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Polizei will Daten von Amazon Echo Elektronischer Assistent soll Mord aufklären

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Amazon Echo lernt nach Angaben des Unternehmens ständig dazu.

(Foto: REUTERS)

Millionenfach verkauft Amazon seit der Markteinführung seine künstliche Intelligenz für zu Hause: Echo. In den USA besitzt auch ein Mordverdächtiger den digitalen Helfer. Die Ermittler wollen mit dessen Daten klären, ob der Mann schuldig ist oder nicht.

Im US-Bundesstaat Arkansas will die Polizei auf die Daten von Amazons digitalem Assistenten Echo zugreifen, um einen Mord aufzuklären. Die Ermittler haben den Internetgiganten aufgefordert, Audio-Daten herauszugeben, die Echo im Haus des Verdächtigen aufgezeichnet haben könnte. Der Zugriff sei unbedingt notwendig, schrieb der Staatsanwalt von Benton County, Nathan Smith, in einer Mitteilung.

Die Ermittler erhoffen sich mithilfe der Daten Aufschluss über den Mord an dem 47-jährigen Victor Collins. Er war im November 2015 tot in der Badewanne eines Bekannten gefunden worden, an seiner Leiche fanden sich Spuren von Schlägen. Die Staatsanwaltschaft hält einen Mord für möglich.

Aktivierung mit "Alexa"

Echo besteht aus mehreren Lautsprechern und kann etwa Fragen nach Verkehr und Wetter beantworten oder Musik abspielen. Gestartet wird das Programm mit dem Wort "Alexa". Dann zeichnet es alle Gespräche auf und schickt sie in eine Cloud. Dem Bericht zufolge hofft die Polizei, dass das Gerät aktiviert war und den Mord aufgezeichnet haben könnte.

Amazon wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern. Nach einem Bericht der Nachrichtenseite "5News" weigert sich das Unternehmen grundsätzlich, Informationen seiner Kunden herauszugeben. Der Internetgigant habe der Polizei jedoch die Zugangsdaten des Mordverdächtigen überlassen.

Die Anwältin des Verdächtigen ist gegen die Herausgabe der Amazon-Daten. Sie sprach von einem tiefen Eingriff in die Privatsphäre ihres Mandaten, auch wenn mögliche Aufnahmen ihn wahrscheinlich entlasten würden.

Amazon hatte diese Woche mitgeteilt, das Unternehmen habe im diesjährigen Weihnachtsgeschäft "Millionen" der Anlagen verkauft. Nach Schätzungen von Analysten ist Echo seit der Markteinführung rund fünf Millionen Mal verkauft worden.

Präzedenzfall: San Bernadino

Der Fall in Arkansas wirft erneut die Frage auf, wie angesichts der zunehmenden Nutzung digitaler Geräte der Datenschutz und die Interessen von Sicherheitsbehörden in Einklang gebracht werden können. Nach einem Terroranschlag in San Bernardino, bei dem im Dezember vergangenen Jahres 14 Menschen erschossen worden waren, hatte das US-Justizministerium versucht, Apple zur Entschlüsselung des iPhones des Täters zu zwingen.

Apple weigerte sich und begründete die Entscheidung damit, dass kein Präzedenzfall für eine Missachtung der Bürgerrechte geschaffen werden dürfe. Das FBI knackte das Smartphone des Attentäters schließlich ohne Hilfe des Technologiekonzerns.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP/dpa

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