Panorama

Sprengplatz im Grunewald brennt Einsatzkräfte löschen innerhalb des Sperrkreises

Die Feuerwehr dringt ein Stück weit zum Brandherd im Grunewald vor. Der brisante Einsatz rund um einen Sprengplatz wird sich aber vermutlich noch lange hinziehen. Für Berlins Regierende Bürgermeisterin Giffey handelt es sich um ein "einmaliges Ereignis in der Berliner Nachkriegsgeschichte".

Die Feuerwehr hat mit Löscharbeiten innerhalb der Sicherheitszone rund um den Sprengplatz im Grunewald begonnen. Das sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein am späten Nachmittag. "Der Sperrkreis von 1000 Metern bleibt bestehen. Aber es ist möglich, dass wir als Feuerwehr jetzt in gewissen Bereichen bis auf 500 Meter tätig werden können", sagte Kirstein. "Das heißt, die Löscharbeiten sind zum Teil schon angelaufen." Das Löschwasser sei im Vorfeld schon bereitgestellt worden.

"Jede Minute, die wir keine Detonationen hören oder auf dem Sprengplatz etwas passiert, ist eine gute Zeit für uns", sagte Kirstein. "Wir werden jetzt mit den Einsatzkräften der Feuerwehr in Teilen bis 500 Meter rangehen können." Die Bundeswehr unterstütze die Feuerwehr, indem sie Schneisen im Wald anlege, von denen aus dann Löscharbeiten möglich seien. "Es ist davon auszugehen, dass das Feuer nicht über den 1000-Meter-Sperrkreis hinweggeht", so der Feuerwehrsprecher.

"Wir haben die Fläche jetzt neu definiert: Es sind rund 50 Hektar betroffen", erklärte Kirstein. "Die brennen nicht alle komplett, die sind zum Teil nur verraucht." Die Fläche habe sich seit den frühen Morgenstunden aber deutlich ausgeweitet. "Wir sind jetzt aber guter Dinge", sagte Kirstein. "Wir haben eine unabhängige Löschversorgung, die uns heute in den Abendstunden massiv nach vorne bringen wird." Die Einsatzkräfte seien seit mehr als zwölf Stunden vor Ort. "Sie werden jetzt zum Abend ausgetauscht", sagte Kirstein. "Die Nachtschicht wird frisch hier herkommen. Wir gehen davon aus, dass wir mindestens bis in die späten Abendstunden hier tätig sein werden, wenn nicht sogar die ganze Nacht."

Evakuierungen nicht notwendig

Der Sicherheitsradius von 1000 Metern war von Sprengstoffexperten festgelegt worden. Er sollte zunächst nicht betreten werden, wie der Landesbranddirektor der Berliner Feuerwehr, Karsten Homrighausen, bei einer Pressekonferenz am frühen Nachmittag gesagt hatte. "Wir haben im Augenblick 250 Kräfte." Die Bundeswehr unterstützte die örtlichen Helfer dabei, Brandschneisen zu schlagen und ein Übergreifen der Flammen auf das Gebiet außerhalb des Radius zu verhindern. Dafür wurden die Randflächen etwa mithilfe von Wasserwerfern bewässert und befeuchtet. Die Löschwasserversorgung ist laut Homrighausen durch den See Krumme Lanke und die Havel gesichert. Aber: "Die derzeitige Windsituation begünstigt das Feuer", so Homrighausen.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey machte sich am Nachmittag ein Bild von der Lage. "Es handelt sich hier um ein Ereignis, das in der Berliner Nachkriegsgeschichte einmalig ist", sagte die SPD-Politikerin. Entscheidend sei nun, dass keine Menschen in Gefahr gebracht werden. Bislang sei kein Personenschaden zu beklagen. Dadurch, dass das erste Wohnhaus in zwei Kilometern Entfernung zu dem Sprengplatz liege, gebe es keine Notwendigkeit zur Evakuierung. Anwohnerinnen und Anwohner sollen lediglich ihre Fenster geschlossen halten und darauf verzichten, Klimaanlagen oder Lüftungen anzuschalten. Es kommt zudem zu Verkehrsbeeinträchtigungen rund um den Grunewald.

"Es gibt quasi eine Flugverbotszone"

Die Brandursache ist nach wie vor unklar. Es ist nicht bekannt, ob es zunächst eine Explosion auf dem Sprengplatz der Polizei im Grunewald oder zuvor bereits ein Feuer gegeben hat. Auf dem Sprengplatz lagern Polizeiangaben zufolge rund 25 Tonnen, unter anderem Feuerwerkskörper und Weltkriegsmunition. Experten machen sie dort normalerweise unschädlich.

Der Einsatz von Löschflugzeugen oder -hubschraubern war am Nachmittag noch nicht vorgesehen. "Der Radius von 1000 Metern gilt auch nach oben. Es gibt quasi eine Flugverbotszone", sagte Homrighausen. Werde Wasser in einer Höhe über 1000 Metern abgeworfen, habe dies keine entscheidende Wirkung am Boden mehr, so der Experte. Ein mit Kameras ausgestatteter Spezialroboter der Bundeswehr kam am Nachmittag zum Einsatz. Mit dessen Hilfe erhoffte sich die Feuerwehr ein klareres Bild der "dynamischen Lage". Ob bei einem Übergreifen der Flammen der Einsatz von Löschflugzeugen oder -hubschraubern sinnvoll werde, schätzten Polizei und Feuerwehr in dem betreffenden Moment dann ein, sagte Innensenatorin Iris Spranger.

Den Sprengplatz der Polizei im Berliner Grunewald gibt es bereits seit 1950. Dort würden zweimal im Jahr jeweils für mehrere Tage kontrollierte Sprengungen angesetzt, sagte ein Sprecher der Polizei. Es habe immer wieder Versuche gegeben, andere Standorte zu suchen. Wie die Polizei auf Twitter mitteilte, sind in Berlin keine alternativen Nutzungsflächen vorhanden beziehungsweise nicht genehmigungsfähig. Das Gelände sei mit Brandmeldeanlagen ausgestattet, verfüge über eine mehrere Meter breite Brandschutzschneise und sehe eine Dauerberegnung der gelagerten Kampfmittel vor.

Giffey kündigte an, über die Zukunft des Sprengplatzes nachdenken zu wollen und mit ihrem Brandenburger Amtskollegen Dietmar Woidke über die Möglichkeit einer Kooperation in der Metropolregion ins Gespräch kommen zu wollen. Es müsse überlegt werden, ob ein solcher Ort innerhalb des Berliner Stadtgebiets wirklich sinnvoll sei. Fest stehe aber auch, dass die derzeitige Lage im Wald und abseits von Wohngebieten "die Lage noch eher entspannt", so Giffey.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa

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