Panorama

Erste Untersuchungsergebnisse Fische in der Oder starben nicht an Quecksilber

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Beiderseits der Grenze holen Helfer tonneweise tote Fische aus der Oder.

(Foto: dpa)

Massenhaft verenden Fische in der Oder. Der Grund ist bislang unklar. Erste Untersuchungen schließen nach polnischen Angaben zu hohe Quecksilberwerte als Ursache aus. Brandenburgs Umweltminister Vogel spricht von "sehr stark erhöhten Salzfrachten" im Fluss.

Erhöhte Quecksilberwerte sind nach Angaben der polnischen Regierung nicht die Ursache für das Fischsterben in der Oder. Dies hätten die ersten toxikologischen Untersuchungsergebnisse von Proben toter Fische ergeben, schrieb Polens Umweltministerin Anna Moskwa auf Twitter.

"Das staatliche Veterinärinstitut hat sieben Arten getestet. Es hat Quecksilber als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen." Man warte nun auf die Ergebnisse von Untersuchungen auf andere Schadstoffe.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke räumte unterdessen bei der Aufklärung des Fischsterbens anfängliche Probleme bei der Zusammenarbeit mit Polen ein. Die Grünen-Politikerin strebt nun eine bessere Koordinierung an. "Die Frage der deutsch-polnischen Zusammenarbeit hat an dieser Stelle ganz offensichtlich nicht funktioniert (...), sonst hätten wir früher Informationen erhalten, zumindest das Land Brandenburg oder auch die Anrainerkommunen", sagte Lemke in Frankfurt (Oder). Dort hatten Helfer viele tote Fische vom Ufer eingesammelt. Brandenburg hatte ebenfalls offen kritisiert, es sei von polnischen Behörden nicht informiert worden.

Lemke dankt Helfern und Anglern

Lemke zeigte sich bewegt davon, was die amtlichen und ehrenamtlichen Helfer geleistet hätten und dankte ihnen. "Auch den Anglern muss man danken, die hier offensichtlich sehr schnell aufmerksam gemacht haben, nachdem sie die ersten toten Fische bemerkt haben." Hier sei aufmerksam von Bürgern reagiert worden, auch ohne die Gründe für das Sterben zu kennen. Das immer noch bestehende Unwissen über das Ausmaß der Katastrophe, die Länge sowie die Folgen für die Nahrungskette und die Natur, "das treibt mich massiv um", sagte Lemke.

Das Fischsterben in der Oder beunruhigt seit Tagen die Menschen, die in Polen und Deutschland an dem Fluss leben. Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli erste Hinweise darauf bekommen, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben.

Die Ursache des Fischsterbens ist noch ungeklärt. Nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel von den Grünen weist die Oder "sehr stark erhöhte Salzfrachten" auf. "Nach jetzigen Erkenntnissen wird es jedoch nicht ein einziger Faktor sein, der das Fischsterben in der Oder verursacht hat", heißt es in einer Mitteilung. Der Begriff Salzfrachten bezeichnet im Wasser gelöste Salze.

Warschau vermutet Vergiftung mit Chemie-Abfällen

Polens Regierung vermutet, dass der Fluss mit Chemie-Abfällen vergiftet wurde. Die polnische Polizei hat eine Belohnung von umgerechnet 210.000 Euro für die Aufklärung ausgesetzt.

Polens Regierung und Behörden stehen unter Druck, weil sie zu zögerlich auf das Fischsterben reagiert haben. Am Freitagabend hatte Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki deshalb den Chef der Wasserbehörde und den Leiter der Umweltbehörde entlassen. Er schließe weitere personelle Konsequenzen nicht aus, sagte der Regierungschef. Morawiecki räumte ein, er habe erst am 10. August von dem massiven Fischsterben erfahren. "Ich wurde auf jeden Fall zu spät informiert."

Im Osten Brandenburgs sammelten unterdessen Hunderte Helfer die toten Tiere ein. Etwa 300 Einsatzkräfte sind im Kreis Märkisch-Oderland auf rund 80 Kilometern Länge am Ufer unterwegs, wie der Sprecher des Kreises, Thomas Rubin, sagte. "Ich rechne mit mehreren Tonnen Fisch, die wir rausholen."

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 13. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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