Panorama

Nach Fischsterben in der Oder Polen setzt hohe Belohnung für Hinweise auf Täter aus

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Die toten Kadaver fangen bereits an zu verwesen und müssen schnellstmöglich eingesammelt werden.

(Foto: picture alliance/dpa/PAP)

In der Oder treiben seit Tagen Tausende tote Fische im Wasser. Der Grund für das massive Fischsterben ist noch unklar, Polen glaubt aber an ein Umweltverbrechen. Die Polizei will deshalb schnellstmöglich die Schuldigen ausmachen und bittet um Mithilfe.

Wegen des Fischsterbens in der Oder hat Polen eine hohe Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung eines Täters führen. Die Polizei habe dafür eine Summe von umgerechnet 210.000 Euro ausgelobt, sagte Vize-Innenminister Marcin Wasik in Gorzow Wielkopolski. "Wir wollen die Schuldigen finden und die Täter des Umweltverbrechens bestrafen, um das es hier wahrscheinlich geht", betonte Regierungschef Mateusz Morawiecki.

Polens Regierung und Behörden stehen unter Druck, weil sie zu zögerlich auf das Fischsterben reagiert haben. Am Freitagabend hatte Morawiecki deshalb den Chef der Wasserbehörde und den Leiter der Umweltbehörde entlassen. Er schließe weitere personelle Konsequenzen nicht aus, sagte der Regierungschef nun. Morawiecki räumte ein, er habe erst am 10. August von dem massiven Fischsterben erfahren. "Ich wurde auf jeden Fall zu spät informiert."

Hunderte Helfer sammeln tote Fische ein

Im Osten Brandenburgs sammeln unterdessen Hunderte Helfer die toten Tiere ein. Etwa 300 Einsatzkräfte sind seit dem Morgen im Kreis Märkisch-Oderland auf rund 80 Kilometern Länge am Ufer unterwegs, wie der Sprecher des Kreises, Thomas Rubin, sagte. "Ich rechne mit mehreren Tonnen Fisch, die wir rausholen."

An der Oder in der brandenburgischen Kleinstadt Lebus, nicht weit entfernt von Frankfurt (Oder), habe sich durch die Verwesung der Fische unangenehmer Geruch ausgebreitet, schilderte ein dpa-Reporter. Es seien auch Vögel zu sehen, die tote Fische wegtragen.

Helferinnen und Helfer waren mit Handschuhen, Gummistiefeln oder auch Watthosen ausgerüstet. Teils seien auch Boote im Einsatz, sagte der Sprecher des Kreises. Die Kadaver kommen ihm zufolge in Müllsäcke, die an mehreren Standorten gesammelt und dann in Container gebracht werden. Nach dem Einsammeln der Fische am Samstag soll die Entsorgung im Kreis Märkisch-Oderland voraussichtlich am Montag weitergehen, wie der Sprecher sagte.

Die Bürgermeisterin von Schwedt im Nordosten Brandenburgs, Annekathrin Hoppe, hat das Fischsterben in der Oder als Umweltkatastrophe nie da gewesenen Ausmaßes bezeichnet. Der Nationalpark "Unteres Odertal" habe große Befürchtungen, dass die Auswirkungen so riesig seien, dass sie sich auch über Jahre hinziehen, sagte die SPD-Politikerin im rbb-Inforadio. "Für uns ist diese Vergiftungssituation, die sich jetzt in der Oder aufgebaut hat, eine Umweltkatastrophe von noch nie da gewesenem Ausmaß." Auch der Tourismus sowie die Weide- und Fischwirtschaft seien stark beeinträchtigt.

Fischsterben könnte sich auf Ostsee ausweiten

Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit Auswirkungen des Fischsterbens in der Oder auf das Stettiner Haff. Es sei damit zu rechnen, dass die Belastungen die Odermündung nahe Stettin (Polen) abhängig von Wind- und Strömungsverhältnissen bereits am Abend erreichen, schrieb das Ministerium in einer Mitteilung am späten Freitagabend. Im Verlauf des Samstags könnte dann auch der vorpommersche Teil des Stettiner Haffs betroffen sein.

Das Ministerium von Till Backhaus rief daher die Anlieger vorsorglich dazu auf, auf das Fischen und die Wasserentnahme - unabhängig von der Nutzung - aus dem Gewässer zu verzichten. Die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern bereiten demnach aktuell Gewässer- und Fischproben vor.

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Die Untersuchungen zur Aufklärung des massenhaften Fischsterbens in der Oder dauerten unterdessen an. Bisherige Laboranalysen brachten noch keinen genauen Aufschluss über die Belastung des Wassers und die Ursachen. Allerdings weist nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel die Oder "sehr stark erhöhte Salzfrachten" auf. "Nach jetzigen Erkenntnissen wird es jedoch nicht ein einziger Faktor sein, der das Fischsterben in der Oder verursacht hat", heißt es in einer Mitteilung.

Weitere Untersuchungsdaten "insbesondere zu Schwermetallen, Quecksilber (in weiteren Proben) und anderen Elementen" befänden sich noch zur Abklärung im Labor und sollen in der kommenden Woche verfügbar sein. Umweltpolitiker und Naturschützer bewerteten das Fischsterben als Umweltkatastrophe.

Quelle: ntv.de, vmi/dpa

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