Panorama

"Ziemlich unsolidarisch" DRK-Vertreter fordert Bußgeld für Impfschwänzer

Mario Czaja, Präsident des Berliner Roten Kreuzes, spricht. Foto: Paul Zinken/dpa/Archivbild

Mario Czaja, Präsident des Berliner Roten Kreuzes, würde Impfschwänzer zur Kasse bitten.

(Foto: Paul Zinken/dpa/Archivbild)

Laut Gesundheitsminister Spahn und Robert-Koch-Institut erscheinen die Deutschen pünktlich zu ihren Impfterminen. Doch die Länder berichten zum Teil von massenhaften Ausfällen. Der Präsident des Roten Kreuzes in Berlin fordert nun Strafen für Schwänzer.

Mario Czaja, Präsident des Berliner Roten Kreuzes (DRK), wirbt dafür, Impfterminschwänzer zur Kasse zu bitten. Wer etwa seinen Termin für die Zweitimpfung in einem der Impfzentren ohne Absage verstreichen lasse, könne mit einer Strafzahlung von 25 bis 30 Euro belegt werden, schlug Czaja im Interview mit dem RBB vor. Das sei teilweise auch bei niedergelassenen Ärzten gängige Praxis. "Wir erleben leider seit einigen Wochen, dass zunehmend Menschen sich nicht abmelden, obwohl sie einen Termin in den Impfzentren haben. Das ist ziemlich unsolidarisch denen gegenüber, die schneller einen Termin haben wollen", findet der DRK-Präsident. Inzwischen würden seinen Angaben nach fünf bis zehn Prozent der Termine nicht wahrgenommen.

Die geforderten 25 bis 30 Euro "Impfschwänzer-Abgabe" würden keinesfalls die Kosten für Personal und Impfstoff decken, sagte Czaja dem Sender weiter. Geregelt werden könnte die Abgabe laut Czaja über die Nutzungsbedingungen der in Berlin eingesetzten Terminbuchungssoftware Doctolib ähnlich wie bei Ausfallhonoraren von Ärzten. Jetzt solle sich die Senatsverwaltung für Gesundheit mit der Idee befassen.

Die Berliner Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel forderte dagegen Erleichterungen für Impfwillige. Im RBB-Inforadio sagte sie, es müsste etwa Eltern ermöglicht werden, ihre Kinder mit in die Impfzentren zu nehmen, damit diese Impftermine sicher wahrnehmen könnten. Diese Maßnahme sei wichtiger als Menschen zu bestrafen, die nicht zu ihren Impfterminen kämen. Die Frage sei auch, ob man Menschen, die bisher skeptisch sind, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, mit einer angedrohten Strafe nicht endgültig vergraule, so Gebel. Momentan könne man in Berlin aus ihrer Sicht noch nicht von Impfmüdigkeit sprechen. "Aber wir müssen gerade Menschen erreichen, die Vorurteile gegenüber einer Impfung haben."

RKI sieht keinen Trend zur Impfschwänzerei

Nach einer aktuellen Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) gibt es in Deutschland bislang keine Impfmüdigkeit. 98,7 Prozent der Menschen seien willens, ihre Zweitimpfung wahrzunehmen. "Es ist also keine Tendenz erkennbar, dass das empfohlene Impfschema nicht vervollständigt wird", erklärte das RKI am Dienstag. Dieser Ansicht hatte sich Gesundheitsminister Jens Spahn angeschlossen.

Zugleich häufen sich aus den Bundesländern aber die Signale, dass die Impfbereitschaft der Bevölkerung abnimmt. Laut einer Umfrage von ntv bei den Gesundheitsministerien der Länder erscheinen immer öfter Bürger nicht zu ihrem Impftermin. Die sogenannte Rate der "No-shows" ist in den Bundesländern allerdings unterschiedlich hoch. Elf Ministerien haben die Anfrage am vergangenen Sonntag beantwortet.

Während Thüringen und Berlin von jeweils einem und zwei Prozent berichten, beträgt der Anteil in Schleswig-Holstein gut drei Prozent, in Niedersachsen gut vier Prozent und in Rheinland-Pfalz sechs Prozent. In Brandenburger Impfzentren liegt der Wert bei fünf bis zehn Prozent. Bremen meldet zehn Prozent, Sachsen knapp zwölf. In Hessen sind es sogar schon 20 Prozent. In den Impfzentren des Raums Westfalen-Lippe schwankt die Quote zwischen 10 und 30 Prozent, so berichtet es das Gesundheitsministerium in Düsseldorf. Experten sehen für die Terminabsagen mehrere Gründe: Die Urlaubszeit, einen anderweitigen Termin des Impflings etwa beim Hausarzt oder tatsächlich nachlassende Impfbereitschaft.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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