Panorama

Übersterblichkeit durch Corona Deutschland registriert mehr Tote als sonst

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Rund 7300 Menschen in Deutschland starben nach offiziellen Angaben bislang nach einer Infektion mit dem Coronavirus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Vermutung ist naheliegend und wird seit einigen Wochen in der öffentlichen Debatte geäußert: Das Coronavirus sorgt dafür, dass weltweit mehr Menschen als sonst üblich sterben. Diese Annahme bekräftigt nun das Statistische Bundesamt auch für Deutschland.

Die Coronavirus-Pandemie hinterlässt deutliche Spuren in Deutschland. Das öffentliche Leben stand wochenlang größtenteils still. Die Konjunktur kühlt deutlich ab, eine Rezession ist unvermeidbar. Das Gesundheitssystem war stark gefordert. Und auch wenn die Bundesrepublik vergleichsweise gut durch die Krise kam und kommt, deuten aktuelle Zahlen darauf hin: Durch die Ausbreitung von Sars-CoV-2 sind seit Ende März mehr Menschen ums Leben gekommen, als in den Vergleichswochen in den Jahren 2016 bis 2019.

Wie das Statistische Bundesamt aus vorläufigen Zahlen ermittelt hat, starben in der 13. Kalenderwoche (23. bis 29. März) mindestens 19.385 Menschen. Während der Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 darunter liegt, waren es in der Vergleichswoche 2018 mehr Tote (20.906). In dem besagten Jahr grassierte eine der schwersten Grippewellen des Landes, der insgesamt rund 25.000 Menschen zum Opfer fielen.

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In der 14. Kalenderwoche lag die Sterbefallzahl in diesem Jahr dann über 2018. Während damals die Grippesaison langsam zu Ende ging, verharrt die Mortalitätsrate in diesem Jahr auf hohem Niveau. Die nun ermittelte Abweichung nach oben war in der 15. Kalenderwoche (6. bis 12. April) mit knapp 2000 Fällen beziehungsweise elf Prozent über dem vierjährigen Durchschnitt am größten. Im Vergleich zu den einzelnen Jahren liegen die Sterbefallzahlen dieser Woche in einer Spannweite von 18 Prozent über den Zahlen von 2017 und vier Prozent über denen von 2018.

"Die aktuelle Entwicklung ist auffällig, weil die Sterbefallzahlen in dieser Jahreszeit aufgrund der ausklingenden Grippewelle üblicherweise von Woche zu Woche abnehmen", heißt es in einer Mitteilung der Statistikbehörde. "Dies deutet auf eine Übersterblichkeit im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie hin." Auch in Ländern wie Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Schweden und Spanien zeichne sich ein Anstieg der Todeszahlen im Jahresvergleich ab - allerdings in einem größeren Umfang.

Im März war noch keine höhere Mortalität festzustellen

Wie das Bundesamt beschreibt, werden für die Jahre 2019 und 2020 bislang vorläufige Zahlen herangezogen. Dabei handele es sich um eine "reine Fallzahlauszählung der eingegangenen Sterbefallmeldungen aus den Standesämtern ohne die übliche Plausibilisierung und Vollständigkeitskontrolle der Daten". Die Angaben bezögen sich auf den Todestag und nicht auf das Meldedatum. Die Ergebnisse könnten sich für dieses Jahr durch Nachmeldungen noch erhöhen.

Noch im März hatte sich keine Übersterblichkeit im Zusammenhang mit dem Coronavirus und der dadurch ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 abgezeichnet. So meldete etwa Nordrhein-Westfalen - das bundesweit mit am schwersten von der Pandemie betroffen ist - dass keine erhöhte Mortalitätsrate festgestellt wurde. Demnach starben in dem Monat etwa 18.800 Menschen. Im März 2019 lag die Zahl der Toten bei 19.100.

Doch Experten wie der Virologe Christian Drosten wiesen schon zu dieser Zeit darauf hin, dass die Sterberate erst ab Ende März steigen werde. "Wir haben den Beginn einer neuen Entwicklung", sagte der Professor von der Berliner Charité damals im NDR-Podcast. Anfangs hätten sich vor allem jüngere Menschen - und damit kaum Angehörige von Risikogruppen - mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, so der Wissenschaftler.

Grundsätzlich gibt die offizielle Gesamtzahl der Corona-Toten in Deutschland nur die bekannten Fälle an, wie bei den bestätigten Infektionen ist von einer Dunkelziffer auszugehen. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, gab etwa zu Protokoll, dass er die Fallzahlen für unterschätzt halte. Nicht jeder Gestorbene sei zuvor auf eine Infektion getestet worden, sagte er. "Ich gehe davon aus, dass wir mehr Tote haben, als offiziell gezählt werden." Nach offiziellen Angaben sind bislang rund 7300 Menschen an einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Quelle: ntv.de, fzö