Panorama

Graue Novembertristesse Chaos-Tief über Italien schickt uns Wolken

Der November wird ab dem Wochenende sein Klischee erfüllen: Wolken, Regen und in höheren Lagen ein wenig Schnee bilden den wenig erbaulichen herbstlichen Dreiklang in den kommenden Tagen. Südlich der Alpen bringt das Tief über Europa dagegen weiterhin ungewöhnlichere Wetterphänomene mit sich.

n-tv.de: In Norditalien und in den Alpen müssen die Menschen eine extreme Wetterlage über sich ergehen lassen. Wie schlimm wird es noch?

Björn Alexander: Momentan ist erst einmal eine kleine Entspannung angesagt. Denn es dominiert Zwischenhoch-Einfluss. Allerdings ist das leider erst die Ruhe vor dem nächsten Tief. Zu spüren ist der nächste Wetterwechsel bereits in den Hochlagen der Alpen. 

Warum?

Hier weht schon der Föhn mit Sturmstärke um die 100 Kilometer pro Stunde. Und der wird nochmals zulegen bis in den Orkanbereich jenseits von Tempo 120. Gleichzeitig formiert sich das nächste Tief.

Wo?

Über dem Golf von Genua und Norditalien. Eine erneut extrem brisante Wetterlage, die mit einem neuerlichen Hochwasser in Venedig einhergehen wird. Das wird zwar nicht so hoch ausfallen wie zuletzt. Allerdings sind kurz vorm Wochenende nochmals knapp 1,50 Meter zu erwarten.

Wie kommt es eigentlich zum Hochwasser in Venedig?

Auslöser ist der Südostwind. Der drückt das Wasser an die Adria und sorgt in Venedig dafür, dass die Kanäle in Venedig überlaufen. Der Grund ist also mit Nichten der Regen von oben, sondern das Wasser von unten. Verstärkend kam in dieser Woche noch der Vollmond hinzu, der die Flut zusätzlich erhöht hat. 

Welche Gefahren gibt es außerdem?

Für die Alpensüdseite zeichnet sich eine außergewöhnliche und sehr gefährliche Situation ab. Das noch warme Mittelmeer gibt der Luft enorm viel Feuchtigkeit mit auf den Weg. Diese trifft dann nochmals von Süden auf die Alpen. Die Niederschlagsmengen sind dementsprechend umfangreich bis katastrophal. In der Spitze sind bis zum Montag über 350 Liter pro Quadratmeter nicht auszuschließen. 

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Ohne Schirm geht's ab dem Wochenende in weiten Teilen Deutschlands lieber nicht nach draußen.

(Foto: dpa)

Fällt Regen oder Schnee?

Die Schneefallgrenze, die zuvor bis weit runter reichte, wird deutlich ansteigen, auf 1500 bis 2000 Meter. Alles, was darunter an Schnee liegt beginnt zu schmelzen und verstärkt somit die Wassermassen, die sowieso vom Himmel kommen. Hierdurch droht Überschwemmungs- und Hochwassergefahr entlang der Alpensüdseite bis Osttirol und Kärnten und rüber nach Slowenien. Zudem drohen Erdrutsche und Murenabgänge. 

Was passiert im Hochgebirge?

Hier sorgt der Föhnorkan zuerst einmal für extreme Verfrachtungen des bereits gefallenen Schnees. Eine äußerst ungünstige Voraussetzung für die Lawinenabschätzung. Und dann schneit es weiter. Ein bis zwei Meter Neuschnee sind durchaus möglich. Vielleicht sogar bis zu drei Meter - mit weiter ansteigender Lawinengefahr. Eine Lage, die es - so früh in der Saison - sicherlich seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. 

Wie viel von diesem Wetter-Ungemach kommt denn bei uns an?

Gar nicht so viel. Nördlich der Alpen halten sich die Auswirkungen nämlich in Grenzen. 

Was heißt das für den Samstag?

In der Nacht zum Samstag zieht ein Regengebiet von Süd nach Nord. Hierbei bewegt sich die Schneefallgrenze zwischen 600 und 1000 Metern. Tagsüber fällt zunächst nördlich der Mittelgebirge Regen, bevor sich der Regen anschließend immer weiter Richtung Nordsee verzieht. Damit ist es in der Mitte und im Süden abseits von teils sehr hartnäckigen Nebelfeldern trocken und zeitweise sonnig. 

Bei welchen Temperaturen?

Die passen eigentlich ganz gut in die Jahreszeit bei Höchstwerten von 5 bis 10 Grad. Im Bergland sowie im Nebel werden es um die 3 Grad.

Und am Sonntag?

Da schickt uns das Italien-Tief die nächsten Wolken. Die Details sind zwar noch unsicher. Insbesondere in Sachen Schneefallgrenze im Süden und Südwesten. Je nach Wettermodell schneit es auch bis weiter runter. Ansonsten ist es im Süden insgesamt oft grau mit zeitweiligem Regen. Nach Norden hin ist es dafür häufiger trocken und ab und zu auch freundlich. Im Südwesten erreichen wir 2 bis 7 Grad. Im großen Rest werden es meistens 8 bis 13 Grad.

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n-tv Meteorologe Björn Alexander

Wie geht es danach weiter?

Auf der Alpensüdseite dürfte sich das Wetter in der neuen Wetterwoche endlich beruhigen, während es hierzulande wechselhaft und schrittweise milder weitergeht.

Was heißt das für die Temperaturen?

Bis einschließlich Mittwoch werden es häufig zwischen 4 bis 10 Grad. Der Donnerstag bringt uns wahrscheinlich 8 bis 13 Grad. Und das heißt: ein Wintereinbruch bis herunter ins Flachland ist ebenso wie ein stabiles Hoch erst einmal nicht in Sicht.

Quelle: ntv.de