, ökologischen und ethischen", erklärt Vathsala Aithal.

In regelmäßigen Abständen wird das Glück der Buthanerinnen und Buthaner gemessen. Umfragen, die auf dem Konzept des Gross National Happiness beruhen, sollen das Glück oder Unglück der Bevölkerung erfassen. Gut möglich, dass die Menschen in Bhutan bei der nächsten Befragung noch etwas glücklicher sind. Schließlich ist das buddhistische Königreich im Vergleich zum Rest der Welt ziemlich gut durch die Pandemie gekommen. Nur ein Corona-Toter, gerade mal 1.000 Infektionen und eine beeindruckende Impfquote in Rekordzeit. Mit Glück und Geschick.

Quelle: ntv.de

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