Panorama

"Spinnennetz der Repression" Eintauchen in die geheimen Treffs der Stasi

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Begehbarer Stadtplan von Berlin: Die Stasi hatte überall, auch im Westen, geheime Dienstsitze.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen ist zuletzt mit eigenen Skandalen aufgefallen. Jetzt besinnt sie sich auf ihren Kern zurück: Diese Woche eröffnet eine große Ausstellung zum geheimen Überwachungsnetz der DDR-Staatssicherheit in allen Kiezen Berlins.

Von der Abhörstation bis zum Fuhrpark - mehr als 300 Dienstsitze besaß das DDR-Ministerium für Staatssicherheit in Ost-Berlin. Hinzu kamen rund 4200 konspirative Wohnungen für Treffs mit Informanten. Auch in West-Berlin gab es solche geheimen Treffpunkte. Wo sie genau waren, wird wohl nicht restlos zu klären sein: Denn vor dem Untergang der DDR vernichtete die Stasi-Hauptabteilung Aufklärung ihre Unterlagen. Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall beleuchtet eine Ausstellung in der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen das Spinnennetz von Überwachung und Repression im damaligen Berlin. Die multimediale Schau öffnet am Donnerstag um 18 Uhr.

"Wir haben die erste komplette Übersicht über die konspirativen Wohnungen erarbeitet", erläutert Projektleiter Michael Schäbitz. Die Ausstellungsmacher sprechen von einer verborgenen Infrastruktur der Überwachung und Verfolgung, die die Stasi etablierte. "Unser Anliegen ist, das Vergangene in der Gegenwart zu verorten und einen neuen Blick auf die Stadt zu eröffnen", sagt Kurator Andreas Engwert.

Passend dazu geht der Besucher durch eine 170 Quadratmeter große, heutige Luftaufnahme Berlins. Er kann Dutzende Orte ansteuern, die mit der Stasi zu tun hatten. Tablets liefern Filme, Fotos und Dokumente. Anhand der Orte erzählt die Ausstellung das Schicksal von Menschen, die in die Fänge der Geheimpolizei gerieten. Interessierte können in die Vergangenheit ihres Kiezes eintauchen und sehen, wie die Stasi gegen die eigene Bevölkerung agiert hat. Projektleiter Schäbitz berichtet, wie sehr ihn die Gespräche mit Betroffenen bei der Recherche berührt haben. "Da begreift man anders, was das für ein gigantischer Apparat war."

Während die Stasi in den 60er Jahren noch äußerst brutal ihre Macht sichert, geht es ihr später stärker um das Zersetzen von Oppositionsgruppen, Einschüchtern sowie das "Vereinzeln" von Kritikern. Allein in Ost-Berlin gab es nach Angaben von Schäbitz fast 40.000 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter, dazu Tausende Inoffizielle Mitarbeiter (IM). Für die Ausstellung sichteten die Ausstellungsmacher 10.000 Fotos und Hunderte Akten bei der Stasi-Unterlagen-Behörde. "Die Geschichte der DDR könne nicht ohne Mauer und Stasi erzählt werden", betont Schäbnitz. "Wie ist es sonst zu erklären, dass vier Millionen Menschen das Land verließen?", müssten sich Nostalgiker fragen lassen. Auch der Alltag in der DDR sei ohne repressive Mechanismen nicht darzustellen.

Die Gedenkstätte im früheren zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit war über Wochen wegen ihrer geschassten Leitung in den Schlagzeilen. Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe war nach Vorwürfen gekündigt worden, nicht entschieden genug gegen die mutmaßliche sexuelle Belästigung von Volontärinnen, Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen durch seinen Stellvertreter vorgegangen zu sein. Knabe hatte die Vorwürfe zurückgewiesen, der Rechtsstreit um seine Abberufung wurde schließlich mit einem Vergleich beendet. Der Stellvertreter klagt noch vor dem Arbeitsgericht gegen seine Kündigung. Der Chefposten in Hohenschönhausen wurde neu ausgeschrieben. Zu den Querelen wollte sich in Hohenschönhausen niemand äußern. "Wir arbeiten einfach weiter", hieß es.

Quelle: ntv.de, mau/dpa