Panorama

Causa Jan Böhmermann #FreeBoehmi schlägt richtig ein

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(Foto: dpa)

Was darf Satire und was nicht? Ist Jan Böhmermann mit seinem Schmähgedicht zu weit gegangen, gehört er gar vor Gericht, wie es die Türkei verlangt? Im Netz formiert sich viel Unterstützung für den Satiriker.

Im Kampf um die Deutungshoheit in Sachen Satire fordert eine Petition, die sich seit Sonntag unter dem Hashtag #FreeBoehmi rasend verbreitet, Straffreiheit für Jan Böhmermann. Der soll, geht es nach dem Willen der Türkei, für sein Schmähgedicht auf Recep Tayyip Erdoğan strafrechtlich verfolgt werden. Der türkische Präsident stellte persönlich Strafantrag gegen Böhmermann und verlangt eine Unterlassungserklärung des Humoristen.

Auch wenn das Gedicht inhaltlich wirklich übel sein mag, habe Böhmermann aber im Kontext gesehen eine wichtige Aussage über Satire gemacht, begründet die Initiatorin Christine Doering ihren Vorstoß auf change.org. "Die verletzten Gefühle eines Herrn Erdogan dürfen keinen Einfluss auf die Pressefreiheit in Deutschland haben", heißt es weiter. "Er hat bereits versucht Einfluss auf die Pressefreiheit bei Extra 3 zu nehmen, bei Böhmermann könnte es ihm nun gelingen."

Bis zum frühen Dienstagnachmittag haben bereits knapp 115.000 Personen unterschrieben. In den Kommentaren, die auf der Homepage der Petition und bei Twitter bereits veröffentlicht wurden, wird Erdoğan unter Beschuss genommen. "Ich unterschreibe, weil der Typ auf dem Weg ist ein Diktator zu werden. Schlimm genug, wenn die Türken das zulassen, hier soll er sich besser raushalten...", schreibt ein User. Ein anderer schreibt: "Ich unterschreibe, weil beleidigte Politiker aus dem Ausland, hier keine Rechte haben und schon gar keine Forderungen stellen dürfen. Außerdem ist die türkische Presse auch nicht gerade zaghaft wenn es um unser Land und Leute geht. [...] Dieser Erdogan soll mal erwachsen werden."

Derweil hat sich auch ZDF-Intendant Thomas Bellut zur Causa Böhmermann gemeldet. Er twitterte: "Die Affäre um den Moderator Böhmermann hat keinen Einflluss auf die Satire-Programme des Senders. Die sind sehr wichtig für unser Programm. Die Freiheiten gelten weiter für alle Sendungen, auch für die von Herrn Böhmermann."

Auf verbale Rüffel folgt Solidarität

Mehrere Politiker und Journalisten hatten sich zuvor bereits mit Böhmermann solidarisiert. Der ehemalige griechische Finanzminister twitterte: "Hände weg von Jan Böhmermann!" Europa habe erst seine Seele verloren, schrieb Yanis Varoufakis und meinte damit das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei, "und jetzt verliert es seinen Humor".

Springer-Chef Matthias Döpfner erklärte in einem offenen Brief: "Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht. Das zu sagen ist mir deshalb wichtig, weil man in den vergangenen Tagen ja keinen einzigen Beitrag – egal ob anklagend oder für Sie parteiergreifend – über Ihren Text gelesen hat, der nicht erst mal, gleichsam als Captatio benevolentiae, betonte, wie geschmacklos und primitiv und beleidigend Ihre Satire über Erdoğan sei."

Auch der bekannte Kabarettist Dieter Hallervorden beteiligte sich mit einem Lied an der Debatte. In dem Song mit dem Titel "Erdogan, zeig' mich an", den Hallervorden auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, heißt es etwa: "Ich sing' einfach, was du bist. Ein Terrorist, der auf freien Geist scheißt." Sein Kommentar zum eigenen Lied: "Jetzt erst recht".

Quelle: ntv.de, dsi

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