Panorama

Zwei Kandidaten mit Fragezeichen Diese Länder sind immer noch Corona-frei

2020-07-27T225112Z_639686287_RC2Y1I9PV376_RTRMADP_3_KOREANWAR-ANNIVERSARY-NORTHKOREA.JPG

In Nordkorea tragen die Menschen Masken, Großveranstaltungen finden weiterhin statt. Offiziell hat das Land keinen einzigen Corona-Fall.

(Foto: via REUTERS)

Von 193 Staaten weltweit haben 181 Corona-Infektionen gemeldet. Demnach wären zwölf Länder noch immer Corona-frei. Kann das tatsächlich sein? Und wie ist das mitten in einer Pandemie überhaupt möglich?

Das Coronavirus hat sich in den vergangenen Monaten weltweit ausgebreitet und ist auch in weit entlegene Regionen vorgedrungen. Doch es gibt noch immer Orte, die auch mitten in der Pandemie offiziell Corona-frei geblieben sind. Von 193 Staaten, die die Vereinten Nationen anerkannt haben, haben 12 bisher keinen einzigen Covid-19-Fall bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten gemeldet. Die Länder, die in der weltweiten Statistik der registrierten Covid-19-Fälle nicht auftauchen, sind: Palau, Mikronesien, die Marshallinseln, Nauru, Kiribati, die Salomon-Inseln, Tuvalu, Samoa, Vanuatu, Tonga, Turkmenistan und Nordkorea. Haben diese Staaten also eine besonders effektive Strategie bei der Vermeidung möglicher Infektionen?

Übergreifend für alle Länder lässt sich das nicht beantworten. Auffallend ist, dass zehn der zwölf Staaten zu Inselgruppen mitten im Pazifischen Ozean gehören. Sie profitieren offenbar besonders von ihrer geografischen Lage. Außerdem haben sie frühzeitig strikte Maßnahmen ergriffen, um sich abzuschotten. Die Salomonen verlangen beispielsweise für die Einreise schon seit Anfang Februar ein ärztliches Attest. Reisende, die aus Ländern mit bestätigten Infektionen kommen, müssen 14 Tage in Quarantäne. Ähnlich handhabt es auch Vanuatu. Samoa hat seine Grenzen seit dem 25. März faktisch geschlossen. Die Grenzschließungen, Reisebeschränkungen und Lockdowns haben eine Einschleppung des Virus verhindert.

Bezahlt wird die Infektionsfreiheit mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen im Tourismus, aber auch in der Fischereiindustrie. Der BBC zufolge dürfen Boote, die zuvor in Ländern mit Infektionen waren, keine Häfen auf den Marshallinseln anlaufen. Öltanker oder Containerschiffe müssen zuvor 14 Tage auf See gewesen sein. Der Export von Speise- und Aquarienfischen ist eingebrochen, Experten gehen von Minuszahlen zwischen 30 und 50 Prozent aus.

Viele Lungenentzündungen

Anders sieht es in Turkmenistan und Nordkorea aus. Turkmenistan meldet offiziell keine Krankheitsfälle an die WHO, weshalb es in den Statistiken Corona-frei ist. Das Land beteuert aber auch, dass es tatsächlich keine Corona-Infektionen gibt. Wissenschaftler zweifeln dies jedoch an, auch weil Turkmenistan an Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Iran und Afghanistan grenzt. All diese Länder haben Infektionen.

Turkmenistan ließ die international empfohlenen Hygienemaßnahmen lange unbeachtet, erst Mitte Juli riefen die Behörden erstmals zum Tragen von Schutzmasken auf. Die Maßnahme wurde jedoch mit der "hohen Staub-Konzentration in der Luft" begründet. In den Monaten zuvor hatte die Polizei Bürger vom Tragen der Schutzmasken abgehalten, Großveranstaltungen wurden weiter ohne Abstandsregelungen durchgeführt. Lediglich der Flugverkehr wurde bereits Anfang Februar reduziert, Flüge von und nach China ausgesetzt und die Grenzen geschlossen. In den Informationen des Auswärtigen Amtes heißt es zudem, dass seit dem 13. Juli auch keine Reisen innerhalb des Landes mehr möglich seien.

Seit Anfang August darf die WHO unabhängige Tests vornehmen. Die Organisation hatte sich zuvor über die steigenden Zahlen von Lungenentzündungen "ernsthaft besorgt" gezeigt. Ergebnisse dieser Tests sind jedoch noch nicht bekannt. Inzwischen setzt auch Präsident Gurbanguly Berdymukhammedow auf Videokonferenzen, Staatsmedien werben für Online-Sportkurse.

Covid-19-Tote sehr wahrscheinlich

Nordkorea gehört zu den ersten Staaten, die zu Beginn der Pandemie ihre Grenzen schlossen. Schon seit dem 21. Januar sind in dem chinesischen Nachbarland offiziell kaum Grenzübertritte mehr möglich. Für die wenigen Einreisenden gelten strenge Quarantäneregeln von ein bis zwei Monaten. International wird jedoch bezweifelt, ob es wirklich möglich ist, eine 1400 Kilometer lange Grenze mit zahlreichen Schmugglerwegen tatsächlich absolut zu schließen. Außerdem hätte eine mögliche Infektion auch im Januar bereits eingeschleppt werden können.

Mehr zum Thema

Schulen und Universitäten sind geschlossen. Ende Juli meldete das Land einen ersten offiziellen Verdachtsfall und verhängte daraufhin über die Grenzstadt Kaesong mit etwa 300.000 Einwohnern den Notstand. Die möglicherweise infizierte Person habe sich vor drei Jahren nach Südkorea abgesetzt und sei nun zurückgekehrt, hieß es dazu. Ob sich der Verdacht bestätigte, wurde nie mitgeteilt, die Ausgangssperre in Kaesong ist seit Mitte August wieder aufgehoben. Ärzte, die aus Nordkorea geflohen sind, sind überzeugt, dass in dem Land auf jeden Fall Menschen an Covid-19 gestorben sind. Testmöglichkeiten seien sehr begrenzt und zumeist auch nur in der Hauptstadt Pjöngjang verfügbar. In Berichten staatlicher Medien wird die Pandemie behandelt, dabei wird jedoch immer der Eindruck erweckt, dass die Bevölkerung durch die ergriffenen Maßnahmen absolut sicher sei. Auch Masken gehören zum Alltagsbild.

Die meisten Ausländer haben das Land verlassen, viele Hilfsorganisationen haben ihre Arbeit ausgesetzt. Beim Auswärtigen Amt heißt es zu Nordkorea: "Aussagen darüber, ob es in Nordkorea zu Infektionen gekommen ist, sind nicht möglich. Es muss davon ausgegangen werden, dass das örtliche Gesundheitssystem nicht über die Möglichkeiten zu Diagnose und Behandlung einer akuten Covid-19-Erkrankung verfügt."

Quelle: ntv.de