Panorama

Entfesselte Fallzahlen Brasilien erlebt fatale Pandemiewoche

Bereits zum vierten Mal tauscht der brasilianische Präsident Bolsonaro seinen Gesundheitsminister aus. Doch die Pandemie ist dort längst außer Kontrolle. In dieser Woche verzeichnet Brasilien erst einen Tageshöchstwert bei den Covid-19-Toten, nun schießt auch die tägliche Infektionszahl in nie erreichte Höhen.

Brasilien hat binnen eines Tages so viele neue Corona-Infektionen registriert wie an keinem Tag zuvor. Dem brasilianischen Gesundheitsministerium wurden 90.303 neue Fälle gemeldet - der bisherige Höchstwert war Anfang Januar mit 87.843 neu registrierten Ansteckungen verzeichnet worden. Die Zahl der Toten stieg nach Behördenangaben um 2648, der zweitgrößte Tageszuwachs nach dem Höchstwert von 2841 Todesfällen am Dienstag.

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Brasilien beklagt im Schnitt mehr als 2000 Corona-Tote pro Tag.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

In dem südamerikanischen Land wurden damit seit Beginn der Pandemie insgesamt mehr als 11,6 Millionen laborbestätigte Infektionen und 284.775 Covid-19-Todesfälle verzeichnet. Damit ist Brasilien mit Blick auf die absoluten Zahlen nach den USA das weltweit am zweitstärksten von der Pandemie getroffene Land. Brasilien, das erst im Januar mit Impfungen begann, hat 210 Millionen Einwohner und ist 24 Mal so groß wie Deutschland.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro steht wegen seiner Corona-Politik massiv in der Kritik. Der Rechtspopulist hatte das Coronavirus von Anfang an verharmlost und zieht mittlerweile auch den Sinn einer Impfung in Zweifel. Trotzdem hat die brasilianische Regierung in der vergangenen Woche 100 Millionen Dosen des Vakzins von Pfizer und Biontech sowie 38 Millionen Dosen des Mittels von Johnson & Johnson bestellt.

Am Montag kündigte Bolsonaro zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt einen Wechsel an der Spitze des Gesundheitsministeriums an. Künftig soll Marcelo Queiroga das Amt übernehmen, sein Vorgänger Pazuello war zuvor General und verfügte über keine Erfahrung aus dem medizinischen Bereich.

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Queiroga ist Präsident der kardiologischen Gesellschaft Brasiliens. Am Mittwoch hatte er erklärt, er habe genug "Autonomie", um "Anpassungen" in der Corona-Strategie der Regierung vorzunehmen. Er kündigte an, die Zahl der Todesfälle in Brasilien durch die Einschränkung sozialer Kontakte und eine Aufstockung der Krankenhaus-Kapazitäten zu senken. Sein Amt als neuer Gesundheitsminister wird Queiroga allerdings erst in zwei bis drei Wochen antreten.

Hohe Gesundheitsbeamte und Wissenschaftler rechnen damit, dass Brasilien demnächst die Marke von 3000 Corona-Toten an einem Tag überschreiten wird. Laut der Forschungseinrichtung "Fundação Oswaldo Cruz" (Fiocruz) erlebt Brasilien den "größten Gesundheits- und Krankenhauskollaps der Geschichte". Demnach liegt die Auslastung der öffentlichen Intensivbetten für Covid-19-Patienten in 24 von 26 Bundesstaaten und dem Hauptstadtdistrikt Brasília bei 80 Prozent oder mehr.

Quelle: ntv.de, cri/AFP/dpa

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