Panorama

Fahndungserfolg dank Kronzeugen Gericht verurteilt KaDeWe-Räuber

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An dem Raubüberfall im Berliner Luxuskaufhaus waren mehrere. Einer muss nun ins Gefängnis.

(Foto: dpa)

Im Vorweihnachtsgeschäft 2014 stürmen Maskierte das Berliner KaDeWe. Sie erbeuten Schmuck und Uhren im Wert von mehr als 800.000 Euro. Eine ungewöhnliche Aussage macht die Verurteilung des Haupttäters möglich. Die Beute bleibt verschwunden.

Der Initiator des spektakulären Überfall auf das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe im Dezember 2014 ist zu sechs Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nach Überzeugung der Richter im Landgericht war der 30-Jährige einer der fünf Männer, die maskiert und mit Axt, Machete sowie Reizgas bewaffnet in das Kaufhaus stürmten. Die Räuber hatten Vitrinen zerschlagen und Uhren sowie Schmuck im Wert von rund 817.000 Euro erbeutet.

Von dem 30-Jährigen sei die Initiative für den Überfall mitten im vorweihnachtlichen Trubel ausgegangen, sagte der Vorsitzende Richter. "Der Angeklagte war die treibende Kraft." Er sei des besonders schweren Raubes sowie der 13-fachen Körperverletzung schuldig. Ein Mitangeklagter, der das Fluchtauto bereitgestellt hatte, wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen Beihilfe zum Diebstahl verurteilt. Gegen drei weitere mutmaßliche Komplizen wird vermutlich im Juni Anklage erhoben.

Bei dem Überfall am 20. Dezember 2014 waren mehrere Kunden und Angestellte verletzt worden. "Jeder der Täter hatte einen Gegenstand in der Hand - Machete, Axt, Hammer, Reizgas und einen Feuerlöscher", heißt es im Urteil. Sie hätten die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Insgesamt 13 Geschädigte seien vor allem durch Reizgas verletzt worden.

Beute bleibt verschwunden

Später ermittelte die Polizei mehrere Verdächtige aus dem Umfeld einer für kriminelle Aktivitäten bekannten arabischstämmigen Großfamilie. Bis heute ist unklar, wo die Beute geblieben ist. Vermutlich seien die schwer verkäuflichen Luxus-Stücke weit unter Wert abgesetzt worden, sagte der Richter. Der Angeklagte habe sich dazu nicht geäußert.

Das Urteil am 31. Verhandlungstag war überraschend gesprochen worden. Hintergrund war laut Gericht die unerwartete Aussage eines mutmaßlichen Mittäters. Dieser Mann sei vor mehreren Wochen zur Polizei gegangen und habe sich selbst und die anderen belastet. Der Richter sagte, "beharrlicher Einsatz der Ermittlungsbehörden" habe den Prozess ermöglicht, der zunächst gegen drei Männer begann.

Dem Urteil war eine Verständigung vorausgegangen. Die Richter hatten dem 30-Jährigen im Falle eines Geständnisses eine Strafe von maximal sechs Jahren und zehn Monaten zugesagt. Auf diese Strafhöhe plädierte die Staatsanwältin, die Verteidiger sprachen sich für eine etwas mildere Strafe aus. Sie kündigten bereits Revision an.

Ein Cousin des 30-Jährigen war aber bereits Anfang 2016 freigesprochen worden. Es hätten zu dem Zeitpunkt Beweise gefehlt, hieß es. Aus den überraschenden Aussagen des Mittäters ergibt sich laut Gericht aber, dass der Freigesprochene wohl einer der Räuber im KaDeWe gewesen sei. Ein zweiter Prozess gegen den Mann ist jedoch juristisch nicht möglich.

Quelle: ntv.de, nsc/ahe/AFP/dpa